11/14/2022
 7 Minuten

Unterschätzte Ikonen – Luxusuhren aus der zweiten Reihe

Von Sebastian Swart
Jaeger-LeCoultre Reverso-Cartier Santos-Breitling Navitimer-Luxusuhren-aus-der-zweiten-Reihe-2-1

Rolex Submariner, Patek Philippe Nautilus, Audemars Piguet Royal Oak oder Omega Speedmaster: Wir alle kennen sie, die großen Lieblinge von Sammlern und Freunden hochwertiger Luxusuhren. Chrono24 hat sich die Datenlage einmal genauer angesehen. Dabei haben wir verschiedene Uhren gefunden, die große Namen tragen und eine spannende Geschichte erzählen, den Weg in die erste Reihe jedoch noch nicht geschafft haben.  

Breitling Navitimer 806 – die raffinierte Rechenmaschine 

Geschwindigkeiten, Treibstoffverbrauch sowie Steig- und Sinkflugraten. Das sind nur drei der vielen Parameter, die man mit der von Breitling 1952 erstmals vorgestellten Navitimer berechnen kann. Mit ihrer komplexen Rechenschieberlünette gilt die Navitimer als eine der innovativsten Fliegeruhren überhaupt und war einst ein unentbehrliches Instrument für professionelle Flieger. Der Name des kultigen Chronographen setzt sich übrigens aus den Begriffen „Navigation“ und „Timer“ zusammen. 

Eine der bekanntesten Navitimer ist die Referenz 806, die Breitling im Jahr 1959 vorstellte. Heute ist diese Vintage-Variante unter Sammlern sehr begehrt, gleichzeitig sind die Preise noch nicht zu abgehoben. 

The Breitling Navitimer 806: a tool watch revolution
Die Breitling Navitimer 806: eine Uhren-Revolution

Das Gehäuse der Breitling Navitimer 806 besteht aus Edelstahl und besitzt einen Durchmesser von 41 mm. Typisch für diese Variante ist das Design im Reverse-Panda-Stil, also ein schwarzes Zifferblatt mit je einem weißen Totalisator bei 3, 6 und 9 Uhr. 

Im Innern der meisten Exemplare gibt das Kaliber Venus 178 den Takt vor. Dieses mittlerweile fast schon antike Schaltrad-Handaufzugswerk produzierte die Fabrique d’Ebauches Vénus S.A. ab den frühen 1940er-Jahren bis etwa in die Mitte der 1960er. Es bietet neben der Zeitanzeige eine Chronographenfunktion mit Anzeigen für 12 Stunden, 30 Minuten sowie die kleine Sekunde. Die Unruh oszilliert mit gemächlichen 18.000 Halbschwingungen pro Stunde (A/h), die Gangreserve beträgt 45 Stunden. Wie damals bei vielen funktionalen Toolwatches üblich, ist die Navitimer 806 mit einem Deckglas aus Kunststoff ausgestattet. 

Die Vintage-Breitling-Navitimer 806 durchlief in den vergangenen zwölf Jahren eine stabile Wertentwicklung. So kostete ein Exemplar Mitte 2010 durchschnittlich rund 3.350 EUR. Ende 2022 ist bereits eine Investition von gut 5.300 EUR erforderlich. Prozentual ausgedrückt liegt die Wertsteigerung damit bei knapp über 58 %. 

Wenn Sie den Look der Navitimer 806 mögen, jedoch mehr Alltagstauglichkeit wünschen, dann sollten Sie sich die 2019 vorgestellte Breitling Navitimer 806 1959 Re-Edition einmal genauer ansehen. Während Maße und Look nahezu identisch sind, ist die Uhr technisch dank moderner Produktionsmethoden auf der Höhe der Zeit. In der Uhr gibt das Breitling Manufakturkaliber B09 mit Handaufzug den Takt vor, dessen Unruh mit 28.800 Halbschwingungen (A/h) tickt. Die Gangreserve beträgt 70 Stunden. 

Auch hier ist die Wertentwicklung positiv. Die auf 1959 Exemplare limitierte Re-Edition konnte in den vergangenen zwei Jahren im Wert um immerhin 14,5 % zulegen. Im guten gebrauchten Zustand kostet die Uhr auf Chrono24 Mitte Oktober 2022 damit knapp über 8.200 EUR. 

Close to the original: The Breitling Navitimer 806 1959 Re-Edition ref. AB0910371B1X1
Nah am Original: Breitlings Navitimer 806 1959 Re-Edition Ref. AB0910371B1X1

Cartier Santos – die erste Fliegeruhr 

Viele unter Ihnen wissen es, einige wird es vielleicht überraschen: Die Cartier Santos verbindet gleich drei Superlative in einer Uhr. So ist das Modell nicht nur die erste Fliegeruhr der Welt, sondern auch die weltweit erste Herrenarmbanduhr. Die Kollektion Santos ist außerdem die älteste Uhrenlinie im Programm von Cartier und existiert bereits seit 1904. Damals entwarf der französische Luxusuhren- und Schmuckhersteller die Santos im Auftrag des brasilianischen Flugpioniers Alberto Santos-Dumont. In einer Zeit, als runde Taschenuhren noch an der Tagesordnung waren, war der Zeitmesser mit dem eckigen Gehäuse und den exotisch anmutenden integrierten Bandanstößen eine echte Sensation. Bis heute stilprägende Designmerkmaler des Zifferblatts sind große römische Ziffern und die markante Eisenbahnminuterie in der Mitte des Blatts. 

Cartier stellte im Laufe der Jahrzehnte etliche Varianten seines Erfolgsmodells vor und experimentierte auch mit unterschiedlichen Materialien wie Gold oder Titan. Zudem gibt es Versionen mit Komplikationen wie Chronograph, Mondphase oder Tourbillon. Mehr oder weniger erfolgreich sind alle Versionen, doch die 2004 vorgestellte Cartier Santos 100 XL (Ref. 2656), die anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Uhr erschien, sticht ein wenig hervor. 

The Cartier Santos 100 XL
Die Cartier Santos 100 XL

Während das Zifferblatt dem ursprünglichen Santos-Design treu bleibt, beeindruckt das Modell mit einer Gehäusegröße von 38 mm x 51 mm. Damit ist die Uhr deutlich größer als ihr Vorbild und vor allem für kräftige Handgelenke gut geeignet. In der Santos 100 XL tickt das Kaliber Cartier 049 auf Basis des bewährten ETA 2892-2. Die Unruh dieses Werks arbeitet mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde (A/h) und bietet eine Gangreserve von 42 Stunden. 

Rein technisch ist die Uhr damit zwar eher durchschnittlich, doch neben ihrer ausgezeichneten Verarbeitung sowie der ikonischen Geschichte und Ausstrahlung bietet das Modell noch einen weiteren Aspekt, der für einen Kauf spricht: eine solide und positive Wertentwicklung. 

Verfolgen wir die Preise bis 2011 zurück, konnte die Santos XL 2656 aus Edelstahl im Wert von rund 3.500 EUR auf über 4.700 EUR im November 2022 zulegen. Das sind immerhin über 34 % Wertsteigerung in 11 Jahren. 

Santos 100 XL (ref. 2656): a pioneering luxury watch with solid financial performance
Santos 100 XL (Ref. 2656): wegweisende Luxusuhr mit solider Wertsteigerung

Jaeger-LeCoultre Reverso – erste Armbanduhr mit Wendegehäuse 

Die Schweizer Luxusuhrenschmiede Jaeger-LeCoultre ist untrennbar mit Ihrem Flaggschiff-Modell Reverso verbunden. Wussten Sie, dass der Hersteller diese Uhr Anfang der 1930er-Jahre als Sportuhr für Polospieler entwickelte? Das sogenannte Wendegehäuse der Jaeger-LeCoultre Reverso ermöglichte es den Spielern, die Anzeige einfach umzuklappen, wodurch sie beim harten Einsatz auf dem Polofeld vor Schlägen geschützt war. Zerbrochene Uhrgläser gehörten – zumindest beim Polo – fortan der Vergangenheit an. Zur Luxusuhr für Stars und den Adel entwickelte sich die Reverso erst im Laufe der folgenden Jahrzehnte. 

Das Grundprinzip und das Design der Reverso haben sich in über 90 Jahren wenig verändert. Auch LeCoultre experimentierte ausgiebig mit neuen Materialien und teils atemberaubenden Funktionen, zum Beispiel bei der Reverso Gyrotourbillon 2 aus Platin. Schlichte Basismodelle blieben der Kollektion Reverso jedoch immer erhalten. Hierzu gehört auch die Jaeger-LeCoultre Reverso Classique mit der Referenznummer 250.8.86 aus Edelstahl. Mit Ihrer Größe von 23 mm x 38 mm ist diese Variante eine ideale Unisex-Uhr im betont klassischen Stil der 1930er-Jahre. Mit ihrer schlichten Zwei-Zeiger-Anzeige für Stunden und Minuten ist sie eine „No Nonsense“-Uhr im besten Wortsinn. Arabische Zahlenindizes und eine mittig aufgedruckte Minuterie komplettieren den zurückhaltenden Charakter der Uhr. Obligatorisch ist das Wendegehäuse. 

Im Innern kommt das JLC-Manufakturkaliber 846 bzw. 846/1 in Tonneau-Form zum Einsatz, das der Hersteller seit Mitte der 1970er-Jahre produziert. Das Handaufzugskaliber tickt mit moderaten 21.600 Halbschwingungen pro Stunde (A/h) und bietet eine Gangautonomie von 40 Stunden. 

Schauen wir uns die Wertentwicklung dieser Reverso, die auf Chrono24 bis 2010 zurückreicht, einmal genauer an. Hätten Sie die Uhr im November 2010 gekauft, wäre eine Investition von ca. 2.200 EUR nötig gewesen. Ende Oktober 2022 beträgt der Preis für ein gut erhaltenes gebrauchtes Exemplar bereits rund 3.600 EUR. Das entspricht einer Wertsteigerung von fast 64 % in 12 Jahren. 

Jaeger-LeCoultre Reverso Ref. 250.8.86: un reloj sobrio en una práctica caja reversible
Jaeger-LeCoultre Reverso Ref. 250.8.86: schlichte Uhr im praktischen Wendegehäuse

TAG Heuer Monaco – die quadratische Stilikone 

Quadratisches Gehäuse, blaues Zifferblatt und eine linksseitige Krone: Wenn Sie an frühe Varianten der 1969 vorgestellten TAG Heuer Monaco denken, kommt Ihnen vermutlich direkt der charismatische Hollywoodstar und ambitionierte Hobbyrennfahrer Steve McQueen in den Sinn. Tatsächlich war es der „King of Cool“, der dem Chronographen im Filmklassiker Le Mans aus dem Jahr 1971 maßgeblich zu seiner heutigen Berühmtheit verhalf. Bei der damaligen Version handelte es sich übrigens um die TAG Heuer Monaco 1133B. 

Jack Heuer – Urenkel des Markengründers Edouard Heuer – war persönlich für den Designentwurf der Monaco verantwortlich. Das Modell war einer der ersten bislang vorgestellten Chronographen mit automatischem Antrieb. Das auch als Chronomatic bekannte Kaliber 11 basierte auf einem Uhrwerk des damaligen Werkeherstellers Büren und wurde mit einem Mikrorotor ausgestattet. Ein entsprechendes Modul des Herstellers Dubois Dépraz sorgte für die Chronographenfunktion. Die auf der linken Seite positionierte Krone war damals kein extravaganter Design-Kniff, vielmehr machte die Werkskonstruktion diese Position notwendig. Erst das etwas später vorgestellte Calibre 12 erlaubte eine klassische Anordnung der Krone auf der rechten Gehäuseseite. 

TAG Heuer präsentierte in den vergangenen Jahrzehnten unzählige Varianten der Monaco. Eine Version ist die Referenznummer CAW211P.FC6356, die – was Farbgebung und Größe betrifft – dem Original von 1969 sehr nahekommt und eine der gefragtesten Monacos auf Chrono24 ist. Die auch als „TAG Heuer Monaco Steve McQueen“ bezeichnete Uhr ist mit einem blauen Zifferblatt ausgestattet und besitzt die prägnanten weißen Totalisatoren bei 3 und 9 Uhr. Außerdem sind die applizierten Indizes horizontal angebracht – ein besonderer Unterschied zu den üblichen Varianten, bei denen die Stundenmarkierungen vertikal ausgeführt sind. 

The TAG Heuer Monaco
Die TAG Heuer Monaco

Das auffälligste Designmerkmal ist natürlich die Krone, die wie bei der Ur-Monaco auf der linken Seite sitzt. Möglich macht dies das TAG Heuer Calibre 11 auf Basis des Sellita SW300, dessen Unruh mit zeitgemäßen 28.800 Halbschwingungen (A/h) schwingt und eine Gangreserve von immerhin 40 Stunden bietet. Stilsicher ist das gelochte schwarze Lederarmband im Rallye-Stil. 

Was den Werterhalt bzw. die Wertsteigerung anbetrifft, so muss sich die aktuelle Monaco „Steve McQueen“ nicht verstecken. Ende 2016 war dieses Modell noch für rund 3.400 EUR zu haben, während Sie heute für ein gutes gebrauchtes Exemplar bereits mit einem Preis von ca. 4.700 EUR rechnen sollten. Das entspricht einer Wertsteigerung von etwa 38 % in 6 Jahren. 

Die Vintage-Variante 1133B durchlief in den vergangenen 12 Jahren ebenfalls eine bemerkenswerte Preisentwicklung. So kostete die Uhr Mitte 2010 noch 7.500 EUR, während Sie heute mit einem Kostenpunkt von knapp unter 14.000 EUR rechnen sollten. Damit ist das Modell jedoch nicht an seinem Peak. Der lag Anfang 2018 bei fast 18.000 EUR. 

A 1970s style icon: the TAG Heuer Monaco ref. 1133B "Steve McQueen"
Eine Stilikone der 1970er-Jahre: TAG Heuer Monaco Ref. 1133B „Steve McQueen“
A modern version of the Monaco 1133B: the ref. CAW211P.FC6356
Neuauflage der Monaco 1133B, die Referenz CAW211P.FC6356

Fazit 

Wie Sie sehen, sitzt es sich – was Kultstatus, Geschichte und Qualität betrifft – auch in der zweiten Reihe sehr komfortabel. Die hier vorgestellten Marken zählen zu den innovativsten Schweizer Herstellern und bieten ausgereifte Technik, die teils seit Jahrzehnten bewährt ist. Gleichzeitig können die Uhren eine positive Wertentwicklung vorweisen, die sich dem heiß gelaufenen Spekulationsmarkt anderer bekannter Hersteller und deren Modellen entzieht. 


Über den Autor

Sebastian Swart

Chrono24 nutze ich privat bereits seit vielen Jahren zum An- und Verkauf, aber auch zur Recherche. Von Uhren bin ich fasziniert, solange ich denken kann. Bereits …

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