12/15/2023
 6 Minuten

Preiswerte Uhren – denn sie müssen nicht immer teuer sein

Von Sebastian Swart
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In den vergangenen Jahren erlebten wir einen turbulenten Markt im Luxusuhrensektor. Die Preise bestimmter Modelle einiger Marken – allen voran Rolex und Patek Philippe – entkoppelten sich komplett von den offiziellen Listenpreisen. Der Flug in schwindelerregende Preishöhen fand insbesondere zwischen 2019 und 2022 statt. Als die Preise etlicher Referenzen wieder zurück auf den Boden der Tatsachen zurückfielen, machte sich nach der großen Euphorie eine noch größere Ernüchterung breit. Trotz der deutlichen Konsolidierung hängen die Preisschilder besonders beliebter Luxus-Armbanduhren noch immer sehr hoch. Für viele Uhrenfans sind sie schlicht unerreichbar oder die Logik verbietet eine derart hohe Investition in nur einen Gegenstand.

Dass große Luxusuhrenmarken noch Modelle führen, die Sie auf Chrono24 zu einem ausgezeichneten Preis-Leistungs-Verhältnis und oft unter dem Listenpreis kaufen können, zeigen die folgenden Beispiele. Neben verschiedenen Modellen der letzten 20 Jahre betrachten wir auch deren Preisentwicklung.

Seamaster 300 – Omegas eleganter Taucher

Die 41 mm große Omega Seamaster 300 Ref. 234.30.41.21.01.001 steht in direkter Konkurrenz zur Rolex Submariner Ref. 124060. Die aktuelle Variante der Seamaster 300 ist in leicht veränderter Form seit 2014 auf dem Markt. Das Ur-Modell stellte Omega im Jahr 1957 vor – vier Jahre nachdem Rolex die Submariner präsentierte. Möglicherweise ist die späte Stunde der Seamaster 300 ein Grund dafür, warum diese Uhr stets im Schatten der Submariner schwimmt. Rein technisch gesehen steht die Seamaster 300 der Submariner 124060 in nichts nach. Ganz im Gegenteil: Das Omega Master-Chronometer-Kaliber 8912 ist dank Co-Axial-Technik dem Rolex 3230 sogar noch überlegen.

Legendäre Taucheruhr zum fairen Preis – Omega Seamaster 300
Legendäre Taucheruhr zum fairen Preis – Omega Seamaster 300

Bei der Modellpflege der Seamaster 300 geht Omega ähnlich behutsam vor wie die Konkurrenz aus Genf. So hat sich das Grunddesign in den vergangenen sechs Jahrzehnten kaum verändert. Dass die Omega Seamaster 300 hinter der Rolex Submariner die ewige zweite Geige spielt, hat jedoch einen entscheidenden Vorteil: der Preis bleibt moderat.

Während Sie für eine neuwertige Submariner 124060 auf Chrono24 über 12.000 EUR hinlegen müssen, bekommen Sie die Seamaster 300 bereits für unter 6.000 EUR. Damit liegt die Omega fast 2.000 EUR unter ihrem offiziellen Listenpreis von 7.800 EUR, während die Rolex nahezu 3.000 EUR darüber liegt.

 

Heuer Autavia – der sportliche Rennsportchronograph

Die erste Referenz (2446) des ansprechend gestalteten Rennsportchronographen Autavia stellte die Schweizer Uhrenmanufaktur Heuer bereits 1963 vor. Bis in die 1980er-Jahre hinein produzierte Heuer etliche unterschiedliche Varianten des sportlichen Chronographen, bis das Modell schließlich eingestellt wurde. Seit 2003 befinden sich wieder frische Autavia-Uhren im Programm von TAG Heuer. Den Anfang machte die Autavia CY2111, eine Hommage an das Modell „Jo Siffert“ der 1970er-Jahre, bei der sich die Krone auf der linken Seite befindet. Nach einer längeren Pause legte TAG Heuer im Jahr 2017 mit der CBE2110 nach. Hier griff die Manufaktur das Tricompax-Design der Autavia „Jochen Rindt“ wieder auf.

TAG Heuers beliebter Rennsportchronograph Autavia CBE511A.FC8279.
TAG Heuers beliebter Rennsportchronograph Autavia CBE511A.FC8279

Eine der aktuellen Referenzen des Chronographen ist die Autavia CBE511A.FC8279. Optisch, wie technisch hat das Modell weder mit den ganz frühen Handaufzugsvarianten noch mit den ab 2003 vorgestellten automatischen Zeitmessern viel gemeinsam. Dies liegt unter anderem an den arabischen Zahlen auf dem Zifferblatt. Das Gehäuse der 42 mm großen Edelstahluhr beherbergt das Heuer Kaliber 02 im Tricompax-Design. Das automatische Flyback-Uhrwerk ist COSC-zertifiziert und bietet eine Gangreserve von 80 Stunden.

Wenn Sie dieses Modell im stationären Handel kaufen, ist in der Regel der aktuelle Listenpreis von 6.850 EUR fällig. Auf dem Sekundärmarkt sieht die Preisgestaltung jedoch ein wenig anders aus. So kostet die TAG Heuer Autavia CBE511A.FC8279 auf Chrono24 im neuwertigen Zustand durchschnittlich rund 5.450 EUR. Prozentual ausgedrückt entspricht das über 25 % unterhalb der UVP des Herstellers.

 

Breitling Navitimer – funktional und markant

Ein weiterer legendärer Chronograph ist die Breitling Navitimer. Dieses bereits 1952 für Piloten vorgestellte Modell verfügt über eine Reihe von Funktionen, die so manchen Träger dieser Uhr überfordern dürften. So können Sie unter Zuhilfenahme der sogenannte Rechenschieberlünette und ausreichend mathematischem Verständnis etwa Geschwindigkeiten, den Treibstoffverbrauch sowie Steig- und Sinkflugraten berechnen. Hinzu kommt noch die Chronographenfunktion.

Der aktuelle Navitimer-Katalog von Breitling umfasst unglaubliche 266 Modelle (Stand November 2023), wenn man die Drei-Zeiger-Uhren mit einrechnet. Die wenigsten davon entsprechen noch dem ursprünglichen Modell von 1952, dennoch ist eine Navitimer sofort als solche zu erkennen.

Eines der aktuellen Standardmodelle ist die Navitimer 01 (Ref. A13324121B1X1). Diese 41 mm große Variante besitzt ein schwarzes Zifferblatt mit Totalisatoren bei der 6, 9 und 12. In der Uhr tickt ein Kaliber Breitling 13 auf Basis eines ETA- oder Sellita-Uhrwerks. Das COSC-zertifizierte Werk bietet eine Gangreserve von 48 Stunden.

Idealer Einstieg in die Welt der Navitimer – die Referenz A13324121B1X1.
Idealer Einstieg in die Welt der Navitimer – die Referenz A13324121B1X1

Bei dieser Ausführung des Kult-Chronographen ist der Marktpreis deutlich unter des Listenpreises angesiedelt. Während dieser bei 5.850 EUR liegt, können Sie auf dem Sekundärmarkt fast 28 % sparen. Der durchschnittliche Preis auf Chrono24 liegt bei knapp unter 4.600 EUR.

 

Edel und elegant – Glashütte Original PanoMaticCalendar

Beim folgenden Beispiel geht es etwas edler zur Sache. Die Reihe PanoMatic befindet sich seit über 20 Jahren im Programm von Glashütte Original. Während die Uhren optisch immer als solche zu erkennen sind, experimentiert die Manufaktur mit technischen Funktionen. Eine der aktuellen Varianten ist die Glashütte Original PanoMaticCalendar (Ref. 1-92-09-02-05-62). Das Modell mit seinem 42 mm großen Gehäuse aus Rotgold schafft mit Bravour den oft schwierigen Spagat zwischen Luxus und vornehmer Zurückhaltung.

Preiswert im besten Sinne – Glashütte Original PanoMaticCalendar
Preiswert im besten Sinne – Glashütte Original PanoMaticCalendar

Hierfür sorgt nicht zuletzt das aufwendig dekorierte Manufakturkaliber 92-09, das für die dezentrale Anzeige auf dem großzügig ausgelegten silbernen Zifferblatt sorgt. Die Stunden und Minuten sind links etwa zwischen 8 und 11 Uhr platziert, während sich darunter die kleine Sekunde ungefähr auf Höhe der 7 befindet. Dem gegenüber ist eine Mondphase, ein Panoramadatum sowie eine retrograde Monatsanzeige. Letztere erstreckt sich von der 3 bis zu 6. All diese Funktionen werden über die Krone bei 3 Uhr eingestellt bzw. bedient. Die Gangreserve liegt bei üppigen 100 Stunden.

Das kleine Meisterwerk wird an einem braunen Armband aus Nubukleder ausgeführt, das wahlweise mit einer Dorn- oder Faltschließe zu haben ist. Die unverbindliche Preisempfehlung von Glashütte Original für letztere Variante liegt bei 33.200 EUR. Der mittlere Preis für ein neuwertiges Exemplar liegt auf Chrono24 etwa 36 % darunter bei rund 24.300 EUR.

 

Explorer II 16570 – die preiswerte GMT-Uhr von Rolex

Die Rolex Explorer II 16570 passt eigentlich nicht so recht in diese Liste, da sie bereits seit 2011 nicht mehr hergestellt wird. Da es aktuell jedoch kaum möglich ist, irgendwo ein aktuelles Modell der Genfer Manufaktur unterm Listenpreis zu kaufen, haben wir ein Vorgängermodell herausgesucht, dass in den vergangenen 20 Jahren zwar spürbar teurer geworden ist, jedoch noch halbwegs ein realistisches Preis-Leistungs-Verhältnis bietet.

Noch eine preiswerte Rolex mit GMT-Funktion – Explorer II Ref. 16570
Noch eine preiswerte Rolex mit GMT-Funktion – Explorer II Ref. 16570

Für viele gilt die Rolex Explorer II als ideale Alternative zur GMT-Master, da sie eine zweite Zeitzone anzeigen kann. Hauptunterschiede zwischen den Uhren sind die jeweiligen Konzepte und Zielgruppen. Während sich die GMT-Master seit jeher an Piloten und Weltenbummler richtet, ist die Explorer II ursprünglich für Höhlenforscher konzipiert worden. Das Design der Explorer II 16570 hat Rolex 1985 erstmals vorgestellt. Es ist seither nahezu unverändert (lediglich etwas aufgeblasen) auch bei den zwei aktuellen Varianten der Referenz 226570 zu finden.

Die 16570 selbst wurde zwischen 1989 und 2011 über einen Zeitraum von 22 Jahren produziert. Mit ihrer Größe von 40 mm eignet sich dieses Modell für nahezu alle Handgelenke. In den Varianten der letzten Bauphase ab 2006 tickt das Rolex Kaliber 3186 mit Parachrom-Spiralfeder, Paraflex-Stoßsicherung und einer Gangreserve von 50 Stunden.

Betrachten wir die Preiskurve der vergangenen 14 Jahre, fällt auf, dass die Preise für neuwertige Explorer II 16570 genau den Verlauf widerspiegelt, den wir in der Einleitung bereits erwähnt haben. Den Peak erlangten die Preise Mitte 2022, als noch 14.000 EUR für die Variante mit schwarzem Zifferblatt erzielt wurden. Im November 2023 können Sie hingegen „schon“ für durchschnittlich 9.500 EUR zuschlagen. Damit ist die 16570 zwar alles andere als günstig, bietet jedoch einen der Marktsituation entsprechend preiswerten Einstieg in die Welt der Rolex Zeitmesser mit GMT-Funktion. Zum Vergleich: Eine neuwertige GMT-Master II 116710LN wird Ende 2023 mit durchschnittlich 16.300 EUR gehandelt.

 

Fazit

Wie Sie sehen, ist es noch immer möglich, beliebte Modelle renommierter Luxusuhrenmarken unter der unverbindlichen Preisempfehlung zu bekommen. Die Daten unserer Watch Collection zeigen außerdem, dass die Marktpreise von Angebot und Nachfrage bestimmt werden. Daher sind gut verfügbare Modelle, die vielfach angeboten werden, meist zu guten Konditionen zu bekommen. Ausnahmen bilden – wer wüsste es nicht – besonders nachgefragte, seltene Modelle bestimmter Marken. Wer also Pragmatismus pflegen kann und nicht nach den Sternen bzw. Kronen greifen muss, kann eine Menge Geld sparen.


Über den Autor

Sebastian Swart

Chrono24 nutze ich privat bereits seit vielen Jahren zum An- und Verkauf, aber auch zur Recherche. Von Uhren bin ich fasziniert, solange ich denken kann. Bereits …

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