01/02/2023
 6 Minuten

Mein Erfahrungsbericht: Audemars Piguet Royal Oak 37 mm

Von Pascal Gehrlein
Erfahrungsbericht-AP-Royal-Oak-2-1

Anlässlich des 50. Geburtstages der ikonischen Royal Oak veröffentlichte Audemars Piguet eine Royal Oak Tourbillon Extra-Thin RD#3 mit violettem Zifferblatt und 37 mm Durchmesser – ein in dieser Größe bisher nicht vorhandenes Modell. Wie andere Marken setzt also auch Audemars Piguet zunehmend auf kleinere Größen und bedient damit den Trend zu Durchmessern von 36 mm bis 39 mm. Doch wie trägt sich die Royal Oak in 37 mm? Seit 2020 kann ich mich glücklich schätzen, im Besitz der 15450ST.OO.1256ST.01 zu sein. In diesem Artikel möchte ich meine Erfahrungen mit dieser gehypten Uhr teilen und offen legen, was ich an der Royal Oak mag – und was nicht! 

Audemars Piguet Royal Oak 15450ST.OO.1256ST.01
Audemars Piguet Royal Oak 15450ST.OO.1256ST.01

Worüber reden wir? Die Spezifikationen

Erworben habe ich die „Pre-Owned“-Uhr im Jahr 2020. Die Referenz selbst wird seit etwa 2015 von Audemars Piguet hergestellt. Obwohl ich die Uhr von einem vertrauenswürdigen Händler aus Deutschland sowie mit Garantie und Echtheitszertifikat erworben habe, war mir mit Blick auf den Werterhalt und Wiederverkaufswert wichtig, dass die original Box und Papiere im Lieferumfang enthalten waren. Aus den Papieren geht hervor, dass die Uhr erstmalig 2016 in Italien ausgeliefert wurde. Leider ohne die grüne Hochglanz-Holzbox, sondern im Papierkarton mit Sichtfenster.  

The movement powering the Audemars Piguet Royal Oak 15450ST.OO.1256ST.01
Das Werk der Audemars Piguet Royal Oak 15450ST.OO.1256ST.01

Die aus Edelstahl gefertigte Referenz 15450ST.OO.1256ST.01 misst 37 mm im Durchmesser und 9,8 mm in der Höhe des Gehäuses. Damit ist sie etwas dicker als die 8,1 mm hohen Ultra Thin Modelle. Das Gehäuse ist zudem durch die verschraubte Krone bis 50 m wasserdicht. Ein Highlight aller Royal Oak Modelle ist natürlich das „Grande Tapisserie“-Zifferblatt, welches bei dieser Uhr in silberweiß gestaltet ist. Die aufgesetzten Indizes sowie die Zeiger sind aus Weißgold und haben eine Leuchtbeschichtung. Im Inneren tickt das schön anzusehende und bewährte Automatikkaliber 3120 mit Sekundenstopp, Datumsfunktion auf 3 Uhr und einer Gangreserve von 60 h. Highlight ist der 22-Karat-goldene Rotor mit handgemachter Gravur. Zu sehen ist das Kaliber durch den offenen Saphirglas-Gehäuseboden. Zur Ikone wurde die Royal Oak neben ihrer hexagonalen Lünette auch durch ihr feingliedriges integriertes Armband. Dieses ist ebenfalls aus Edelstahl und durch eine Faltschließe gesichert.   

Was ich an der Royal Oak 37 mm mag  

Als sich im Jahr 2020 für mich die Chance aufgetan hat, die Royal Oak zu erwerben, habe ich nicht lange gezögert. Nachdem ich einige Uhren aus meiner Sammlung verkauft hatte, habe ich zugeschlagen. Ein Faktor für die Kaufentscheidung war zweifellos das Prestige, das mit der Royal Oak verbunden ist. Befragt man Uhrenliebhaber, so hört man ausschließlich Positives über die Marke aus Le Brassus. Die Royal Oak ist eine zeitlose Ikone: Das markante, von Gérald Genta 1972 entwickelte Design, die Begehrlichkeit und Präsenz in der Uhrenwelt und der Popkultur, das alles macht den Reiz einer Royal Oak aus. Diese Uhr hat es geschafft, dass sie als Paradebeispiel für einige Merkmale, wie das integrierte Armband, steht.   

Verurteilen Sie mich nicht, aber ich mag an der Uhr, dass sie fast schon einen Legendenstatus erreicht hat und sie am Handgelenk unverwechselbar ist. So sehr, dass andere Hersteller das Design als Vorlage oder Inspiration nutzen. Jedes Mal, wenn ich diese Uhr anlege, freue ich mich aufs Neue die genannten ikonischen Merkmale genau zu betrachten und erinnere mich, dass es sich um eines der beliebtesten Uhrenmodelle handelt. Das geht einher mit einem gewissen Stolz und einer Ehrfurcht, die zum Charme der Uhr beitragen. Man spürt (oder redet sich zumindest ein), dass man, auch historisch gesehen, eine besondere Uhr am Handgelenk trägt.  

Ein Faktor, der direkt mit dieser Eigenschaft verbunden ist, ist sicherlich die Begehrlichkeit und der Werterhalt der Uhr. Für mich war der mögliche Investmentcharakter beim Kauf nicht ausschlaggebend. Ich habe zwar daran gedacht, dass der Wert sicherlich stabil bleiben wird – dass sich aber auch das bis dato weniger beliebte 37 mm Modell so stark entwickelt, war keine beabsichtigte Spekulation. 

Wertentwicklung der Audemars Piguet Royal Oak 15450ST.OO.1256ST.01
Wertentwicklung der Audemars Piguet Royal Oak 15450ST.OO.1256ST.01

Ein weiterer positiver Aspekt sind für mich tatsächlich die fertigungstechnischen Faktoren. Würde ich meinen Uhrensammler-Typus beschreiben, dann müsste ich feststellen, dass ich eher auf die ästhetischen Eigenschaften von Uhren aus bin. Die Technik ist für mich oft zweitrangig. Doch bei der Royal Oak erwische ich mich, beispielsweise im Vergleich zu meiner Datejust, immer wieder bei der Frage, wie man die Kanten des Armbandes so perfekt bearbeiten konnte. Oder den Übergang zwischen poliertem und gebürstetem Schliff der Lünette erreichen konnte. Gleiches gilt für die einzelnen „Waben“ des „Grande Tapisserie“- Blattes. Und dabei haben die meisten Eigenschaften auch eine praktische Funktion. Denn das Armband ist so bequem wie kein anderes, das ich kenne, und das abgeschrägte Gehäuse schmiegt sich perfekt an das Handgelenk, sodass die Uhr besonders flach sitzt – Form follows function. 

Audemars Piguet Royal Oak 15450ST.OO.1256ST.01 wrist shot
Audemars Piguet Royal Oak 15450ST.OO.1256ST.01 wrist shot

Ein weiterer positiver Aspekt sind für mich tatsächlich die fertigungstechnischen Faktoren. Würde ich meinen Uhrensammler-Typus beschreiben, dann müsste ich feststellen, dass ich eher auf die ästhetischen Eigenschaften von Uhren aus bin. Die Technik ist für mich oft zweitrangig. Doch bei der Royal Oak erwische ich mich, beispielsweise im Vergleich zu meiner Datejust, immer wieder bei der Frage, wie man die Kanten des Armbandes so perfekt bearbeiten konnte. Oder den Übergang zwischen poliertem und gebürstetem Schliff der Lünette erreichen konnte. Gleiches gilt für die einzelnen „Waben“ des „Grande Tapisserie“- Blattes. Und dabei haben die meisten Eigenschaften auch eine praktische Funktion. Denn das Armband ist so bequem wie kein anderes, das ich kenne, und das abgeschrägte Gehäuse schmiegt sich perfekt an das Handgelenk, sodass die Uhr besonders flach sitzt – Form follows function. 

Audemars Piguet Royal Oak 15450ST.OO.1256ST.01
Audemars Piguet Royal Oak 15450ST.OO.1256ST.01

Was ich an der Royal Oak 37 mm nicht mag  

Kommen wir zu den Aspekten, die ich an der Royal Oak nicht mag. Was ich zunächst als positiven Punkt aufgeführt habe, ist gleichzeitig ein Aspekt, der mich zunehmend stört: die Popularität. 

Die Royal Oak ist beinahe „überpräsent“. Besonders in der Popkultur und auf Social Media wird die Uhr mittlerweile so stark gefeiert, dass man allmählich etwas müde werden kann. Natürlich ist die Uhr noch lange nicht an jedem Handgelenk sichtbar – dafür sorgt Audemars Piguet mit der beschränkten Stückzahl. Aber dennoch würde ich sie als „abgekultet“ bezeichnen, was dem Image der Uhr eine gewisse Oberflächlichkeit verleiht, die sie meiner Meinung nach aufgrund ihres Designs und der technischen Extravaganz nicht verdient hat. Dieser Kult führt meiner Meinung nach oft dazu, dass man die Uhr weniger genau betrachtet. Gespräche enden dann oft bereits mit „das ist eine Royal Oak.“ Ohne, dass man näher auf Historie, Design, Merkmale der Uhr eingeht bzw. eingehen muss, da damit bereits alles gesagt ist.  

Was ich persönlich an mir in Bezug auf die Uhr nicht mag ist, dass der Hype und die extreme Wertsteigerung doch dafür sorgen, dass ich öfter die Wertentwicklung der Uhr nachverfolge. Damit wird die Uhr mehr zum (Investment-)Objekt, was mir nicht gefällt. Denn ich habe mich schon das ein oder andere Mal dabei erwischt, dass ich mir zweimal überlege, ob ich die Uhr zu einem Event anziehe – schließlich kann jeder Kratzer den Wert mindern. Zwangsläufig beschäftige ich mich mehr mit dem Investmentcharakter von Uhren – und dagegen sträube ich mich als Romantiker unter den Uhrenenthusiasten noch etwas!  

Wenn wir vom Wert der Uhr sprechen, dann müssen wir auch über die Kosten sprechen. Die Uhr ist im Unterhalt nicht günstig. Man muss beispielsweise beachten, dass die 37-mm-Version ein relativ kurzes Armband hat. Mit 17 cm Handgelenkumfang war mir dieses bereits etwas zu eng. Demnach musste ich in einer Audemars Piguet Boutique ein extra Glied erwerben, was mich damals rund 300 Euro gekostet hat. Ein weiteres Glied musste oder wollte ich tauschen, da es sich einen bösen Kratzer eingefangen hat. Apropos Kratzeranfälligkeit: Ich kann nicht bestätigen, dass die Uhr kratzeranfälliger ist als beispielsweise eine Edelstahl-Datejust. Aber die Kratzer sind schwieriger und kostenintensiver zu korrigieren, da nicht jeder Uhrmacher die notwendigen Maschinen und Kenntnisse hat, um den speziellen Schliff der Lünette oder des Armbandes fachgerecht wiederherzustellen. Kratzer bedeuten demnach entweder Austausch des Bandgliedes oder die Einsendung zu Audemars Piguet zur Wiederherstellung des Originalzustandes. Man sollte auch beachten, dass die Servicekosten, je nach Intensität, auch bei 2.000-3.000 EUR liegen können. 

Fazit 

Für mich ist die Royal Oak eine der ästhetischsten Uhren auf dem Markt. Ein echter Leader, wenn es darum geht, andere Uhrenmarken zu inspirieren. Sei es mit dem Design oder dem Marketing der Uhr. Diesem Anspruch wird sie auch am Handgelenk gerecht. Denn kaum eine Uhr trägt sich so bequem und schön wie die Royal Oak. Gleichzeitig ist zu beachten, dass der Name dafür sorgt, dass man bei Anschaffung und Servicekosten ein „Premium“ bezahlt, und nicht jeder möchte, dass seine Uhr zum Kultobjekt wird. 


Über den Autor

Pascal Gehrlein

Hey, ich bin Pascal. Nachdem ich viele Stunden auf Chrono24 verbracht habe, um schließlich meine erste „Luxusuhr“ zu kaufen, entdeckte ich im Impressum, dass der …

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