11/08/2023
 5 Minuten

Omega vs. Tudor – ein Kopf-an-Kopf-Rennen?

Von Donato Emilio Andrioli
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Sowohl Omega als auch Tudor gehören heutzutage zu den beliebtesten Uhrenmarken, die es gibt. Doch wie unterscheiden sich die beiden Luxusuhrenhersteller voneinander? Wer bietet die abwechslungsreichere, spannendere Uhrenkollektion? Wer hat bei Qualität und Design die Nase vorn? Wie unterscheidet sich die Preisgestaltung und welche der beiden Uhrenmarken ist wertbeständiger? All das erfahren Sie in unserem Vergleich zwischen Omega und Tudor.

Die Geschichte von Omega und Tudor

Omega gehört zu den ältesten Uhrenmarken, die es gibt. Die Geschichte des Luxusuhrenherstellers reicht bis in das Jahr 1848 zurück, als der damals 23-jährige Louis Brandt einen Betrieb zur Herstellung von Uhrenteilen eröffnete. Der Name „Omega“ tauchte erstmals im Jahr 1894 auf, als das Unternehmen eine neue Taschenuhr mit gleichnamigem Werk vorstellte. Dabei sollte er die außergewöhnlich hohe Qualität des verbauten Werks betonen: Ω ist der letzte Buchstabe im griechischen Alphabets und steht für Vollendung. Erst 1904 wurde Omega offiziell als Markennamen eingeführt. Der Luxusuhrenhersteller aus Biel ist für einige der ikonischsten Uhren aller Zeiten verantwortlich. Uhren, wie die Omega Seamaster und die Omega Constellation bestehen seit nun mehr als 70 Jahren und befinden sich bis heute im Katalog. Der größte Erfolg von Omega ist die Omega Speedmaster Professional. Die seit 1957 bestehende Speedmaster wurde im Jahr 1965 von der Nasa als Weltraumuhr auserkoren und hat seitdem unzählige Weltraumabenteuer bestritten. Sie ist bis heute die einzige Uhr, die auf dem Mond getragen wurde und war bei der missglückten Apollo 13 Mission im Jahr 1970 maßgeblich für die Rettung der drei Astronauten Jim Lovell, Fred Haise und Jack Swigert mitverantwortlich.

Zugegeben: Von solch einem Ruhm kann Tudor nur träumen, die Uhrenmarke verstand sich von Beginn an als Uhr für den einfachen, ehrlich arbeitenden Mann. Rolex-Gründer Hans Wilsdorf hatte im Jahre 1936 100 Prozent der Markenrechte der 1926 gegründeten Uhrenmarke erworben und wollte mit Tudor eine neue, preisgünstigere Schwestermarke neben Rolex etablieren. Uhren, wie die Tudor Submariner besaßen nicht nur den gleichen Namen und das gleiche Design wie das Rolex-Pendant, sondern auch die gleichen Teile, die teils sogar mit dem Rolex-Logo versehen waren. Dank zugekauften ETA-Werken von der Stange konnten die Uhren jedoch deutlich günstiger angeboten werden als beim großen Bruder Rolex. Nachdem es die Jahre zuvor sehr ruhig um Tudor wurde, gelang ihnen 2012 mit der Vorstellung der eigenständigen, Vintage-inspirierten Black Bay ein fulminantes Comeback. Diese läutete eine Neuorientierung der Uhrenmarke ein und gehört heute zu den beliebtesten Taucheruhren, die der Uhrenmarkt zu bieten hat.

Die wahrscheinlich ikonischste Uhr aller Zeiten: die Omega Speedmaster Professional
Die wahrscheinlich ikonischste Uhr aller Zeiten: die Omega Speedmaster Professional

Omega vs. Tudor: Design und Stil

Die Designsprache der beiden Uhrenmarken könnte kaum unterschiedlicher sein. Während die meisten Omega-Uhren moderne Weiterführungen von ikonischen Designs darstellen, sind Tudor-Uhren hauptsächlich Neuinterpretationen, sowie Hommagen von alten Uhren aus der langen Tudor, sowie verwandten Rolex-Historie. Während Omega-Uhren, bis auf wenige Ausnahmen, modern designt sind, sind Tudor-Uhren durch und durch Vintage-inspiriert. Das macht sich auch bei der Farbpalette der Uhren bemerkbar: Während Zifferblatt- und Lünettenfarben bei Omega oftmals eher kühl und auch mal knallig bunt sind, greift Tudor eher auf gedämpfte, sowie warme Farben zurück. Selbst modern designte Uhren wie die Tudor Pelagos beinhalten kleine Referenzen und Hommagen an alte Zeiten. Beim Gehäuse- und Armband-Design werden die Unterschiede zwischen Omega und Tudor sogar noch deutlicher.

Die Nähe zu Rolex ist bei der Black Bay trotz eigenständigem Design nicht von der Hand zu weisen
Die Nähe zu Rolex ist bei der Black Bay trotz eigenständigem Design nicht von der Hand zu weisen

Auch wenn Tudor heute eigenständiger denn je agiert: Die Rolex-DNA ist nicht von der Hand zu weisen. Gehäuse, Armbänder und die neu designte Schließe aktueller Taucheruhren weisen große Ähnlichkeiten zum großen Bruder auf. Das ist bei solch einem großen Namen wie Omega selbstverständlich nicht der Fall. Gehäuse und Armbänder verfügen über ein völlig eigenständiges Design und sorgen für hohen Wiedererkennungswert.

Omega vs. Tudor: Uhrenkollektion und Modelle

Omega verfügt über eine große, abwechslungsreiche Kollektion, die für jeden Uhren-Geschmack etwas bietet. Die Omega Seamaster Diver 300 m kann als eine der aufregendsten Taucheruhren unserer Zeit bezeichnet werden, mit der Omega Seamaster Aqua Terra befindet sich ein perfekter Allrounder für den Alltag im Omega-Portfolio und die Omega De Ville Prestige ist ein echter Geheimtipp, falls Sie nach einer edlen Dresswatch Made in Switzerland suchen. Auch wenn Uhren wie die Omega Constellation oder Planet Ocean nicht unerwähnt bleiben dürfen: Das absolute Highlight der Omega-Kollektion dürfte die legendäre Omega Speedmaster Professional sein. Dank großer Historie und zeitlosem Design gehört die Moonwatch zu den populärsten, sowie beliebtesten Uhren aller Zeiten.

Ob der Kauf einer Omega Speedmaster Professional auch heute noch zeitgemäß ist, können Sie hier nachlesen.

Eine der aufregendsten Uhren unserer Zeit: die Omega Seamaster Diver 300m
Eine der aufregendsten Uhren unserer Zeit: die Omega Seamaster Diver 300m

Dass der Kontrahent nicht mit solch einer Vielfalt auftrumpfen kann, ist kaum verwunderlich, denn dieser hat sich hauptsächlich den Taucheruhren verschrieben. Zwar befinden sich mit der Tudor Royal oder der Tudor 1926 auch edlere Allrounder im Katalog, doch zu den wichtigsten Uhren gehören die 2012 eingeführte Tudor Black Bay, die extrem beliebte Tudor Black Bay 58 und die erst kürzlich erschienene Tudor Black Bay 54. Dass Tudor durchaus mehr zu bieten hat als die Black Bay Kollektion, beweist eine andere, gelungene Taucheruhr: die Tudor Pelagos. Die aus Titan bestehende Uhr ist völlig auf Funktionalität ausgelegt und trumpft mit Innovationen auf wie eine patentierte Schließe, die sich selbständig ihrem Handgelenk anpasst.

Mein Kollege Pascal ist vom Tudors Tempo und Kreativität hin und weg: lesen Sie hier seinen Vergleich der Tudor Black Bay 58 vs. Tudor Black Bay 54.

Omega vs. Tudor: Qualität und Technik

Qualitativ wissen beide Luxusuhrenmarken zu überzeugen und bieten genau das, was Sie von einer Luxusuhr erwarten können: Die Uhren sind toll verarbeitet und verfügen über eine hervorragende Haptik, die Sie immer wieder gerne mit Ihrer Uhr interagieren lässt. Dass solch ein Name wie Omega bei all ihren Uhren auf ein hauseigenes Manufakturwerk setzt, versteht sich von selbst. Der Luxusuhrenhersteller hat sich hierbei vor allem dem Antimagnetismus verschrieben. Das hauseigene Co-Axial-Werk ist METAS zertifiziert, verspricht präzise Gangwerte von 0 bis hin zu +5 Sekunden am Tag und hält magnetischen Feldern von bis zu 15.000 Gauß stand. Bei Tudor werden Sie zwar auch heute noch vereinzelt Modelle finden, die auf ein zugekauftes, veredeltes Sellita-Werk zugreifen, die meisten Uhren verfügen jedoch über ein Manufakturwerk, welches COSC zertifiziert ist und sich nicht vor großen Namen verstecken muss. Im Gegenteil: Bei der Tudor Black Bay Ceramic und dem brandneuen Standard-Modell der Black Bay bietet Tudor ebenfalls ein METAS-zertifiziertes Werk. Ein deutliches Zeichen in Richtung Omega?

Das Co-Axial Werk verspricht präzise Gangwerte und Antimagnetismus bis 15.000 Gauß
Das Co-Axial Werk verspricht präzise Gangwerte und Antimagnetismus bis 15.000 Gauß

Omega vs. Tudor: Preisgestaltung und Wertbeständigkeit

Es wundert kaum, warum Tudor sowohl bei Einsteigern als auch bei erfahrenen Uhrensammlern unglaublich beliebt ist. Während sich die zwei Uhrenhersteller technisch und qualitativ doch erstaunlich nahe sind, gehen sie bei der Preisgestaltung völlig unterschiedliche Wege. Während eine Omega Seamaster Diver 300 m aktuell einen Listenpreis von 6.500 € hat, ist die aktuellste Tudor Black Bay mit 4.350 € trotz ähnlicher Technik und gleichwertiger Qualität deutlich niedriger eingepreist. Auch wenn Omega hinsichtlich Prestige die Nase vorne hat, beim Preis-Leistungs-Verhältnis ist Tudor unschlagbar.

Hohe Qualität zum vergleichsweise kleinen Preis. Tudor bietet ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis.
Hohe Qualität zum vergleichsweise kleinen Preis. Tudor bietet ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis.

Beim Thema Wertbeständigkeit sind sich beide Kontrahenten wieder sehr nahe. Beliebte Modelle beider Uhrenmarken schlagen sich auf dem freien Markt extrem gut, sie büßen kaum an Wert ein und finden auf dem freien Markt schnell einen Käufer.

Ist Tudor mittlerweile besser als Omega?

Tudor ist auf der Überholspur und hat mit der Erweiterung der Black Bay Kollektion, der fast vollständigen Umstellung auf Manufakturwerke und dem neuen METAS-Werk längst große Marken wie Breitling oder Omega ins Visier genommen. Die Rolex-Schwester agiert eigenständig, begeistert mit tollem Vintage-Design und bietet qualitativ hochwertige Uhren zum unschlagbaren Preis. Trotzdem sehe ich Omega noch mit etwas Abstand vorne. Der Luxusuhrenhersteller aus Biel verfügt über eine deutlich abwechslungsreichere Kollektion. Außerdem genießen Uhren, wie die Speedmaster Professional oder die Seamaster Diver bei Fans längst einen Legendenstatus. Ich bin jedoch sicher, dass Tudor auch in den nächsten Jahren mit tollen Ideen und Vintage-Charme weiterhin für Furore sorgen wird.


Über den Autor

Donato Emilio Andrioli

Als ich mit der Tudor Black Bay 41 meine erste mechanische Uhr kaufte, begann für mich eine neue große Leidenschaft. Besonders begeistern mich ikonische Uhren, die eine interessante Geschichte vorweisen können.

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