Uhren, die für Vergangenheit und Gegenwart stehen

Jorg Weppelink
30.01.2018
Omega Railmaster 1957

 

Der Vintage-Uhrenmarkt ist heißer denn je und das gilt auch für Wiederauflagen und Heritage-Kollektionen. Hier stellt sich die Frage, ob eine neue Uhr, die als Hommage an einen Klassiker auf den Markt kommt, dieselben Hochgefühle bei Uhrenenthusiasten auslösen kann wie das Original.

Es gibt verschiedene Antworten auf diese interessante Frage. Eine große Rolle spielt hier auch die persönliche Geschichte des Käufers und seine Verbindungen zu dem Modell. Das macht den wahren Wert einer Uhr aus und nicht der Kaufpreis. Das Vintage-Original der Wiederauflage oder der Hommage vorzuziehen, zeugt zunächst einmal von einem Sinn für Authentizität. Suchen Sie aber nach einer Uhr mit modernen technischen Standards und einem (in vielen Fällen) niedrigeren Preis, hätten Sie indes eine große Auswahl an neuen Uhren, die den Geist der Originale nahezu perfekt inszenieren.

 

Warum sind Heritage-Editionen so beliebt?

Vintage Heuer Autavia
Vintage Heuer Autavia, Bild: Christopher Beccan

 

Die Nachfrage nach Vintage-Uhren boomte in den letzten Jahren. Das liegt an tollen historischen Geschichten, Stories aus dem goldenen Zeitalter und der steigenden Bedeutung von Uhren als Anlageobjekt. Während Vintage-Uhren sich stets großer Beliebtheit bei echten Uhrensammlern erfreuten, sind sie wegen der winkenden Rendite auch in den Fokus derer gerückt, die Uhren als Investment sehen. Das trieb nicht nur die Preise für Vintage-Uhren in die Höhe, sondern auch das generelle Interesse für die Geschichten, welche die Uhrenhersteller zu ihren historischen Modellen anzubieten haben.

Da die meisten berühmten Uhrenhäuser eine vielschichtige Vergangenheit haben, ist es nur logisch, dass sie etwas in ihren Archiven stöbern und potentiellen Käufern feine Häppchen davon servieren – natürlich nicht ohne Risiko. Begriffe wie „Authentizität” und „Vintage” werden zu Marketingzwecken ausgeschlachtet und führen manchmal zu weniger erfolgreichen Interpretationen von Klassikern.

Hingegen kann ein glaubwürdiger Link zur Vergangenheit bereits ernstes Interesse bei Sammlern hervorrufen. Lassen Sie uns hier einige Modelle anschauen, die als „Heritage” oder „Klassiker” bezeichnet werden und als Hommage an Uhren der Vergangenheit zu verstehen sind.

 

IWC Schaffhausen Tribute to Mark XI

IWC Tribute to Mark XI
IWC Schaffhausen Tribute to Mark XI, Bild: IWC Schaffhausen

 

Die Pilot Mark ist eine der erfolgreichsten Reihen von IWC Schaffhausen und stellt eine Reminiszenz an die große Geschichte von IWC-Fliegeruhren dar. So lancierte man die IWC Mark XII als Nachfolger der legendären Mark XI, die sich von 1948 bis in die 1980er-Jahre an Piloten richtete. Zuerst vorgestellt 1993, wurde die Mark XII mit großem Erfolg als perfekte und moderne Interpretation der IWC-Fliegeruhren angenommen.

Jahrelang legte IWC neue Uhren der Mark-Serie auf, zuletzt die Mark XVIII. Doch dann entschied man sich bei IWC zu dem Schritt, die legendäre Mark XI mit der Pilot’s Watch Mark XVIII Edition “Tribute to Mark XI” zu würdigen. Es macht Sinn an dieser Stelle den ganzen Namen zu erwähnen, denn die Tribute to Mark XI ist rein technisch gesehen nichts anderes als die Mark XVIII – es sind nur ein paar Design-Anpassungen, die sie zur Hommage an die Mark XI machen.

Die größte Änderung ist das aufgeräumtere, minimalistische Zifferblatt mit den legendären Elementen, die den Geist der Mark XI aufleben lassen, so wie auch der fehlende Schriftzug Mark XVIII auf dem Zifferblatt. Deutlich sichtbar kommen zudem die historischen Zeiger, die kleineren Stundenziffern und die eleganteren Stunden- und Minuten-Indizes zum Einsatz.

Außerdem wird eierschalenfarbene Leuchtmassse auf Zeigern und Zifferblatt anstatt der grell-weißen verwendet. Es gibt exakt 1948 Exemplare der Mark XI, was dem Herstellungsjahr des ersten Modells dieses Klassikers Tribut zollt. Mittlerweile brauchen Sie eine Portion Glück um an ein Exemplar zu kommen: Wenn es Ihnen aber gelingt, würdigen Sie damit eines der legendärsten IWC-Modelle.

 

Breitling Superocean Heritage

 

Die Modellreihe Breitling Superocean Heritage ist eine Hommage an die Superocean, die 1957 auf den Markt kam. Bis dahin war Breitling in der Uhrenszene gleichsam ein Synonym für die Luftfahrt. Mit der Superocean betrat der Uhrenhersteller Neuland, obgleich der Schritt hinsichtlich der Konkurrenz von Omega und Rolex, die bereits einige Jahre früher Taucheruhren aufgelegt hatten, nur logisch war. Die Nachfrage nach der Vintage-Superocean stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich an und für die Originalversion müssen Sie heute schon eine hohe 5-stellige Summe auf den Tisch legen.

Die aktuelle Superocean Heritage bietet zwei Generationen zur Auswahl: Die ursprüngliche Superocean Heritage wurde 2007 zum 50-jährigen Jubiläum der Breitling Superocean lanciert und entwickelte sich während der letzten 10 Jahre zum finanziellen Erfolg. Eine bemerkenswerte Geschichte, wenn man beachtet, dass es sich eher um ein atypisches Modell hinsichtlich des Markenbildes handelt. Begriffe wie „schlicht” oder „Understatement” verbinden Uhrenkenner zwar nicht direkt mit der Marke Breitling, aber diese Eigenschaften sind es, die nahe am Original sind und den Erfolg der Serie auslösten. Es ist tatsächlich eine der pointiertesten Taucheruhren auf dem Markt.

Auf der Baselworld 2017 stellte Breitling die Superocean Heritage II vor. Diese neue Generation hat ein leicht verändertes Design. Die Zeiger und Stundenindizes wurden etwas angepasst, um die Ablesbarkeit zu erhöhen. Außerdem wurde die Form von Bandanstößen und Krone leicht modifiziert. Hauptsächliche Neuerungen sind aber das neue Breitling B20-Werk sowie die Keramiklünette. Diese Updates wurden von Uhrenexperten wie von Käufern mit Beifall begrüßt. Es hängt etwas vom persönlichen Geschmack ab, für welche Variante Sie sich am Ende entscheiden: Beide Breitling Superocean Heritage Generationen sind eine echte Hommage an die originale 1957 Breitling Superocean.

 

Tudor Heritage Black Bay

 

Tudor hat sich in den letzten Jahren zu einem sehr erfolgreichen Hersteller entwickelt. Das Unternehmen konnte sich gegenüber Rolex emanzipieren und eine ernstzunehmende Marke mit einer bemerkenswerten Modellpalette und eigenen Manufakturwerken etablieren. Die bekannteste Linie der letzten Jahre ist die Modellreihe Tudor Heritage, die auf den historischen Taucheruhren von Tudor basiert und 1954 mit der Referenznummer 7922 begann.

Nicht jedes Modell der Heritage-Reihe ist eine exakte Wiederauflage der Originale, aber sie bilden das umfangreiche Erbe gut ab. Tudor nutzt den Begriff Heritage, um einen starken emotionalen Hinweis auf die Vergangenheit zu geben und den Käufern so ein Gefühl für die umfangreiche Geschichte der Marke zu vermitteln.

Die beliebteste und bekannteste Uhr der Reihe ist mit Abstand die Black Bay. Sie wurde auf der Baselworld 2012 lanciert, wo sie sofort mit ihrer roten Lünette, den „Snowflake”-Zeigern, der großen Krone und dem insgesamt gelungenen Design für Furore sorgte. Es ist die perfekte Uhr um Tudors 60-jährige Taucheruhren-Tradition zu feiern.

 

Tudor Heritage Black Bay 41
Tudor Heritage Black Bay 41, Bild: Bert Buijsrogge

 

Der jüngste Neuzugang der Kollektion im Jahre 2017 ist die Heritage Black Bay 41, vorgestellt auf der Baselworld im selben Jahr. Dieses besondere Modell ist subtil designt und ähnelt den Klassikern noch mehr als die anderen. Ganz gleich, ob Sie diese Uhr mit einem Metallarmband, einem Lederarmband oder einem Nato-Strap tragen – es wird Ihnen so vorkommen, als sei diese Uhr schon immer da gewesen. Das Design der Tudor Heritage Black Bay 41 ist ein weiterer Beweis dafür, dass der Hersteller verstanden hat, dass Heritage-Uhren nicht unbedingt ein bestimmtes Modell, sondern einfach die Aura einer vergangenen Zeit wiederaufleben lassen müssen.

 

Omega Railmaster 1957

Omega Railmaster 1957
Omega Railmaster 1957 Limited Edition Bild: Balazs Ferenczi

 

Ein anderer Hersteller mit einer lang zurückreichenden Vergangenheit in der Uhrmacherei und der Möglichkeit, seine Luxusuhren mit dieser ikonenhaften Geschichte zu verbinden, ist Omega. Auf der Baselworld 2017 lancierte das Unternehmen die Omega 1957 Trilogy – eine ultimative Hommage an das Jahr, in dem der Schweizer Hersteller drei Ikonen der Uhrengeschichte auf den Markt brachte.

Die Trilogie besteht aus der Omega Speedmaster, der Omega Seamaster 300 und der Omega Railmaster. Die letztere erzeugte das meiste Aufsehen, denn sie war eine unerwartete Wiederauflage eines Omega-Klassikers. Die Trilogie ist als 3er-Set erhältlich und limitiert auf 557 Box-Sets. Die einzelnen Modelle sind in einer Auflage von 3557 Stück erschienen, sodass es durchaus möglich sein sollte, eine Omega Railmaster 60th Anniversary zu bekommen. Wie bei vorhergegangenen Auflagen ist sie eine Reminiszenz an die Vergangenheit, jedenfalls was das Design angeht. In Sachen Technologie hält die Uhr jeden aktuellen Omega-Standard und genau dieses Zusammenspiel zwischen klassischem Design und neuester Technologie macht diese Uhr so attraktiv.

Ursprünglich wurde das Omega-Railmaster-Original von 1957 für Menschen gemacht, die sich in einer Umgebung mit starken elektromagnetischen Strahlen bewegten und deswegen eine Uhr brauchten, deren Teile den Magnetfeldern zu widerstehen vermochten. Und genau hier finden sich auch die technischen Stärken der Railmaster 60th Anniversary. Das Omega-Kaliber 8806 kann magnetischen Feldern mit einer Stärke von bis zu 15.000 Gauss widerstehen, wogegen das Original CK 2914 gerade einmal 1.000 Gauss aushielt. Wenn Sie die Railmaster 60th Anniversary neben das Original mit der Referenznummer CK2914 legen, zeigt sich, dass Omega in puncto Design dem Original treu geblieben ist. Omega hat zwar die Ablesbarkeit deutlich durch die Verwendung von Superluminova auf den Zeigern und Indizes erhöht, aber das ist tatsächlich auch schon alles.

Die Dinge so zu belassen wie sie waren, ist wahrscheinlich die stärkste Reminiszenz, die ein Uhrmacher an eine Originalversion machen kann. Warum sollte man das Design einer Uhr auch ändern, wenn es genau das ist, was sie auszeichnet? Wenn es gut gemacht ist, stellt ein Heritage-Modell immer eine verführerische Alternative zum Vintage-Original dar, vor allem, weil die Preise der Vintage-Uhr in den letzten Jahren astronomisch in die Höhe gegangen sind. Eine Neuauflage zu kaufen ist letztlich eben auch eine ökonomische Entscheidung.

 

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Jorg Weppelink
Von Jorg Weppelink
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