15.10.2020
 5 Minuten

Fünf Tipps für Ihren Einstieg als Uhrensammler

Von Tom Mulraney
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Fünf Tipps für Ihren Einstieg als Uhrensammler

Als Novize in der aufregenden, süchtig machenden und oft verwirrenden Uhrenwelt haben Sie wahrscheinlich so manche Frage auf dem Herzen. Beispielsweise fragen Sie sich wahrscheinlich: „Wie erkenne ich Abzocker?“ oder „Woher weiß ich, dass meine gekauften Uhren im Wert steigen?“ Die gute Nachricht ist: Sie sind nicht allein. Online und offline existiert eine riesige Uhren-Community. Sie ist voller netter Menschen, die ihre Erfahrungen, ihre Erkenntnisse und die ehrlichen – und bisweilen recht schonungslosen – Bewertungen Ihres letzten Kaufs gern mit Ihnen teilen. Es genügt, ein paar Facebook-Gruppen beizutreten oder einige Uhren-Hashtags auf Instagram zu verfolgen, und schon sind Sie Teil dieser kollektiven Knowledge-Base. Aber Vorsicht! Diese Beschäftigung kann zu einem alles verschlingenden schwarzen Loch werden.

Wenn Sie nicht so viel Zeit haben oder noch nicht bereit sind, sich komplett auf diese neue Welt einzulassen, ist das ganz in Ordnung. Schnuppern sie einfach mal hinein mit diesen fünf Tipps, die ich in meiner Anfangszeit als Uhrensammler selbst gerne bekommen hätte.

1. Vergessen Sie den Wiederverkaufswert

In den letzten Jahren maß ein nicht geringer Teil der Uhrensammler-Community dem Wiederverkaufswert eine immer größere Bedeutung zu. Für Puristen ist das eigentlich ein No-go. Natürlich sollten Sie als Sammler darauf achten, nicht übermäßig viel für eine Uhr zu bezahlen. Es spricht jedoch nichts dagegen, eine Uhr in Ihre Sammlung aufzunehmen, von der Sie glauben, dass sie aufgrund ihrer Bedeutsamkeit, Seltenheit usw. langfristig an Wert zulegen könnte. Es gibt eine wachsende Anzahl von Opportunisten, die nur solche Uhren kaufen, die sie in ein paar Monaten gewinnbringend weiterverkaufen können. Dieses Phänomen heißt „Flipper-Kultur“ und ist in der Uhrenwelt inzwischen ziemlich verbreitet.

Ich überlasse es Ihnen, sich Ihre eigene Meinung über die relativen Vorteile dieser Herangehensweise zu bilden. Ein richtiger Sammler sollte sich meines Erachtens nicht so verhalten. Ein Sammler erwirbt Objekte, die er liebt, die ihn ansprechen und die er lange behalten möchte. Natürlich kann die Liebe schneller erlöschen als gedacht – das passiert eigentlich allen Sammlern, die ich kenne. In einer solchen Situation ist es völlig in Ordnung, die betreffende Uhr zu verkaufen und Platz für etwas Neues zu schaffen. Entscheidend ist an dieser Stelle jedoch, dass man durch die bloße Fokussierung auf den Wiederverkaufswert seine Sammeloptionen massiv einschränkt. Das führt mich zum nächsten Tipp. 

2. Schauen Sie sich ausgiebig um und seien Sie offen für Neues

Die Begegnung mit anderen Sammlern und Uhrenfans erweitert Ihren Horizont
Die Begegnung mit anderen Sammlern und Uhrenfans erweitert Ihren Horizont

Die Welt der Uhren bietet viel mehr Vielfalt, als uns schicke Hochglanzmagazine glauben machen wollen. Natürlich sind da die großen Namen, die wir alle kennen und lieben, wie z. B. Rolex, Omega, IWC und Seiko. Darüber hinaus gibt es jedoch ein breites Spektrum an anderen hochwertigen Marken, deren Namen Sie wahrscheinlich noch nie gehört haben. Damit meine ich nicht die Eintagsfliegen, die plötzlich wie von Zauberhand überall in Ihrem Feed auftauchen und über die sechs Monate später niemand mehr spricht. Ich spreche von etablierten Uhrenherstellern mit traditionsreicher Geschichte, die lediglich in Sachen Marketing-Reichweite nicht mit den großen Konzernen konkurrieren können. Wenn Sie beispielsweise echte Toolwatch-Liebhaber um Empfehlungen bitten, wird wahrscheinlich die deutsche Marke Sinn ganz oben auf der Liste stehen. Das in Frankfurt ansässige Unternehmen wurde 1961 gegründet und bietet ein enormes Preis-Leistungs-Verhältnis. Dennoch ist es in weiten Teilen der Alltagsuhren-Fangemeinde bisher kaum bekannt.

Ein guter Ausgangspunkt für Ihre Suche sind Uhren-Plattformen wie Chrono24. Auf unserer Webseite sind im Moment mehr als 500.000 aktive Inserate gelistet und Sie können sicher sein, dass es sich dabei nicht nur um Rolex-Modelle handelt (obwohl es natürlich auch davon reichlich gibt). Dazu der eine oder andere Besuch in einem entsprechenden Forum oder einer Social Media-Gruppe, und schon eröffnet sich Ihnen ein wesentlich vielschichtigeres Spektrum an Uhren, als Sie je für möglich gehalten hätten. 

3. Legen Sie Ihr Budget fest und halten Sie sich daran

Dieser Punkt fällt allen schwer. Allerdings macht es Ihr Sammlerleben wesentlich angenehmer, wenn Sie wissen, was Sie ausgeben wollen und, noch viel wichtiger, was Sie sich tatsächlich leisten können. Das bedeutet nicht, dass Sie niemals sehnsüchtig nach den Top-Modellen schielen dürfen, die im Moment noch unerreichbar sind – man muss schließlich auch träumen dürfen! Aber wie schon gesagt, ist die Uhrenwelt so groß und vielfältig, dass Sie Ihre Optionen irgendwie eingrenzen müssen. Ob es uns nun gefällt oder nicht, der Preis ist einfach einer der besten Filter überhaupt. Abgesehen davon werden Sie Ihren Einkauf auch viel mehr genießen, wenn Sie keine Angst vor einem geplünderten Sparkonto oder steigenden Kreditkartenzinsen haben müssen.

Außerdem hilft Ihnen Ihr festes Budget bei den Preisverhandlungen für Ihren nächsten Kauf. Wenn man seinem Herzen folgt, bezahlt man schnell zu viel, weil man denkt „Die muss ich einfach haben!“ Ein Budget ist allerdings keine narrensichere Strategie. Deshalb folgt hier Tipp Nummer vier.  

4. Akzeptieren Sie, dass Sie Fehler machen werden

Es spielt keine Rolle, wie intensiv Sie recherchieren oder wie viele Fragen Sie posten. Irgendwann machen Sie unweigerlich einen Fehler. Vielleicht werden Sie zuviel bezahlen, vielleicht wachen Sie am nächsten Morgen auf und stellen fest, dass Ihnen Ihre neue Uhr eigentlich gar nicht gefällt oder vielleicht stellte sich der tolle Deal, der zu schön war, um wahr zu sein, tatsächlich als genau das heraus. Das Wichtigste ist, sich nicht entmutigen zu lassen. Das gehört alles dazu. Wen Sie auch fragen, alle erfahrenen Uhrensammler werden Ihnen nur zu gern von dem einen oder anderen Ausrutscher aus ihrer Anfangszeit erzählen, als sie Lehrgeld für eine Dummheit bezahlen mussten oder sich von einem Hype haben blenden lassen.

Erfahrungen austauschen und aus den Fehlern anderer Sammler lernen hilft
Erfahrungen austauschen und aus den Fehlern anderer Sammler lernen hilft

Fehler passieren nun mal. Wichtig ist, dass man versucht, sich so schnell wie möglich zu erholen, eventuelle Verluste abzuschreiben und aus der Erfahrung zu lernen. Niemand ist perfekt und wir alle lernen ständig dazu. Ich jedenfalls habe eine oder zwei Uhren hinten in meiner Sockenschublade, die ich nur ab und zu in die Hand nehme und bei denen ich mich immer wieder laut frage: „Was habe ich mir nur dabei gedacht?

5. Du sollst Dir selbst treu bleiben

Dies ist der mit Abstand wichtigste Tipp. Ignorieren Sie die anderen vier, wenn Sie möchten, aber beherzigen Sie diesen, und Ihr Leben als Uhrensammler wird immer angenehm und erfüllend sein. Es ganz einfach: Kaufen Sie, was Sie wollen. Natürlich müssen Sie recherchieren, damit Ihnen nicht das Fell über die Ohren gezogen wird. Aber letztendlich können Sie sich selbst aussuchen, welche Uhr Sie kaufen, wie viel Sie dafür bezahlen und wie Sie sie tragen. Jeder, und damit meine ich wirklich jeder, hat seine eigene Meinung und das ist gut so. Vergessen Sie nicht, dass die Meinung der Anderen nicht Ihre Meinung ist. Dasselbe gilt für Ihr Handgelenk.

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Über den Autor

Tom Mulraney

Ich wuchs in den 1980er- und 90er-Jahren in Australien auf. In der Stadt, in der ich lebte, gab es keine nennenswerte Uhren-Szene. Lediglich ein Händler hatte …

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