06/21/2023
 6 Minuten

Leicht und stark – Warum sich eine Carbon-Uhr lohnt

Von Barbara Korp
Leicht und stark – warum sich eine Carbon-Uhr lohnt

Carbon – ein faserverstärkter Kunststoff. Dieser ist vor allem im Rennsport populär, doch er wird auch in der Luftfahrt eingesetzt. Ob bei großen Flugzeugen oder Rennwagen – wenn Gewicht eine Rolle spielt, man aber nicht auf Stabilität verzichten will, greift man zu Carbon. Schließlich ist dieses Material für seine hohe Belastbarkeit, Unempfindlichkeit gegenüber chemischen Einflüssen sowie Stoß- und Schlagfestigkeit bekannt, und all das bei einem sehr geringen Gewicht. Noch dazu ist es ökologisch unbedenklich. Kein Wunder, dass auch die Uhrenindustrie bald Interesse an diesem Werkstoff zeigte. Denn er brachte alle Eigenschaften mit sich, die man für die Uhren der Zukunft suchte. Vorbei sind die Zeiten, in denen eine schwere Uhr ein Zeichen von Wertigkeit war. Uhren der Zukunft sind leicht, angenehm zu tragen und gleichzeitig enorm widerstandsfähig.

Breitling Skyracer
Breitling Skyracer

Als Carbon begann, die Uhrenindustrie zu erobern, setzte man es vor allem für das Gehäuse ein. Denn dieses ist der schwerste Teil der Uhr und somit machte sich hier die Ersparnis des Gewichts am deutlichsten bemerkbar – man bedenke, während Edelstahl etwa 8 g/cm³ wiegt, sind es bei Carbon lediglich ca. 2 g/cm³. Doch nach und nach wurden auch die Komponenten der Uhr, die im Alltag am meisten einstecken müssen, aus Carbon gefertigt, etwa Lünette und Krone. Diese allmähliche Entwicklung lag nicht etwa daran, dass man nicht überzeugt von diesem Material war. Immerhin wird Carbon in der Raumfahrt eingesetzt – man wusste also, wie robust es ist! Vielmehr waren es der hohe Preis von Carbonfasern sowie die hohen Anforderungen, die man bei der Materialverarbeitung meistern musste.

Doxa Sub
Doxa Sub

Je nach Marke wird Carbon anders verarbeitet – und je nach Verarbeitung variieren auch die Eigenschaften sowie die Widerstandsfähigkeit ein wenig. Die traditionellste, wenn auch aufwändigste Verarbeitungstechnik ist das Schmieden des Carbons. Da bei diesem eine abschließende Politur oder eine sonstige Nachbearbeitung nicht möglich sind, müssen von Beginn an alle Oberflächen und Kanten perfekt sein. Das Ergebnis ist dafür aber auch atemberaubend. Geschmiedetes Carbon ist für Uhrenliebhaber ein Traum. Denn nicht nur ist es wirklich einzigartig – ja, das Material hat wirklich niemals dasselbe Aussehen. Schattierungen und Glanz variieren von Stück zu Stück. Gleichzeitig ist es auch gegenüber Umwelteinflüssen immun. Korrosion, UV-Strahlung oder mechanische Einwirkungen – es ist gegen alles resistent. Ob Ihnen nun bereits Mikrokratzer einen kalten Schauer über den Rücken jagen oder Sie eine Uhr zum Wiederverkauf in möglichst gutem Zustand bewahren wollen – Carbon-Uhren sind für beides die beste Wahl. Sowohl Aussehen als auch Preis bleiben absolut stabil. Auch wenn viele Uhrenhersteller mittlerweile Carbon-Uhren im Sortiment haben, sind die folgenden sicher die führenden. Werfen Sie also mit uns einen Blick auf die Meister der Herstellung von Carbon-Uhren – und ihre speziellen Herstellungsverfahren!

Richard Mille

Richard Mille war eine der ersten Marken, die Carbon-Uhren herstellten, und sind bis heute die Marke, die man am meisten mit diesem Material verbindet. Denn es gibt auch kaum ein anderes Material, welches sich so gut für leichte Sportuhren eignet wie Carbon! Begonnen hat man mit geschmiedetem Carbon, welches man in Uhrengehäuse verwandelte. So brachte man bereits 2004 eine Uhr auf den Markt, deren Platine aus Carbon hergestellt war. Da dieses unter höchstem Druck und Temperaturen geschmiedet wurde, war es nicht nur thermisch unempfindlich, sondern auch stoßfest. Doch man ruhte sich nicht auf diesen ersten Erfolgen aus, sondern strebte immer nach mehr. So entwickelte man mit North Thin Ply Technology, einem Schweizer Unternehmen im Bereich Materialentwicklung, das NTPT Carbon. Dieses wird nicht nur in Uhren eingesetzt, sondern auch in Masten von Segelbooten oder Chassis von Rennwagen der Formel 1.

Doch der größte Durchbruch im Bereich Carbon-Uhren gelang Richard Mille zweifelsohne, als sie Carbonfasern mit Blattgold kombinierten. Diese zwei technologisch so verschiedenen Stoffe zu verbinden und dann auch noch zu verarbeiten erfordert großes Können. Somit setzt dieses neue Material, Gold Carbon TPT, neue Maßstäbe – vereint es doch Technik und Eleganz, einen Verbundwerkstoff mit einem Edelmetall. Vor allem aber ermöglicht es ganz einzigartige Uhren für Träger, die nicht zwischen Innovation und Tradition wählen möchten.

Richard Mille RM037
Richard Mille RM037

Hublot

Bei Hublot wählt man eine andere Weise, Carbon-Uhren zu produzieren. Ausgangsprodukt sind vorgeformte Carbonfaser-Platten, die eine Dicke von etwa 2 mm aufweisen. Aus diesen werden die für Hublot typischen, mit strukturiertem Muster ausgestatteten Carbon-Gehäuse hergestellt. Sie denken, dass die Arbeit mit vorgefertigten Platten einfach ist? Keineswegs! Da Carbon so widerstandsfähig ist, ist seine Verarbeitung auch äußerst kompliziert. So können sie nur mit speziellem Werkzeug bearbeitet werden – und auch dieses lässt sich nur für wenige Gehäuse einsetzen. Auch landet im Endeffekt nur etwa 85 % der Produktion wirklich im Verkauf – der Rest kann den hohen Ansprüchen nicht genügen und wird als schadhaft aussortiert.

Doch dieses aufwändige Verfahren bringt ein aufregendes Ergebnis. Nicht nur sind die Carbon-Uhren von Hublot extrem widerstandsfähig. Ihr spezielles Muster ist faszinierend und verleiht ihnen einen eigenwilligen Charme. Gleichzeitig beschwören sowohl Material als auch Design Erinnerungen an den Motorsport herauf. Wie üblich beweist Hublot auch hier, dass ihnen der Titel „Master of Fusion“ zu Recht verliehen wurde. Egal, ob in Kombination mit Kautschuk oder anderen Materialien, die Vielseitigkeit von Carbon wird perfekt in Szene gesetzt – und somit auch sichergestellt, dass sich Carbon-Uhren jeden Stils für jeden Uhrenliebhaber finden.

Hublot Aero Bang Big Bang Carbon Fiber
Hublot Aero Bang Big Bang Carbon Fiber

Panerai

Sie wundern sich, warum Carbon-Uhren von Panerai so teuer sind, auch wenn diese nicht geschmiedet sind? Nun, werfen wir einen Blick auf deren Herstellung. Panerai arbeitet mit einem Verbundwerkstoff aus Carbonfasern namens Carbotech. In diesem Herstellungsverfahren werden Carbonfaser-Matten zu Carbonfaser-Platten verbunden. Durch aufwändige Verfahren werden diese gestapelt und miteinander verbunden. Für ein durchschnittliches Gehäuse benötigt man bei diesem Verfahren über 120 Matten! Im Anschluss muss dieses Material verarbeitet werden. Da das Material so hart ist, müssen etwa Fräsköpfe bereits nach durchschnittlich zehn Gehäusen ausgetauscht werden – und andere Werkzeuge halten verständlicherweise auch nicht viel länger! Zudem bedarf es viel Erfahrung, das Material so zu bearbeiten, um nicht nur glatte Oberflächen, sondern auch den gewünschten optischen Effekt zu erreichen. Sie sehen also – Carbon-Uhren sind zwar leicht im Gewicht, aber schwer zu bearbeiten und herzustellen.

Das Aussehen von Carbotech ist dank dieses Verfahrens auch speziell: Es weist eine ungleichmäßige Struktur sowie eine mattschwarze Farbe auf – wobei das exakte Aussehen von Stück zu Stück variiert. Wirklich jedes Exemplar ist ein Unikat. Doch dank diesem Verfahren ist Carbotech auch viel widerstandsfähiger als Keramik oder Titan – gleichzeitig ist es korrosionsbeständig, hypoallergen und leicht. Ein besseres Material für Taucheruhren kann man sich kaum vorstellen, oder?

Panerai Luminor Marina Carbotech
Panerai Luminor Marina Carbotech

Zenith

Die Zenith Defy Classic Carbon war die erste Automatikuhr, bei welcher sowohl Gehäuse als auch Armband vollständig aus Carbon gefertigt waren. Gleichzeitig brachte sie mit ihrem Durchmesser von 41 mm gerade einmal 65 Gramm auf die Waage! Doch nicht nur das geringe Gewicht, sondern auch ihre einmalige Optik macht sie zu einem gefragten Stück. Durch die Verarbeitungsart des Carbons entsteht ein Camouflage-Muster mit matten und glänzenden Partien. Diese liefern ein spannendes Lichtspiel, wenn man die Uhr bewegt. Ein weiteres Highlight ist auch das skelettierte Zifferblatt. Unter einem angeschnittenen fünfzackigen Stern, dem Markenlogo, sieht man das Manufakturwerk Elite 670 SK mit schwarz beschichtetem Rotor in Sternform. Dank markanten Leuchtzeigern und Stundenindizes ist es auch überaus einfach ablesbar. Ob elegant kombiniert oder sportlich – Zenith liefert hier einen Zeitmesser, der vielseitig einsetzbar ist. Und gleichzeitig den Beweis, dass man Innovationen gegenüber offen und somit bereit für die Zukunft ist.

Zenith Defy Classic Full Carbon
Zenith Defy Classic Full Carbon

IWC

Für Fans des Rennsports und Autoliebhaber liefert IWC die perfekte Carbon-Uhr. Denn die IWC Ingenieur AMG Automatic Carbon Performance ist eine Uhr, die in Kooperation mit dem Formel-1-Rennteam Mercedes-AMG Petronas entstand. Diese Zusammenarbeit erschöpfte sich aber nicht im Design, sondern ging viel weiter. So wird der Mittelteil des Carbon-Gehäuses genauso hergestellt wie das Monocoque, also ein Teil des Chassis eines Rennwagens! Hierfür werden Carbonfaser-Matten, die man zuvor in Harz getränkt hat, bei hoher Temperatur und hohem Druck gebacken, um eine optimale Stabilität zu erreichen. Dank dem aus Carbon-Gewebe gefertigten Zifferblatt erhält die Uhr einen eleganten Touch. Somit lässt die IWC Ingenieur AMG Automatic Carbon Performance nicht nur das Herz jedes Rennsportliebhabers höherschlagen. Nein, sie sorgt auch dafür, dass er in jeder Situation eine gute Figur macht. Denn nichts kleidet besser als eine sportlich-elegante Uhr.

IWC Ingenieur AMG Automatic Carbon Performance
IWC Ingenieur AMG Automatic Carbon Performance

Fazit

Belastbar, wertbeständig und sogar gut für die Umwelt. Es gibt unzählige Gründe, die für den Kauf einer Carbon-Uhr sprechen. Doch letztlich ist es wohl der einzigartige Charakter des Materials, der uns anspricht. Ob nun geschmiedet mit seinem singulären Muster oder doch in einer Verarbeitung von Platten – Carbon-Uhren vereinen Industrial-Chic mit Eleganz, Industrie mit Luxussport und somit auch unseren Alltag mit etwas Besonderem.

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Über den Autor

Barbara Korp

Als ich entdeckte, dass Uhren viel mehr als nur Schmuckstücke sind, war es um mich geschehen. Ich habe mich in die Schönheit ihrer Technik verliebt. Gleich darauf folgte jedoch eine Enttäuschung: Die meisten Modelle waren viel zu groß für mich. Doch ich gab nicht auf – und entwickelte dadurch ein spezielles Interessenfeld.

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