09/28/2023
 5 Minuten

Tudor Black Bay 54 Review: Ein unverblümter Realitäts-Check

Von Donato Emilio Andrioli
2-1-Tudor-Black-Bay

Tudors neuester Streich ist eine Neuinterpretation der Tudor Submariner aus 1954. Durch ihre Größe bringt die Tudor Black Bay 54 das Gefühl von Vintage auf die nächste Ebene. Seit drei Monate gehört diese Uhr in meine Sammlung und habe sie ausgiebig getragen. Nun ist es an der Zeit, Ihnen alles zu verraten, was Sie zu Tudors neuer Taucheruhr wissen müssen. In diesem Black Bay 54 Langzeit-Review erzähle ich Ihnen nicht nur alles über Design, Maßen, technischen Spezifikationen und Besonderheiten der neuen Tudor Black Bay 54, sondern auch, warum ich sie so unglaublich gut finde.

Warum die Tudor Black Bay 54?

Bevor wir mit dem Realitäts-Check beginnen: Was hat mich eigentlich dazu gebracht, mir eine Black Bay 54 zu kaufen, obwohl ich bereits eine Black Bay 58 in meiner Sammlung habe? Ehrlicherweise war es lediglich ein kleines, jedoch feines Detail, welches mich bei der beliebten Tudor schon immer unheimlich gestört hat. Die Tudor Black Bay 54 macht genau in dieser Hinsicht eine Sache entschieden anders und auch besser als viele andere Vintage-inspirierte Taucheruhren. Um welches Detail es sich handelt, das erfahren Sie noch, doch erstmal der Reihe nach.

Übrigens, auch mein Kollege Pascal hat sich die Black Bay 54 bereits genauer angeschaut und einen Vergleich zur Black Bay 58 gezogen – reinlesen lohnt sich!

 

Wie „damals“: Design und Maße der Tudor Black Bay 54

In den letzten Jahren hat die Uhrenwelt einen unglaublichen Vintage-Hype erlebt, doch die Tudor Black Bay 54 geht in dieser Hinsicht noch einen Schritt weiter: Sie ist nicht nur optisch eng an der Tudor Submariner aus 1954 angelehnt, sondern übernimmt auch ihre Größe. Die Tudor Black Bay 54 hat einen Durchmesser von 37 mm, eine Dicke von 11,24 mm und einen Lug-To-Lug von 46 mm. Der Bandanstoß beträgt 20 mm und ist somit identisch zur Black Bay 58. Auf dem Papier ist die Tudor Black Bay 54 eine kleine Taucheruhr, für heutige Verhältnisse geradezu winzig, doch auf dem Handgelenk ist davon nichts zu spüren. Die Uhr trägt sich größer, als es die nackten Zahlen vermuten lassen und lässt sich bis zu einem Handgelenksumfang von ca. 17,5 cm problemlos tragen. Das Design ist kein 1:1 Revival der Tudor Submariner aus 1954, sondern vielmehr eine Liebeserklärung an die erste Taucheruhr von Tudor. So war der Snowflake-Zeiger damals ebenso wenig Teil des Design, wie das Schildlogo, das auf zwölf Uhr prangt. Das Zifferblatt besitzt Gilt-Indizes und Zeiger, kommt jedoch mit einem seidigen Sunburst-Effekt daher, welches gerade in der Sonne, sowie im Tageslicht unglaublich schön anzusehen ist. Das Gehäuse ist vertraut und kommt wie ein verkleinertes Black Bay Gehäuse daher, welches mit seinen Fasen und geschwungenen Konturen einen unwiderstehlichen Charme versprüht. Die Krone mit der eingravierten Rose ist ein weiteres verspieltes Detail, welches unmissverständlich klar macht, dass wir es hier mit einer Vintage-inspirierten Uhr zu tun haben. Das dürfte auch der Grund sein, warum die Lünette keine 15 Minuten Graduierung besitzt, die bei Taucheruhren heute Gang und Gäbe ist – Tudor hat sich bewusst dagegen entschieden. Das Motto der Tudor Black Bay 54 lautet: wenn Vintage, dann richtig – mit allen Vor und Nachteilen, die dazu gehören.

Tudor zieht das Thema Vintage konsequent durch: Die Lünette der Tudor Black Bay 54 besitzt keine 15 Minuten Graduierung.
Tudor zieht das Thema Vintage konsequent durch: Die Lünette der Tudor Black Bay 54 besitzt keine 15 Minuten Graduierung.

Die Technik der Tudor Black Bay 54: Alles andere als Vintage

Technisch bietet Ihnen die Tudor Black Bay 54 hingegen alles, was Sie von einer modernen Taucheruhr erwarten können, zumindest fast: Aus Designgründen hat sich Tudor gegen eine Keramiklünette entschieden. Die einseitig drehende Taucherlünette besteht, wie bei der Black-Bay-Linie üblich, aus Aluminium. Da ich bereits einige Black-Bay-Modelle in meiner Sammlung hatte, kann ich Sie beruhigen: Sie brauchen sich keinerlei Sorgen machen, wenn Sie die Uhr im Alltag tragen, die Aluminiumlünette ist extrem robust. Die Uhr besitzt ein Saphirglas und hat eine Wasserdichte von 200 Metern. Die Uhr besitzt nicht das neue METAS-zertifizierte Werk, welches bei der neuen Black Bay in 41 mm zum Einsatz kommt. Beim Automatikwerk handelt es sich um das MT5400 Manufakturwerk, welches schon bei anderen Tudor-Uhren wie die Pelagos 39, die Black Bay 58 in Silber, sowie in Gold verwendet wurde. Dieses ist nahezu identisch zum MT5402, welches in den Stahlversionen der Tudor Black Bay 58 seine Arbeit verrichtet. Das Werk ist COSC zertifiziert und hat eine Gangreserve von satten 70 Stunden. Eine weitere technische Besonderheit ist die neue T-Fit Schließe, dank ihr lässt sich das Armband schnell und ohne Werkzeug ein paar Zentimeter anpassen.

Trotz konsequent durchgezogenem Vintage-Look hat es die neue, hochmoderne T-Fit Schließe in das Design der Tudor Black Bay 54 geschafft.
Trotz konsequent durchgezogenem Vintage-Look hat es die neue, hochmoderne T-Fit Schließe in das Design der Tudor Black Bay 54 geschafft.

Die größte Stärke der Tudor Black Bay 54: Qualität und Haptik

Die größte Stärke der neuen Taucheruhr ist die hohe Qualität, die Tudor bietet. Vor allem, wenn wir den Listenpreis von 3.550 € für die Version am Kautschukband und 3.750 € für die Stahlband-Version in Betracht ziehen – das ist in der Luxusuhrenwelt unschlagbar, selbst bei den aktuellen Marktpreisen, die allesamt einige hundert Euro über den offiziellen Listenpreis liegen. Das Sunburst-Zifferblatt ist toll verarbeitet und verleiht der Uhr einen Hauch von Luxus. Das Gehäuse begeistert mit seinen abwechselnd mattierten, sowie polierten Teilen. Das Kautschukband ist bequem und extrem hochwertig verarbeitet, selbiges gilt für das Stahlband, welches erneut mit Nieten an den Kanten daherkommt. Einen Minuspunkt gibt es bei der Schnellverstellung der T-Fit Schließe, die leider etwas ungenau ist. Sie lässt sich bei weitem nicht so gut bedienen wie die Schnellverstellung einer Rolex Submariner und wirkt wie ein Feature, welches nicht ganz zu Ende gedacht wurde. Dafür ist die einseitig drehbare Lünette Tudor-typisch phänomenal. Diese zu betätigen entpuppt sich als purer Genuss, der kernige Sound sorgt beim Betätigen für eine regelrechte Gänsehaut. Ein typisches Detail der Black-Bay-Lünette hat es mir dabei besonders angetan: Der letzte der 60 Klicks ist lauter als alle anderen, so als würde Ihnen die Lünette ein akustisches Feedback geben, dass das Dreieck nun an seinem richtigen Platz ist. Ein völlig unwichtiges, kleines Detail, welches der Uhr jedoch das Gewisse Etwas verleiht.

Tudor bietet Ihnen Luxus-Qualität zum vergleichsweise kleinen Preis.
Tudor bietet Ihnen Luxus-Qualität zum vergleichsweise kleinen Preis.

Deshalb ist die Tudor Black Bay 54 so gut

Die Tudor Black Bay 54 ist nicht perfekt. Die Schnellverstellung ist zwar praktisch, jedoch auch ein klein wenig ungenau. Das moderne T-Fit Design der Schließe sieht zwar toll aus, passt meiner Meinung nach jedoch nicht wirklich in das ansonsten konsequent durchgezogene Vintage-Design. Das gilt insbesondere für die Version am Stahlband, die mit den auf Vintage getrimmten Nieten ausgestattet ist. Trotzdem bin ich gerne dazu bereit, über diese minimale Schwächen hinweg zu sehen, denn die Tudor Black Bay 54 gehört zu den besten Neuheiten 2023. Das Design ist extrem gelungen, die Technik bietet alles, was eine moderne Uhr braucht, die Qualität ist grandios und der Preis unschlagbar. Nun ja, das gilt für jede Black Bay, nicht wahr? Trotzdem ist die Tudor Black Bay 54 in meinen Augen die optisch schönste, denn sie hat ein Alleinstellungsmerkmal: das edel wirkende Zifferblatt. Wo Vintage-inspirierte Taucheruhren gerne mit groben, mattschwarzen, grau wirkenden Zifferblättern fast schon langweilen, ist das seidige Sunburst-Zifferblatt eine wahre Augenweide, welches mit tollen Effekten und edlem Look punktet. Die Tudor Black Bay 54 ist ein Vintage-Meisterwerk, welches zu jedem Outfit passt und in allen Situationen eine tolle Figur macht. Dank durchdachten Maßen kann die kleine Tudor auch an größeren Handgelenken überzeugen. Jeder Uhrenliebhaber, der auch nur im entferntesten etwas für Vintage-inspirierte Taucheruhren übrig hat, sollte sich diese gelungene Tudor-Neuheit genauer ansehen.


Über den Autor

Donato Emilio Andrioli

Als ich mit der Tudor Black Bay 41 meine erste mechanische Uhr kaufte, begann für mich eine neue große Leidenschaft. Besonders begeistern mich ikonische Uhren, die eine interessante Geschichte vorweisen können.

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