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Was ist eine Automatikuhr und wie funktioniert sie?

Tim Breining
31.01.2019
Was ist eine Automatikuhr und wie funktioniert sie?

 

Der Großteil der heute verkauften mechanischen Uhren ist mit einem automatischen Aufzug ausgestattet, der von seinem Besitzer nichts weiter verlangt, als seinen Zeitmesser regelmäßig zu tragen. Aber wie zieht sich so eine Automatikuhr „von selbst“ auf? Brauche ich einen Uhrenbeweger, wenn ich eine Uhr nur selten trage und muss ich sonst etwas beachten?

 

Was ist eine automatische Uhr?

Eine Automatikuhr bezeichnet eine Uhr, die sich „automatisch“ also „von selbst“ aufzieht. Natürlich tut sie dies nicht wirklich, denn irgendwo muss die Energie für das Uhrwerk herkommen. Sie bezieht diese Energie aus den Bewegungen ihres Trägers.

Obwohl erste Varianten automatischer Uhren bereits im 18. Jahrhundert gefertigt wurden, fristeten diese lange Zeit ein Nischendasein, bis die Armbanduhr ihren Siegeszug im frühen 20. Jahrhundert antrat. Die neuen Tragegewohnheiten ließen die Uhr von der ruhigen Tasche an den ständig bewegten Arm wandern, und schufen somit ideale Voraussetzungen für den Durchbruch dieser Technologie.

 

 

Wie funktioniert der Automatikaufzug?

Die Bewegungen des Handgelenks müssen auf irgendeine Art und Weise die Zugfeder des Uhrwerks aufziehen. Eine Aufgabe, die bei Handaufzugsuhren der Besitzer durch Drehung der Krone übernimmt. Automatikuhren haben hierfür den Rotor, den Sie (sofern Ihre Uhr einen gläsernen Boden besitzt) auf der Werksrückseite betrachten können. Ändern Sie die Lage Ihres Handgelenks oder vollführen Sie ruckartige Bewegungen, so dreht sich der Rotor des Uhrwerks und zieht über ein Getriebe die Uhr auf. Um ausreichend Kraft hierfür aufzubringen, fertigt man Rotoren aus schweren Materialien wie Wolfram, Gold oder sogar Platin.

 

Kann und soll ich meine Automatikuhr auch von Hand aufziehen?

Abhängig von dem verbauten Uhrwerk ist es möglich, dass eine Automatikuhr die Möglichkeit des Handaufzugs gar nicht bietet. Im Falle des Stehenbleibens der Uhr bleibt Ihnen dann nichts anderes übrig, als Ihren Zeitmesser wenig elegant zu schütteln, bis dieser wieder anläuft. Die meisten modernen Werke verfügen jedoch zusätzlich über einen Handaufzug. Wer seine Uhr selten trägt oder diese schlicht zu wenig Bewegung aussetzt, der schätzt diese Option.

Ob man davon absehen sollte, seine Automatikuhr regelmäßig auch manuell aufzuziehen, ist vom jeweiligen Werk abhängig und kann nicht pauschal beantwortet werden. Hersteller geben zu dieser Frage oftmals Auskunft. Generell gilt jedoch: Sofern man nicht auf den zusätzlichen Aufzug angewiesen ist, kann man auch Verschleiß an Bauteilen einsparen.

 

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Foto: Bert Buijsrogge

 

Wieso man die Aufzugsfeder einer Automatikuhr nicht zerstören kann

Gut zu wissen: Anders als bei Handaufzugsuhren können Sie die Zugfeder durch Überdrehen der Krone nicht beschädigen oder zerstören. Dies stellt ein „Gleitzaum“ genanntes Bauteil sicher, welches die Feder einfach in ihrem Gehäuse verrutschen lässt, bevor ein Schaden auftreten kann. Sie können also so lange drehen, wie Sie wollen, dem Werk wird nichts passieren. Hören Sie beim manuellen Aufziehen Ihrer Automatikuhr doch mal ganz genau hin. Vielleicht hören Sie sogar, wie die Feder verrutscht und so wüssten Sie – ganz ohne Gangreserveanzeige – dass der Vollaufzug erreicht wurde.

 

Die Sache mit den Uhrenbewegern

Wer kennt sie nicht, die rotierenden Schaukästen, in denen der stolze Sammler seine Uhren präsentiert, aufbewahren und am Laufen halten kann. Wie die Uhren, die sie beherbergen, findet man auch Uhrenbeweger in allen Preisklassen, von Discounter- bis zur Manufakturware.

Jeder, der bereits eine kleine Sammlung sein Eigen nennt, hat wohl zumindest über den Kauf eines Bewegers nachgedacht und sich gefragt, ob man sich ein Exemplar zulegen sollte. Und falls ja, sollte man dann zu einem zweckmäßigen, erschwinglichen Produkt oder gleich zur edlen Variante greifen?

 

Watch Winder

 

Wie so oft: Es kommt darauf an, was Sie erreichen wollen. Geht es Ihnen um den Komfort, Uhren nur einmalig stellen zu müssen, so sind Uhrenbeweger zweifelsohne eine sinnvolle Investition. Gerade wenn Sie komplizierte Uhren, etwa mit Ewigem Kalender, besitzen, so kann es sehr mühselig sein, diese ständig manuell korrigieren zu müssen.

Leider gibt es einen Haken. Ist Ihr Beweger nicht so eingestellt, dass er die Uhr täglich ausreichend aufzieht, sondern dies übermäßig tut, so setzen Sie das Werk erhöhtem Verschleiß aus. Folglich lässt sich die Frage nach Qualität des Uhrenbewegers damit beantworten, dass dieser zumindest eine entsprechende Programmierung bzw. Einstellung zu den Umdrehungen/Tag erlauben sollte. Bei einfachsten Modellen kann mit einer Zeitschaltuhr an der Steckdose nachgeholfen werden.

Hartnäckig hält sich bis heute das Gerücht, dass der Uhrenbeweger ein „Verharzen“ der Öle des Werks verhindert. Seit über einem halben Jahrhundert werden jedoch synthetische Öle genutzt, die anders als ihre natürlichen Vorgänger diesen Nachteil nicht mehr aufweisen. Wenn Sie aber den Verschleiß und somit den nächsten Service der Uhr herauszögern wollen und kein Problem damit haben, Uhrzeit und Datum gelegentlich neu einzustellen, so legen Sie Ihre Automatikuhr einfach ab.

 

Machen Sie sich keine Sorgen und genießen Sie Ihren Zeitmesser

Sinn und Zweck einer automatischen Uhr ist es, den Träger von der Verantwortung des täglichen Aufziehens zu entlasten. Nach der Lektüre dieses Artikels könnte man jedoch meinen, dass es bei der Behandlung einer automatischen Uhr einige Stolperfallen gibt. Hier kann man getrost Entwarnung geben. Genießen Sie Ihren Zeitmesser ganz so, wie es Ihnen gefällt. Wollen Sie ihn von Hand aufziehen, weil es Ihnen schlicht Spaß macht oder im Uhrenbeweger platzieren, weil Ihnen die Präsentation zusagt, so tun Sie dies einfach!

All die zuvor genannten „Tücken“ stellen lediglich Tendenzen dar, und keine Uhr wird von heute auf morgen zu Schaden kommen, weil Sie diese nicht haargenau so behandelt haben wie empfohlen. Vielmehr sollten Sie sich an Ihrer Automatikuhr unbeschwert erfreuen, vielleicht mit dem neu erworbenen Wissen im Hinterkopf, denn so können Sie dieses technische Wunderwerk noch mehr wertschätzen. Und gerade diese Wertschätzung ist doch ein wichtiger Aspekt dieser Leidenschaft, oder?

 

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Tim Breining
Von Tim Breining
31.01.2019
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