07/11/2022
 5 Minuten

Ein Kermit, zwei grüne Varianten der Rolex Submariner Date

Von Sebastian Swart
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ロレックス

Für die Rolex Submariner war das Jahr 2003 ein ganz besonderes, denn es markierte das 50-jährige Jubiläum der wohl beliebtesten Taucheruhr der Welt. Ein halbes Jahrhundert führte die Submariner ein eher dunkles Dasein mit schwarzem Zifferblatt und schwarzer Lünetteneinlage. Vor nunmehr fast 20 Jahren brachte Rolex dann mit der Submariner Date Ref. 16610LV ein wenig Farbe in die Kollektion. Wie wir es von Rolex gewohnt sind, fiel das Upgrade dezent aus – und so plumpste das Jubiläumsmodell der Submariner nicht etwa samt Zifferblatt in einen Farbtopf. Stattdessen konzentrierte sich die Genfer Manufaktur auf zwei wesentliche Aspekte, welche die 16610LV von den anderen Subs unterscheiden. Zunächst spendierte man der Uhr ein sogenanntes Maxi-Dial, das über vergrößerte Stundenindizes verfügt. Die optisch jedoch weitaus aufsehenerregendere Änderung lag in der Farbe der Lünetteneinlage aus Aluminium. Statt dem ewigen Schwarz strahlte dem Betrachter nun ein frisches (Frosch)-Grün entgegen.  

Weil die Rolex-Community schnell mit allerhand Spitznamen für besondere Modelle des Herstellers zur Hand ist, dauerte es auch in diesem Fall nicht lange, bis die 16610LV mit einem entsprechenden Namen bedacht wurde. Schnell einigten sich die Fans auf „Kermit“, den Namen des kauzigen Froschs der von Jim Henson erfundenen Muppet Show. Die Uhr befand sich bis 2010 im Programm von Rolex, danach quakte Kermit 10 Jahre lang keinen Ton. Erst 2020 folgte mit der Sub Date Referenz 126610LV eine legitime Nachfolgerin, die über weitere Updates verfügt. Wir stellen Ihnen die beiden Kermit-Modelle genauer vor und erklären Ihnen, was es mit dem Begriff „Flat 4“ auf sich hat. 

Kermit 16610LV und 16610LV „Flat 4“  

Die zwischen 2003 und 2010 produzierte Referenz 16610LV (LV steht für Lunette Verde) ist mit dem identischen Oyster-Gehäuse und Armband ausgestattet wie die „normale“ Submariner 16610. Das Case besitzt somit einen Durchmesser von 40 mm und eine Bandanstoßbreite von 20 mm. In der Uhr tickt gleichfalls das Rolex-Manufakturkaliber 3135. Das Uhrwerk bietet eine Gangreserve von 48 Stunden. Wie alle Rolex-Kaliber ist auch das 3135 Chronometer-zertifiziert. Ein technisches Detail liegt in der blauen, antimagnetischen Parachromspirale, die das Werk weitgehend unbeeindruckt von stärkeren Magnetfeldern lässt. Im Gegensatz zum schwarzen Schwestermodell besitzt die 16610LV das bereits erwähnte Maxi-Dial mit vergrößerten Indizes, die für eine noch bessere Ablesbarkeit sorgen. Die Kermit ist übrigens die erste Submariner, die Rolex mit diesem Blatt ausstattete. Die namensgebende grüne Lünetteneinlage ist natürlich das wahre Highlight der Uhr. Während der nur sieben Produktionsjahre stellte Rolex insgesamt neun verschiedene dieser Einlagen her, die sich primär durch die Farbintensität des Grüns unterscheiden. Fans sprechen bei einer besonders hellen Variante auch von der „Bertolli-Lünette“, angelehnt an das Olivenöl des gleichnamigen Herstellers aus Italien. Ein weitaus dunkleres Grün wird auch als „Racing Green“ bezeichnet.  

Neben verschiedenen Farbnuancen gibt es auch unterschiedlich groß ausgeführte Stundenmarkierungen sowie verschiedene Fonts für die Ziffern. Hier kommt die sogenannte „Flat 4“-Lünette ins Spiel, die Rolex für die frühen Serien F und Y ab 2003 verwendete. Was unterscheidet die „Flat 4“ von der „Sharp 4“, die spätere Kermits ziert? Wenn Sie sich die Ziffer 4 der Zahl 40 auf der „Flat 4“ genauer ansehen, werden Sie feststellen, dass diese eine flache Oberseite aufweist und eher trapezförmig ist. Bei der „Sharp 4“-Version fällt die 4 dreieckiger aus. Manch einer wird nun denken: „Wen interessiert ein so unbedeutendes Detail“? Antwort: Sammler! 

„Flat 4“-Lünetten sind begehrt, weil es sie kaum gibt. Das belegt auch die Lage auf dem Chrono24 Marktplatz. Während Mitte Juni 2022 weit über 300 „Sharp 4“-Modelle gelistet sind, ist die „Flat 4“-Auswahl mit gerade einmal zwölf Exemplaren deutlich übersichtlicher. Da diese Lünette nicht mehr hergestellt wird, kann sie bei einer Revision auch nicht ersetzt werden. Noch macht sich das im Preis nicht allzu stark bemerkbar, doch in den folgenden Jahren wird sich das mit Sicherheit ändern, wenn man den Rolex-Markt-Gesetzen bis dato glauben darf. Zum Vergleich: Eine neuwertige Kermit „Sharp 4“ kostet Mitte 2022 rund 24.300 EUR, während Sie für die „Flat 4“ bereits 25.600 EUR investieren müssen. 1.300 EUR Differenz für eine flache Vier – vermutlich gut angelegtes Geld. 

Rolex Submariner Date 16610LV Kermit with Sharp 4 bezel
Rolex Submariner Date 16610LV Kermit mit „Sharp 4“-Lünette
Spot the Flat 4 on an early 16610LV
Gut zu erkennen: die „Flat 4“ auf einer frühen 16610LV

2020 – Kermit wird keramisch  

Rolex spendierte der Submariner-Reihe im Jahr 2020 ein weiteres dezentes Facelift und nutzte die Gelegenheit, eine neue Sub mit grüner Lünette vorzustellen. Die 126610LV ist unter mehreren Spitznamen bekannt. So geistert der Name „Kermit 2.0“ durch die Welt. In Anlehnung an die grüne Keramiklünette wird sie auch „Cermit“ genannt. Und weil manch einer die Farbgebung einer großen amerikanischen Kaffeerösterei erkannt hat, ist auch der Name „Starbucks“ vielfach gefallen. Für uns ist sie einfach die aktuelle Kermit.  

Was hat sich getan beim neuen Modell? Neben der Keramiklünette erhielt die Uhr ein um 1 mm vergrößertes Gehäuse, was zu einem breiteren Bandanstoß von 21 mm führt. Dafür spendierte Rolex dem Case etwas schmalere Hörner, da die wuchtigen Hörner des zuvor verwendeten Maxi-Case vielen Trägern unkomfortabel erschienen. Das Maxi-Case kam bei der 16610LV übrigens nie zum Einsatz. 

Weitere signifikante Veränderungen befinden sich im Innern der Uhr. Rolex verwendet seit 2020 das Kaliber 3235 für seine Modelle der Submariner Date. Neben der bereits bekannten Parachrom-Spirale kommt die so bezeichnete Chronergy-Hemmung zum Einsatz. Die Hemmung besteht aus einer Nickel-Phosphorlegierung, die – wie auch die Spirale – amagnetisch ist und einen erhöhten energetischen Wirkungsgrad besitzt. Dank der neuen Hemmung und des vergrößerten Federhauses bietet das Uhrwerk eine Gangautonomie von 70 Stunden.  

Der Versuch, eine 126610LV über den stationären Handel zu ergattern, dürfte für die allermeisten Interessenten ein hoffnungsloses Unterfangen sein. Daher führt der Weg für Kaufentschlossene am einfachsten über den Sekundärmarkt. Auf dem Chrono24 Marktplatz liegt der durchschnittliche Preis für ein neuwertiges Exemplar bei knapp unter 23.000 EUR. Damit ist die neue, modernere Kermit um einiges günstiger als ihre Vorgängerin. 

Submariner Date Kermit ref. 126610LV with a green ceramic bezel
Submariner Date Kermit Ref. 126610LV – Lünette aus grüner Keramik

Aluminium- oder Keramik-Frosch? Eine Frage des Geschmacks! 

Ob Sie zur 41 mm großen Referenz 126610LV mit Keramiklünette oder zur dezenteren 16610LV mit Aluminiuminsert greifen, entscheidet Ihr Geschmack. Eine Kaufentscheidung über den Preis kann man vernachlässigen, da die Preise zu nah beieinander liegen.  

Die aktuelle Kermit ist die moderne Interpretation der kultigen Kermit aus dem Jahr 2003. Sie bietet ein zeitgemäßes Äußeres und ein entsprechendes Manufakturkaliber mit den Vorzügen einer 70-stündigen Gangreserve. Doch wird sie sich auch zu einem ikonischen Klassiker entwickeln? Die Zeit und der Zeitpunkt eines möglichen Produktionsstopps werden es zeigen.  

Die 16610LV ist hingegen bereits seit vielen Jahren ein Kult-Klassiker mit einem etwas diskreteren Auftritt. Vor allem die changierenden Farbtöne der Aluminiumlünette verleihen der Uhr einen warmen, lebhaften Charakter, den Keramik niemals ausstrahlen wird. Zwar stehen beide Uhren qualitativ gleichberechtigt nebeneinander, doch das Jubiläumsmodell ist die einzig wahre Kermit und mit der „Flat 4“-Lünette die begehrenswertere Uhr. 


Über den Autor

Sebastian Swart

Chrono24 nutze ich privat bereits seit vielen Jahren zum An- und Verkauf, aber auch zur Recherche. Von Uhren bin ich fasziniert, solange ich denken kann. Bereits …

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