08/14/2023
 6 Minuten

Zeit im Wandel: Der Luxusuhrenmarkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten

Von Sebastian Swart
Zeit im Wandel: Der Luxusuhrenmarkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten

Zeit im Wandel: Der Luxusuhrenmarkt in den vergangenen zwei Jahrzehnten

Chrono24 feiert in diesem Jahr sein 20. Jubiläum. Seit der Gründung im Jahr 2003 hat sich der Markt für Luxusuhren sehr stark gewandelt. So brachte die Uhrenindustrie viele Innovationen hervor, die wir heute in den Uhrwerken oder bei der Verwendung neuartiger Materialien sehen können. Daneben hat die digitale Transformation vom stationären Handel hin ins Internet den Luxusuhrenmarkt in den vergangenen 20 Jahren maßgeblich geprägt. Die internationale Uhrenindustrie ist wirtschaftlich so gut wie nie zuvor aufgestellt und bietet Arbeitsplätze für hunderttausende Mitarbeiter. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf wichtige Errungenschaften im Luxusuhrensektor.

Die Bedeutung der internationalen Luxusuhrenindustrie

Mechanische Luxusuhren sind populär wie nie zuvor. Die Absatzzahlen stiegen seit 2003 kräftig und so ist die weltweite Uhrenindustrie ein international wichtiger Wirtschaftszweig. Allen voran natürlich die Schweiz mit ihren über 60.000 Mitarbeitern innerhalb der Uhrenindustrie. Der Exportwert Schweizer Uhren betrug im Jahr 2022 beachtliche 22,4 Mrd. EUR, ein Rekordwert. Für das Jahr 2023 rechnet das Land mit einem weiteren Wachstum, denn allein bis Juni lag der Uhren-Exportwert bei fast 14 Mrd. EUR.

Japans Prognose für das Jahr 2023 ist ebenfalls beachtlich. So rechnet der asiatische Inselstaat mit einem weltweiten Marktvolumen von fast 8,6 Mrd. EUR (+4 %). Deutschland liegt mit einem zu erwartenden Anteil von rund 1,6 Mrd. EUR (+1,4 %) zwar deutlich dahinter, dennoch ist die Uhrenindustrie auch hierzulande von großer Bedeutung für viele Regionen.

Nicht zu unterschätzen ist die kulturelle Bedeutung der traditionellen Uhrmacherkunst und die Leidenschaft für innovative Zeitmesser, die sich viele Hersteller und Uhrensammler teilen. Gleichzeitig übt die Uhrenindustrie einen maßgeblichen Einfluss auf den Luxus- und Lifestyle-Sektor aus, wie wir etwa beim Product Placement in Kinofilmen und dem allgemeinen Hype um Celebrities und ihre Uhren sehen können.

Rekord im Jahr 2022: Der Exportwert Schweizer Uhren belief sich auf 22,4 Mrd. EUR
Rekord im Jahr 2022: Der Exportwert Schweizer Uhren belief sich auf 22,4 Mrd. EUR

Die digitale Transformation des Uhrenmarktes

Der Uhrenindustrie wird oft nachgesagt, reichlich altmodisch zu sein. Wer einmal einen alteingesessenen Konzessionär besucht oder sich auf der ein oder anderen Uhrenmesse herumgetrieben hat, mag dies wohl in Teilen auch bestätigen. Doch wie bei anderen Industriezweigen macht die digitale Transformation auch vor der Uhrenindustrie nicht halt. In jedem Fall hat sich in den vergangenen 20 Jahren einiges getan, um sich den Herausforderungen des digitalen Zeitalters anzupassen.

Durch die stetig fortschreitende Digitalisierung konnten sich völlig neue Geschäftszweige rund um die Uhrenindustrie etablieren. Denken Sie etwa an die vielen kommerziellen Uhrenblogs und -foren, in denen sich Uhrenliebhaber austauschen können. Etablierte Blogs wie Hodinkee oder Fratello haben es sogar geschafft, Kooperationen mit Uhrenherstellern einzugehen, um ihre eigenen Modelle zu kreieren. Noch vor einigen Jahren war dies undenkbar.

Gleichzeitig betreiben unzählige Uhren-Influencer in sozialen Medien Marketing für ihre Lieblingsuhren. All dies führte zu einer breiteren Massenwahrnehmung von Luxusuhren und einem gesteigerten Interesse an hochwertigen Zeitmessern. Weitere Beispiele:

  • E-Commerce und Direktvertrieb: Die Verbreitung des E-Commerce hat den Vertrieb von Uhren revolutioniert. Viele etablierte Uhrenmarken haben ihre Online-Präsenz erweitert und ihre eigenen Online-Shops gestartet, um Uhren direkt an Kunden auf der ganzen Welt zu verkaufen. Das spart Margen für die Konzessionäre und ist auch eine Reaktion auf den folgenden Sektor.
  • Sekundärmärkte: Uhrenhersteller und deren stationäre Konzessionäre hatten vor 20 Jahren ihre Märkte und Kundschaft noch weitgehend fest im Griff. Das hat sich durch Online-Sekundärmärkte wie Chrono24 maßgeblich verändert und den Markt revolutioniert. Händler sind heute wesentlich freier in der Preisgestaltung ihrer Uhren und können diese mit wenigen Mausklicks unabhängig von Herstellern weltweit online anbieten.
  • Technologie in der Uhrmacherkunst: Die digitale Transformation hat auch Einzug in die Uhrmacherkunst gehalten. Viele Uhrenmarken nutzen fortschrittliche Technologien wie CAD/CAM (Computer-Aided Design/Computer-Aided Manufacturing) für die Entwicklung und Herstellung von Uhren, um den Produktionsprozess zu optimieren und die Genauigkeit zu verbessern.

Und wenn wir schon bei E-Commerce und Sekundärmärkten sind – Sie wollen erfahren, welche Uhren die beliebtesten der vergangenen 20 Jahre sind? Dann erfahren Sie mehr darüber von meinem Kollegen Pascal.

Technische Innovationen

Seit der Chrono24-Gründung im Jahr 2003 hat die Uhrenindustrie eine ganze Reihe wichtiger technischer Entwicklungen hervorgebracht. Die Art und Weise, wie Uhren hergestellt, betrieben und genutzt werden, hat sich in den vergangenen Jahren maßgeblich verändert. Auch die Themen Nachhaltigkeit und Ressourcenschutz traten auf den Plan der Hersteller. Hier sind einige der wichtigsten Fortschritte:

  • Mechanische Uhren mit Silizium-Bauteilen: Die Verwendung von Silizium als Material für bestimmte Bauteile in mechanischen Uhren hat sich seit den 2000er-Jahren stark verbreitet. Silizium ist leicht, antimagnetisch und unempfindlich gegenüber Temperaturänderungen, was zu einer verbesserten Genauigkeit und Beständigkeit der Uhren führt.
  • Co-Axial Hemmung: Die von Omega patentierte Co-Axial Hemmung ist zwar schon etwas länger als seit 2003 auf dem Markt. Ihren großen Durchbruch erlangte sie jedoch in den vergangenen 20 Jahren. Dank der Co-Axial-Technik verringert sich der Verschleiß der Hemmung, was zu einer besseren Gangreserve und Präzision beiträgt. Eine Schmierung der Bauteile entfällt ebenfalls.
  • Smartwatches: Die Einführung von Smartwatches durch Unternehmen wie Apple, Samsung und Garmin hat die Uhrenindustrie grundlegend verändert. Traditionelle Uhrenhersteller wie TAG Heuer mit seiner Smartwatch Connected haben begonnen, Konnektivitätsfunktionen in ihre Uhren zu integrieren.
  • Verbesserte und innovative Materialien: Auch hinsichtlich der verwendeten Materialien wurden bedeutende Fortschritte gemacht. So hielten etwa Keramik, Karbonfaser und andere Verbundwerkstoffe Einzug in die Produktion von Gehäusen und deren Bausteinen. Neben optisch ansprechenden Effekten wurden die Uhren leichter und widerstandsfähiger. Einer der Vorreiter auf diesem Gebiet ist die High-End-Uhrenschmiede Richard Mille.
Für den verringerten Verschleiß der Hemmung: Omega's Co-Axial Technik
Für den verringerten Verschleiß der Hemmung: Omega’s Co-Axial Technik

Nachhaltigkeit in der Uhrenindustrie

Der Begriff Nachhaltigkeit ist sicher einer der meist strapazierten der jüngeren Vergangenheit. Auch im Luxusuhrenmarkt bedeutet Nachhaltigkeit, dass Hersteller bestrebt sind, ihre Aktivitäten und Produktionsprozesse umweltfreundlicher, sozial verantwortlicher und ethischer zu gestalten. So haben in den vergangenen 20 Jahren vermehrt recycelte oder zertifizierte Materialien Einzug in die Uhrenherstellung gehalten. Beispielhaft sind hier etwa Kunststoffarmbänder aus recycelten Plastikflaschen oder Fischernetzen, die aus dem Meer gefischt wurden. Auch beim Einkauf von Edelmetallen und Diamanten achten viele Marken, darunter Chopard und Cartier, zunehmend auf die Herkunft dieser Rohstoffe.

Einige Kriterien für die Nachhaltigkeit im Luxusuhrenmarkt:

  • Umweltverträglichkeit: Nachhaltig seriös arbeitende Uhrenmarken wie IWC, Panerai oder Oris setzen sich dafür ein, ihre Umweltauswirkungen zu reduzieren, indem sie ressourcenschonende Produktionsverfahren verwenden, den Energieverbrauch minimieren, erneuerbare Energien nutzen und umweltfreundliche Materialien einsetzen. Die Reduzierung von Abfällen und Emissionen sowie die Förderung der Kreislaufwirtschaft sind ebenfalls wichtige Ziele.
  • Ethik und Sozialverantwortung: Nachhaltige Uhrenmarken achten auf die sozialen Bedingungen in ihren Produktionsstätten und Lieferketten. Sie setzen sich für faire Arbeitsbedingungen ein, achten auf die Einhaltung von Menschenrechten und bekämpfen Kinderarbeit und Zwangsarbeit. Zudem engagieren sie sich oft für soziale Projekte in den Gemeinden, in denen sie tätig sind.
  • Transparenz und Zertifizierungen: Nachhaltige Uhrenmarken sind in der Regel transparent bezüglich ihrer Praktiken, Materialherkunft und Lieferketten. Sie streben nach Zertifizierungen und Gütesiegeln, die ihre Bemühungen bestätigen.
Marken wie etwa Panerai sprechen sich für Nachhaltigkeit im Luxusuhrenmarkt aus
Marken wie etwa Panerai sprechen sich für Nachhaltigkeit im Luxusuhrenmarkt aus

Die Big Player auf dem Luxusuhrenmarkt

Wir haben uns die internationalen Chrono24-Daten einmal näher angeschaut und die Top 10 der Luxusuhrenmarken gelistet, die den größten Marktanteil auf der Plattform einnehmen. Den zehn Marken gemeinsam ist ihr Status als Uhrenmanufaktur und die Tatsache, dass es sich ausschließlich um Traditionshersteller handelt, die seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten Uhren produzieren.

Top 10 Uhrenmarken und ihre weltweiten Marktanteile auf Chrono24 im Überblick:

Uhrenmarke Marktanteil (gerundet)
Rolex 38 %
Omega 10 %
Patek Philippe 5,7 %
Audemars Piguet 4 %
Breitling 3,8 %
Cartier 3,7 %
Tudor 2,7 %
IWC 2,6 %
Panerai 2,2 %
Jaeger-LeCoultre 2,1 %

Wie zu erwarten ist die Genfer Manufaktur Rolex mit großem Abstand die Nummer Eins. Der ewige Rivale Omega liegt mit immerhin 10 % Marktanteil dennoch weit abgeschlagen dahinter. Manch einen mag verwundern, dass Breitling trotz seiner hohen Bekanntheit und der großen Produktpalette im weltweiten Vergleich mit nur 3,8 % Marktanteil lediglich auf Platz fünf landet.

Der Luxusuhrenmarkt hat in den beiden vergangenen Jahrzehnten eine bemerkenswerte Reise hinter sich gebracht: technologische Fortschritte, die digitale Transformation, der Fokus auf Nachhaltigkeit sind nur ein paar Faktoren, die einen Einfluss auf die Uhrenindustrie genommen haben. Mit einer lebendigen Gemeinschaft von Uhrenliebhabern und -sammlern bleibt die Faszination für hochwertige Zeitmesser ungebrochen, und wir können gespannt auf die Zukunft dieses außergewöhnlichen Marktes blicken.

Ihnen hat dieser Artikel gefallen? Vielleicht ja auch der hier: Uhren aus den 2000er-Jahren im Jahr 2023


Über den Autor

Sebastian Swart

Chrono24 nutze ich privat bereits seit vielen Jahren zum An- und Verkauf, aber auch zur Recherche. Von Uhren bin ich fasziniert, solange ich denken kann. Bereits …

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