09/06/2023
 7 Minuten

Uhrenarmband kürzen: Verleihen Sie Ihrer Uhr den perfekten Sitz

Von Tim Breining
Uhrenarmband kürzen: Verleihen Sie Ihrer Uhr den perfekten Sitz

Uhrenarmband kürzen: Verleihen Sie Ihrer Uhr den perfekten Sitz

Uhrenarmbänder aus Edelstahl oder Titan sind nicht zuletzt dank des Trends der Edelstahl-Sportuhr mit integriertem Armband beliebter denn je. Anders als bei Lederarmbändern ist die Anpassung dieser Bauformen an unterschiedliche Handgelenke jedoch etwas umständlicher. Wer sich nicht für jede Kleinarbeit zum Uhrmacher des Vertrauens begeben möchte, der steht früher oder später vor der Aufgabe, das Armband seiner geliebten Uhr selbst zu kürzen oder zu verlängern – am besten, ohne das Schmuckstück dabei zu verkratzen oder gar das Band zu beschädigen. Damit es dazu nicht kommen muss, beschreiben wir Ihnen den Vorgang anhand der häufigsten Bauform in diesem Artikel. Springen Sie gerne zur Überschrift Ihrer Wahl:

Werkzeuge zum Kürzen eines Metallbands

Bevor wir uns dem eigentlichen Vorgang des Anpassens eines Stahl-Uhrenarmbands widmen, sollte geklärt werden, welche Werkzeuge man sich zulegen sollte, sofern man sie nicht schon besitzt. Zwar ist es bei manchen Bandvarianten möglich, auch ohne Uhrenwerkzeuge Längenanpassungen vorzunehmen, indem man zur Hilfe nimmt, was der Haushalt so hergibt, aber davon ist abzuraten. Frust kommt schnell auf, wenn man versucht, eine viel zu weiche Büroklammer oder eine Nadel als Hilfsmittel zu missbrauchen, um Stifte aus Bändern zu drücken. Die Handhabung von Kleinteilen ohne Pinzette ist frustrierend, und ohne ordentliche Unterlage oder Vorrichtung ist ein Verkratzen des geliebten Zeitmessers nur eine Frage der Zeit.

Hinzu kommt, dass akzeptable No-Name Werkzeuge oder ganze Sets für das Kürzen von Bändern zu extrem günstigen Preisen verfügbar sind. Professionelle Qualität von Firmen wie Bergeon oder Dumont hingegen ist nicht billig – angesichts der Preise einer Uhr aber eine Überlegung wert, da hochwertigere Werkzeuge auch das Risiko von Kratzern und Schäden deutlich senken.

Empfehlenswerte Anschaffungen sind:

  • Ein Federstegwerkzeug, um Armbänder von der Uhr zu nehmen sowie die Feinjustage der Länge bei zahlreichen Bauformen vornehmen zu können.
  • Ein Stiftausschläger-Set mit Hammer, verschiedenen Ausschlägern und einer Vorrichtung für das Band.
  • Eine Pinzette zur Handhabung von Kleinstteilen wie Stiften und vor allem Hülsen.

Ob Sie sich für die jeweils günstigste oder eine Profi-Variante entscheiden, Sie werden es nicht bereuen. Mit den genannten Werkzeugen sind Sie bestens gerüstet, um nahezu jede Art von Metallarmband anpassen zu können.

Vielleicht auch von Interesse: In einem früheren Artikel beschreibe ich die Top 5 Tools & Accessoires für Uhren. Lesen Sie später doch mal rein!

Teile eines (sehr preisgünstigen) Stiftausschläger-Sets.
Teile eines (sehr preisgünstigen) Stiftausschläger-Sets.

Metallbänder mit Stiften

Die häufigste Bauform des Uhrenarmbands ist jene, bei der die Glieder durch Stifte zusammengehalten werden, die weder verschraubt noch verklebt, sondern nur durch Reibung in den Gliedern verpresst sind. Leider ist diese gängigste Bauform auch die lästigste und erklärungsbedürftigste hinsichtlich Anpassung der Länge, weshalb sich dieser Artikel in aller Ausführlichkeit und hauptsächlich mit gestifteten Bändern befassen wird.

Es gilt zwei Untervarianten zu unterscheiden. Die zwei üblichsten sind Bänder mit geschlitzten Stiften sowie jene mit zylindrischen Stiften und Hülsen. Bei ihrer Anpassung gibt es kleine, aber wichtige Unterschiede, weshalb wir im Verlauf dieses Guides noch mehrmals auf sie zurückkommen.

Doch wie erkennen Sie, ob ihr Band überhaupt eines mit Stiften ist? Hierfür können Sie an den Gliedern überprüfen, ob in den Bohrungen nur Stifte ohne einen Schraubenkopf zu erkennen sind. Doch Vorsicht: Geschlitzte Stifte können auf einer Seite mit Schlitzschrauben verwechselt werden, weshalb man lieber beide Seiten prüfen sollte. Noch offensichtlicher sind die typischerweise an der Innenseite des Bands vorzufindenden eingravierten Pfeile, die die Richtung angeben, in welcher die Stifte auszutreiben sind. Finden Sie solche Pfeile innen am Band vor, wissen sie ebenfalls, dass sie es mit einem gestifteten Armband zu tun haben.

Anleitung zum Kürzen des Uhrenarmbands

1. Vorbereitung: Bevor es ans Werk geht

Haben Sie schon alle Möglichkeiten einer Feinverstellung ohne Entfernung von Gliedern geprüft? Oft ist dies durch die Umplatzierung eines Federstegs in der Schließe möglich, wofür schon ein Federstegwerkzeug ausreicht. Falls Sie um Kürzung oder Verlängerung nicht herumkommen, sollten Sie ein paar Punkte bedenken.

Betrachten Sie die Uhr an ihrem Handgelenk und überlegen Sie sich genau, wie viele Glieder Sie entfernen oder hinzufügen möchten, und an welchen Stellen dies geschehen soll, um eine asymmetrische Lage der Schließe zu vermeiden. Liegen für das Band Glieder verschiedener Länge vor, um die Größe noch genauer anzupassen? Je weniger Sie korrigieren müssen, desto geringer ist auch das Risiko von Kratzern und Ärger!

2. Abnehmen des Bands der Uhr

Nehmen Sie zunächst das gesamte Band von der Uhr ab. Hier kommt ihr Federstegwerkzeug zum Einsatz. Prüfen sie unbedingt, ob ihre Uhr durchbohrte Bandanstöße aufweist. Ist dies der Fall, dann können Sie mit dem zylindrischen Teil des Federstegwerkzeugs direkt die Federstege durch diese Bohrungen zusammendrücken und das Band entnehmen. Andernfalls müssen Sie mit dem typischen U-förmigen Ende des Federstegwerkzeugs auf der Rückseite der Bandanstöße die Kragen der Federstege eindrücken. Zu guter Letzt könnten Sie es auch mit einem Schnellwechselsystem zu tun haben, das immer populärer wird und ein Abnehmen des Bands gänzlich ohne Werkzeug ermöglicht.

3. Entfernen der Stifte

Wenn Sie das Band von der Uhr gelöst haben, legen Sie dieses in die Vorrichtung des Stiftausschläger-Sets. Es weist Schlitze für Bänder unterschiedlicher Breite auf und Bohrungen, durch welche die Stifte, die man mit Austreiber und Hammer ausschlägt, austreten können.

Platzieren Sie das Band so, dass die Pfeile nach unten zeigen – sie weisen immer auf die Richtung hin, mit der ein Stift auszutreiben ist, nicht die Richtung, in die er eingesetzt wird! Sofern manche Glieder Pfeile aufweisen, andere jedoch nicht, ist es ein ziemlich sicheres Zeichen, dass die pfeillosen Glieder fest verbunden sind und nicht entnommen werden können. Auch wenn diese augenscheinlich Stifte in den Bohrungen aufweisen, sollten Sie nicht versuchen, diese auszuschlagen.

Der Stift kann jetzt ausgeschlagen werden.
Der Stift kann jetzt ausgeschlagen werden.

Suchen Sie jetzt aus dem Sortiment der Austreiber jenen mit idealem Durchmesser aus, das heißt einen, der gut in die Bohrung des Glieds passt, in der der auszutreibende Stift sitzt. Mit vorsichtigen Schlägen können Sie beginnen, den Stift auszutreiben. Achten Sie vor allem bei den ersten Schlägen darauf, dass der Austreiber gut zentriert sitzt. Ein beherzter Schlag auf den stählernen Austreiber, der das womöglich sogar polierte Metallglied statt den Stift in der Bohrung trifft, sorgt mit Sicherheit für bleibende Spuren.

Wenn Sie merken, dass der Stift schon weit aus der anderen Seite ragt, können Sie prüfen, ob er sich bereits per Hand oder mit einer Pinzette herausziehen lässt. Eine Zange sollten sie nur in Ausnahmefällen zu Hilfe nehmen – insbesondere bei geschlitzten Stiften besteht die Chance, diese zu verformen.

Ein gestiftetes Band mit zylindrischem Stift, der nur mithilfe einer kleinen Hülse das Glied zusammenhält.
Ein gestiftetes Band mit zylindrischem Stift, der nur mithilfe einer kleinen Hülse das Glied zusammenhält

Der Stift ist nun ausgetrieben und das Band sollte sich an der betroffenen Stelle trennen lassen. An dieser Stelle kommen wir erneut auf die zwei Bauformen der gestifteten Bänder zu sprechen: Betrachten Sie den ausgetriebenen Stift. Sofern dieser geschlitzt ist, können Sie mit 4. fortfahren.

Ist er vollkommen zylindrisch, so sorgt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Hülse im Glied für die nötige Haftkraft des Stiftes. Diese Hülsen sind winzig und gehen bei unbedarftem Bandwechsel gerne verloren. Das Resultat ist, dass die Stifte bei der Remontage kaum Halt finden oder direkt durch das Glied durchfallen. Achten sie darauf, wo genau die Hülse sitzt, bevor Sie diese entnehmen, und merken Sie sich die entsprechende Bohrung.

Entnehmen Sie die Hülse aus dem Glied und bewahren Sie diese behutsam mit dem zugehörigen Stift auf. Bei der Handhabung sollte eine Uhrmacherpinzette verwendet werden. Die Hülsen sind meist geschlitzt und sehr dünn, weshalb man nur ganz vorsichtig Druck auf sie ausüben sollte.

Wiederholen sie diesen Vorgang so oft wie nötig, abhängig davon, wie viele Glieder sie entfernen oder hinzufügen möchten.

4. Remontage von Gliedern und Stiften

Nun gilt es, das Band in der gewünschten Konfiguration wieder zusammenzufügen und die Stifte wieder einzutreiben. Dies geschieht immer entgegen der Richtung der auf dem Armband eingravierten Pfeile.

Links ein zylindrischer Stift, rechts ein geschlitzter.
Links ein zylindrischer Stift, rechts ein geschlitzter

Fügen Sie zwei Gliederenden zusammen und setzen Sie bei geschlitzten Stiften den Stift mit der schmaleren, nicht geschlitzten Seite ein, bis Sie Widerstand spüren. Dies sollte reichen, um das Band in der Vorrichtung positionieren zu können. Bei Stiften mit Hülsen müssen Sie zunächst die Hülse in die vorgesehen Bohrung im Glied setzen, die Sie sich gemerkt haben. Danach können Sie ebenfalls den Stift einsetzen, bis ein Widerstand zu spüren ist.

Legen Sie das Band an der zu verbindenden Stelle in die Vorrichtung. Beachten sie erneut, dass die Bohrung des Glieds über einer der Bohrungen in der Vorrichtung positioniert ist, um den Stift nicht in diese einzuschlagen.

Schlagen Sie behutsam mit dem Hammer auf den hervorstehenden Stift, bis dieser bündig im Glied sitzt. Nutzen Sie gegebenenfalls die Schonseite des Hammers, um mit den letzten Schlägen nicht die Oberfläche des Glieds zu beschädigen.

Womöglich hält das Band jetzt bereits, typischerweise sitzt der Stift aber nicht zentral genug und das Glied ist auf einer Seite noch lose. Nutzen Sie den Austreiber, den Sie bereits zum Entnehmen des Stiftes genutzt haben, und schlagen Sie erneut auf den Stift. Kontrollieren Sie auf der gegenüberliegenden und dann wieder auf der anderen Seite, ob der Stift etwa gleich tief in der Bohrung zu sitzen scheint. Als hilfreiche Referenz kann einer der Stifte dienen, der noch im Werkzustand im Band verweilt. Ein Lösen während des Tragens möchte man ganz sicher vermeiden.

Uhrenarmbänder mit geschraubten Gliedern

Diese Variante bedarf fast keiner Erläuterung und die Anpassung wird vom Träger schon intuitiv verstanden. Schrauben an beiden Seiten der Glieder müssen lediglich gelöst werden, um Glieder zu trennen. Das Zusammenfügen ist ebenso leicht, da man die Glieder lediglich zusammenfügen und die Schrauben wieder festziehen muss.

Tückisch ist lediglich die Handhabung winziger Schraubendreher, mit denen man nur zu leicht Kratzer verursachen oder den Schraubenkopf beschädigen kann. Die Schrauben sollte man kräftig, aber nicht mit allzu großer Gewalt anziehen, auch wenn die Verlockung aus Angst vor einem Lösen der Schrauben groß ist.

Eine Grand Seiko SBGA373 mit geschraubten Gliedern.
Eine Grand Seiko SBGA373 mit geschraubten Gliedern

Milanaise-Bänder und Sonderbauformen

Eine der Bauformen von Milanaise-Bändern aus Stahlgeflecht weist eine Klemme auf, mit der sich der überlappende Teil des Bands stufenlos anpassen lässt – simpel und intuitiv. Wiederum andere Milanaise-Bänder weisen an der Schließe einige Segmente mit Federstegen auf, über die sich die Länge einstellen lässt. Bestimmte Gliederbänder haben Federstege in jedem einzelnen Glied, was analog eine Längenanpassung ermöglicht.

Verkettet: Breitling Superocean Heritage 46 mit Milanaise-Armband. Verkettet: Breitling Superocean Heritage 46 mit Milanaise-Armband

Gefaltete Stahlbänder

Mittlerweile selten bei hochwertigen Uhren anzutreffen, stößt man vor allem bei älteren Exemplaren auf diesen Typ von Band, beispielsweise bei älteren Seiko 5 Modellen. Auch hier sind Pfeile auf der Innenseite des Bands markiert, doch es gibt keinen Stift zum Ausschlagen. Vielmehr muss mit einem spitzen Werkzeug ein Metallteil in Pfeilrichtung aus dem Glied geschoben werden, welches später wieder hineingesteckt werden muss, um das Band erneut zu verbinden.

Das war sie – meine Anleitung zum Anpassen Ihres Metallbands. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Kürzen eines Uhrenarmbands mit dem richtigen Werkzeug und sorgfältiger Vorgehensweise gut machbar ist. Egal, ob gestiftete oder geschraubte Glieder, die Beachtung der Bauformen sowie die präzise Handhabung sind entscheidend für ein gelungenes Ergebnis ohne Schäden an Ihrer Uhr. Und damit wünsche ich gutes Gelingen!


Über den Autor

Tim Breining

Etwa 2014, während meines Ingenieurstudiums, begann ich mich für Uhren zu interessieren. Mit der Zeit wurde aus der anfänglichen Neugier eine Leidenschaft. Da …

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