10/18/2019
 5 Minuten

Erweitern Sie Ihren Horizont: Unsere Top-3-Uhren aus Japan

Von Bert Buijsrogge
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Erweitern Sie Ihren Horizont: Unsere Top-3-Uhren aus Japan

Erst kürzlich haben wir einen Artikel über Uhren, die nicht aus der Schweiz kommen veröffentlicht. Eine Erinnerung daran, dass es auch außerhalb der Schweiz eine innovative Uhrenindustrie gibt, die fantastische Modelle entwickelt. Heute verlassen wir die europäischen Gefilde und befassen uns mit einer weiteren großen Nation der Uhrmacherkunst: Japan. Legen wir los und tauchen ein in die Welt der High-End-Uhren aus dem Land der aufgehenden Sonne.

Grand Seiko Elegance SBGE227G

Wir haben es schon des Öfteren betont und tun dies an dieser Stelle nochmals: Die Qualität von Seiko-Uhren wird trotz deren großer Beliebtheit oft unterschätzt. Falls Sie daran zweifeln – nehmen Sie sich die Zeit und befassen Sie sich einmal genauer mit den Modellen. Erst seit dem Jahr 2017 eine eigene Marke, produziert Grand Seiko bereits seit 1960 Luxusuhren. Sie sind eine Kombination aus Präzision, Schönheit und Langlebigkeit. Der aktuelle Katalog beinhaltet eine große Auswahl an sehr hochwertigen Quarzuhren, mechanischen Uhren und Modellen mit Spring Drive Antrieb.

Grand Seiko Elegance SBGE227
Grand Seiko Elegance SBGE227Foto: Bert Buijsrogge

Diese Grand Seiko Elegance besitzt ein sogenanntes Spring Drive Kaliber. Dieses Werk kombiniert den Reiz eines mechanischen Werkes mit der Präzision eines quarzgesteuerten Kalibers. Es ist das wahrscheinlich am meisten verbaute Werk im Grand Seiko Katalog. Wie bei einem mechanischen Uhrwerk, wird es mit einer Aufzugsfeder angetrieben. Statt einer traditionellen Unruh und einer Hemmung hat es jedoch einen elektronischen Regulator, der die Geschwindigkeit der Energieübertragung reguliert. Dadurch gleitet der Sekundenzeiger des Spring Drive Werkes sanft um das Zifferblatt statt in mehreren kleinen Bewegungen pro Sekunde.

Das Uhrwerk bietet eine Gangreserve von bis zu 3 Tagen. Wieviel Energie noch zur Verfügung steht, wird auf der Gangreserveanzeige bei 7 Uhr angezeigt. Es gibt außerdem eine GMT-Funktion, welche die Uhr zu einem perfekten Reisebegleiter macht. Eine zweite Zeitzone wird von einem zusätzlichen zentralen Zeiger und einer 24-Stunden-Skala im äußeren Bereich des Zifferblatts dargestellt. Die Datumsanzeige auf 3 Uhr rundet die Funktionalität dieser Uhr ab. Das automatische Spring Drive Kaliber 9R66 kann man durch die Gehäuserückseite aus Saphirglas betrachten.

Das Edelstahlgehäuse hat einen Durchmesser von knapp über 40 mm und ist an einem Armband aus Krokodilleder mit Faltschließe befestigt. Ein Lederarmband mit einer Faltschließe zu kombinieren, ist zwar relativ ungewöhnlich aber sehr praktisch – die Uhr ist damit sehr leicht anzulegen. Das dunkelbraune Zifferblatt hat einen schönen Sonnenschliff und perfekt polierte Stundenindizes.

Die Grand Seiko Elegance SBGE227 hat einen Listenpreis von 6.000 EUR. Es sind weitere ähnliche Modelle erhältlich, unter anderem Uhren am Metallarmband.

Minase Divido

Minase nennt sich selbst die kleinste Uhrenmarke Japans und ist ein Ableger der Kyowa Co., Ltd., die im Jahr 1963 gegründet wurde. Seinen Sitz hat Kyowa ca. 500 km nördlich von Tokio, spezialisiert ist das Unternehmen auf Metallzerspanung und die Herstellung von Bohrgeräten. Schnell entstand eine Verbindung zu Uhrenherstellern, die in der Produktion präzise Bohrgeräte benötigten. Da Kyowa über alle Instrumente für die Herstellung von Uhren verfügte, lag die Gründung der Marke Minase nahe. Diese erfolgte im Jahr 2005. Minase verdient die Aufmerksamkeit von Uhrenliebhabern weltweit: Die Marke ist bekannt für feinste Handwerkskunst und auch Japans Premierminister Shinzo Abe trägt Uhren aus der Minase-Kollektion.

 

Minase Divido
Minase DividoFoto: Bert Buijsrogge

 

Auf den ersten Blick wirken die Uhren recht überladen. Es bedarf einer gewissen Zeit, bis die vielen kleinen Details ein großes Ganzes ergeben. Je länger man die Uhren betrachtet, desto mehr beginnt man, sie zu mögen. Von vorne Betrachtet fällt das Gehäuse auf, in das ein weiteres Gehäuse integriert ist. Die Stundenindizes dienen gleichzeitig zur Befestigung von Zifferblatt und Uhrwerk, wodurch sich Licht am Rand des Zifferblatts ausbreiten kann. Jede Uhr besitzt gebürstete und polierte, Oberflächen an Gehäuse, Armband, Zifferblatt, Indizes und Zeigern.

Von der Seite betrachtet ist ein enger Spalt zu erkennen, an dem sich der obere und untere Teil des Gehäuses sowie die Bandanstöße treffen. Diese einzigartige Konstruktion gibt der Divido ihren Namen (in Esperanto bedeutet divido „unterteilt“). Auch die vielflächige Krone ist sehr auffällig. Das Armband ist von traditionellen japanischen Holzpuzzlen inspiriert. Bohrungen für Federstege gibt es nicht, stattdessen sind die Elemente auf der Innenseite, die auf dem Handgelenk liegen, verschraubt.

Die Oberflächen beider Gehäuse sind mit der speziellen „Sallaz“-Technik poliert, die man fast ausschließlich bei japanischen High-End-Uhren sieht. Das Ergebnis ist wunderschön. Hier sollte erwähnt werden, dass diese Technik des Polierens ihren Namen von einem Schweizer Unternehmen hat, das die Instrumente hierfür ursprünglich herstellte. Besonders versierte Spezialisten führen die Sallaz-Technik sogar auf Oberflächen von nur 0,7 mm Breite aus. Bei der Divido wird sie auf 14 verschiedenen Oberflächen angewendet.

Zwar ist das Werk ein modifiziertes Schweizer Kaliber (die Uhr also nicht zu 100% „made in Japan“), wir finden aber dennoch, dass sie es wert ist, in diesem Artikel erwähnt zu werden. Vor allem wenn man den Preis betrachtet: Die Divido kostet umgerechnet ca. 2.900 EUR am Kautschukband und ca. 3.900 EUR am Metallarmband.

  

Seiko Presage SPB075

Seiko Presage SPB075
Seiko Presage SPB075Foto: Bert Buijsrogge

Aber nicht jede japanische Uhr von hoher Qualität kostet gleich mehrere Tausend Euro. Betrachten wir z.B. einmal die Seiko Presage SPB075. Diese limitierte Edition hat ein wundervolles Emaille-Zifferblatt und das Automatikkaliber 6R15 mit einer 50-Stunden-Gangreserve. Auch wenn dieses Werk nicht ganz so raffiniert ist, wie das einer Grand Seiko, so hat es doch einige sehr bemerkenswerte Finishes.

Das absolute Highlight dieser Uhr ist das gemusterte Emaille-Zifferblatt mit römischen Zahlen. Diese Seiko ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich die japanischen Uhrmacher ihr hohes Ansehen erarbeitet haben. Verwendet wird Shippo-Emaille, die ihren Ursprung im Japan des 17. Jahrhunderts hat. Anders als bei Emaille auf Porzellan-Basis, wird die Lasur von Shippo-Emaille mehrfach auf 800°C erhitzt und dann poliert. Mit einer Dicke von nur 1 mm ist das Zifferblatt besonders fein. Seiko bezieht die Zifferblätter für die Presage von Ando Cloisonne, einem Unternehmen aus dem japanischen Nagoya mit über 100 Jahren Erfahrung.

Für den Preis von 1.450 EUR bekommt man hier einiges für sein Geld geboten. Wann immer Sie auf der Presage die Zeit ablesen, wird sie Ihnen ein kleines Lächeln entlocken. Oder wenn Sie – so wie ich es tue – die Uhr einfach nur ansehen, um sie zu bewundern. Manchmal schaue ich zweimal hin – weil ich bei aller Begeisterung für dieses Kunstwerk vergesse, die Uhrzeit abzulesen. Ein größeres Kompliment kann man einer Uhr wohl kaum machen.

Abschließende Gedanken

Je mehr Sie sich mit Uhren und Marken befassen, desto mehr besondere und interessante Modelle werden Sie entdecken. Außerdem werden sie herausfinden, dass schöne Uhren nicht immer ein Vermögen kosten müssen. Meine Sammlung und meine Kenntnisse wachsen stetig weiter und vor allem das Wissen um Technologie, Geschichte und Handwerk bereitet mir dabei umso mehr Freude. Auch mein Budget ist begrenzt, wenn ich Uhren kaufe. Ab und an muss man sich von einer Uhr trennen, um eine neue kaufen zu können, auch wenn ich das in letzter Zeit nicht mehr so oft mache. Wo auch immer mich meine Leidenschaft für Uhren hinbringen wird – ein High-End-Modell aus Japan wird es in meiner Kollektion immer geben.

Lesen Sie weiter

Japanische Uhrmacherkunst: Seiko

Gesichter der Uhrenindustrie: Hajime Asaoka

Zehn Dinge, die Sie wahrscheinlich noch nicht über Seiko wussten


Über den Autor

Bert Buijsrogge

Ich arbeitete 15 Jahre in der Immobilienbranche. In den letzten Jahren habe ich meine Leidenschaft für Uhren und Fotografie dann zum Beruf gemacht. Ich habe mich …

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