04/16/2024
 5 Minuten

Drei Cartier-Modelle, die Sie sich definitiv anschauen sollten

Von Thomas Hendricks
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Drei Cartiers, die mehr Aufmerksamkeit verdienen

Die Marke Cartier bedarf keiner weiteren Vorstellung. Das vergangene Jahr war ein Segen für all diejenigen, die Vintage-Cartiers verkaufen wollten und der Jahresbericht von Morgan Stanley und LuxeConsult stuft Cartier als die zweitmeistverkaufte Uhrenmarke 2023 ein (nur übertroffen von Rolex und noch vor Omega). Dennoch befinden sich tief verborgen im Cartier-Katalog Modelle, die Sie genauer unter die Lupe nehmen sollten.

Wir haben drei dieser Modelle ausgewählt; davon ist eines erschwinglich, die anderen beiden definitiv nicht. Sie alle bieten eine eigene Perspektive auf die Gegenwart, die Vergangenheit und eine mögliche Zukunft der Marke Cartier.

1. Die Tank Must de Cartier

Es gibt Situationen, in denen Sie sich entgegen Ihren Gewohnheiten für den günstigsten Wein auf der Karte entscheiden sollten. Wenn Sie auf Chrono24 durch Cartier-Uhren stöbern, fragen Sie sich bestimmt – insbesondere wenn Sie bei den günstigeren Modellen ankommen – „Was ist eigentlich diese Must de Cartier? Warum kostet sie so viel weniger? Sollte ich mir eine zulegen?“

Einst als Cartier der armen Leute bezeichnet, hat sie sich mittlerweile zu einem der besten Produkte der Marke entwickelt. Die Kollektion Must de Cartier wurde in den 1970er-Jahren ins Leben gerufen, um den Markt für elegante Cartier-Produkte durch preisgünstigere Modelle zu erweitern. Bei der Senkung der Kosten nahm Cartier jedoch auch andere Einschnitte vor. Die Modelle der Kollektion waren mit Quarzwerken (an sich nicht schlecht) und vergoldeten Gehäusen (nicht wirklich gut) ausgestattet. Quarzwerke sind absolut in Ordnung, speziell bei Dresswatches mit zwei Zeigern. Aber vergoldete Gehäuse blättern mit der Zeit ab und verblassen, sodass die Uhr umso schlimmer aussieht, je mehr sie getragen wird. Wollen Sie das von Ihrer Uhr?

Dieses Kapitel der Geschichte der Must de Cartier ist dankenswerterweise vorbei. Seit 2021 können Sie wunderbare, robuste, erschwingliche Stahlmodelle der Must de Cartier in kräftigem Blau, Grün, Rot oder Schwarz erwerben. Diese erfreuen sich seit ihrer Markteinführung größter Beliebtheit, nicht zuletzt, weil Cartier auf den Schriftzug „Must de“ auf dem Zifferblatt verzichtet und die Uhren dadurch hochwertiger wirken, als ihr Preisschild es vermuten lässt.

The Must de Cartier Tank Art Deco was a limited edition release with just 1000 pieces.
Die Auflage der Must de Cartier Tank Art Deco war auf lediglich 1.000 Exemplare limitiert.

Besonders bemerkenswert ist die komplett schwarze Version. Sie fängt einen Effekt ein, den Sie von teureren Uhren wie etwa der Santos in schwarzem Lackdekor oder der Rolex Day-Date in Onyx kennen. Ihr tiefschwarzes Zifferblatt zieht Sie in ihren Bann, in einen tiefen Abgrund, in dem Sie vor Entzücken schreien möchten. Ungeachtet der Schlagzeilen der Fashion Blogs ist Schwarz das neue Schwarz und wird wie Cartier nie aus der Mode kommen. Es gibt auch Versionen mit guillochiertem Zifferblatt, wie bei der WSTA0040, mit „Art Deco“ Referenz 1616 und mit klassisch schwarzen Ziffern auf weißem Zifferblatt.

2. Cartier Rotonde De Cartier

Dieses Modell ist nicht einfach irgendeine Cartier. Das Pariser Unternehmen ist für Modelle bekannt, die mit ihren einzigartig geformten Gehäusen ausschließlich die Zeit anzeigen. Die Rotonde de Cartier W15565051 erfüllt als runder Chronograph keines dieser Kriterien und ist dennoch eindeutig eine Cartier.

Cartier-Chronographen werden oft übersehen. Das liegt daran, dass, bis auf einige sehr gute, die meisten tatsächlich einfach fürchterlich sind. Problematisch wird es, wenn Cartier versucht, aus einer einfachen Uhr ein technisches Meisterwerk zu machen, wie es bei Chronographenversionen der Santos oder der Tank der Fall ist. Anstatt zu versuchen, ein schlichtes Modell mit Komplikation auszustatten, wurde bei der Rotonde de Cartier aus der komplizierten W1556051 eine schlichtere Uhr.

Cartier Rotonde de Cartier ref. W1556051
Cartier Rotonde de Cartier Referenz W1556051

Ein gutes Beispiel dafür ist die zentrale Chronographenanzeige. Diese unterbricht weder den Zifferblattring mit den römischen Ziffern, noch überfrachtet sie das Zifferblatt mit zusätzlichen Zeigern. Die rotierende Scheibe zur Messung der verstrichenen Zeit ist gut ablesbar und sorgt für ein aufgeräumtes und symmetrisches Bild. Die Rotonde de Cartier balanciert mit ihrer visuellen Hierarchie, die das Auge führt, fünf konzentrische Ringe, die alle Informationen vermitteln. Wir sehen die wichtigsten Informationen zuerst, wie die Zeit und die Chronographenfunktion, und erst danach die detaillierteren Informationen.

Das Zifferblatt überrascht auch durch seine Tiefe, da es von der äußeren Minuterie nach unten und wieder nach oben zum zentralen Chronographenmodul abfällt. Die Stunden- und Minutenzeiger sind unter dem Chronographen versteckt und erzeugen so eine fast mystische Wirkung. Dazu noch ein markanter schwarzer Cabochon auf der Krone (normalerweise Sondereditionen vorbehalten) und schon haben wir eine sehr gute Uhr. Nicht unbedingt eine günstige, aber auch keine übermäßig kostspielige, wenn Sie bedenken, dass sie 42 mm groß und aus Weißgold ist. Die Rotonde de Cartier ist schick und sportlich zugleich und schafft den Spagat zwischen Funktionalität und Eleganz, so wie wir es von Cartier kennen.

3. Cartier Tank Cintrée Dual Time

In einer Welt voller GMTs – sei eine Dual-Time-Uhr! Bei einem Besuch im Londoner Office von Chrono24 bin ich zum ersten Mal auf die Cartier Tank Cintrée Dual Time gestoßen. Die langgestreckte Cintrée erfreut sich unter Sammlern schon länger großer Beliebtheit und diese limitierte Sonderedition holt das Beste aus ihrer rechteckigen Form heraus. Sie ist mit zwei Uhrwerken, zwei Kronen (natürlich mit zwei Cabochons) und zwei verschiedenen Zifferblättern ausgestattet.

Wenn Sie die verschiedenen Cintrée Dual Times auf dem Markt durchstöbern, werden Sie eine wunderschöne Vielfalt grafischer Kombinationen der oberen und unteren Zifferblätter vorfinden – fast so, als würden Sie die luxuriösesten Doppelstockbetten aller Zeiten betrachten. Am häufigsten gibt es die standardmäßigen zwölf römischen Ziffern auf dem oberen und, etwas sparsamer, vier römische Ziffern auf dem unteren Zifferblatt. Die spannenderen Arrangements kombinieren kontrastierende Schriftarten zweier Kulturen; so könnten sie beispielsweise römische Ziffern oben und chinesische Schriftzeichen unten finden.

Double the time, double the crown, double the face: This Cartier watch is a marvel of engineering.
Doppelte Zeitanzeige, doppelte Kronen, doppelte Zifferblätter: Diese Cartier ist ein Wunder der Ingenieurskunst.

Eine Uhr, die am Handgelenk einfach alles verändert. Während eine GMT anderen vermittelt, dass Sie gerne um die Welt reisen, signalisiert die Cartier Tank Cintrée Dual Time, dass Sie Wertanlagen auf der ganzen Welt besitzen – eine Zweitwohnung in Paris, ein Bungalow auf Bali – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Das Gehäuse der Cintrée schmiegt sich ans Handgelenk und die beiden Zifferblätter und ergänzen sich wunderbar gegenseitig. Jedes für sich ist schon sehr schön, doch zusammen verstärkt sich ihre Wirkung um ein Vielfaches. Zwischen ihnen herrscht eine angenehme visuelle Hierarchie. Beide Zifferblätter harmonieren miteinander, ohne das Auge zu verwirren: Sie sind eher Cousinen als Zwillinge.

Diese Uhr würde auch sehr gut in Cartiers Pièce-Unique-Programm passen, das es Käufern ermöglicht, die eigenen Uhren für ihre bevorzugten Zeitzonen zu personalisieren. Beispielsweise könnte ein Art-déco-Zifferblatt auf dem oberen Zifferblatt die Zeit in New York anzeigen, während das untere Zifferblatt mit japanischen Kanji-Zeichen die Zeit in Tokio wiedergibt.

Offenbar erfreut sich diese Uhr bei einigen wohlhabenden Cartier-Liebhabern großer Beliebtheit, obwohl sie nie so viel Aufmerksamkeit erregt hat wie die Crash, die Tortue oder andere ungewöhnliche Cartier-Formen. Aber was ist falsch daran, sich das ein oder andere Geheimnis zu bewahren?


Über den Autor

Thomas Hendricks

In jungen Jahren war ich kein Uhrenfan, aber ein paar Jahre nach meinem Studium habe ich als Autor und Marketing-Spezialist beim Online-Portal Watchonista angefangen. Augenzwinkernd begrüßten mich hier die neuen Kollegen: „Willkommen in der Uhrenwelt, die niemand je wieder verlässt!“ Heute bin ich Privatkundenberater bei Chrono24 und helfe Menschen dabei, die perfekte Uhr für die großen Anlässe ihres Lebens zu finden.

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