Einloggen

Die Wertentwicklung der Tudor Submariner Snowflake Ref. 7016/0

Tom Mulraney
08.11.2019
Die Wertentwicklung der Tudor Submariner Snowflake Ref. 7016/0

 

Fast zehn Jahre ist es her, dass Tudors eine Rückkehr mit der Vorstellung der Black Bay und der Pelagos ankündigte. Heute gehören beide Kollektionen zu den erfolgreichsten Kollektionen der Marke. Nebenbei – und sehr wahrscheinlich nicht beabsichtigt – stieg gleichzeitig die Nachfrage nach den Vintage-Modellen, von denen die modernen Uhren inspiriert sind. Frühe Modelle der Tudor Submariner sind heutzutage begehrter als je zuvor. Und das nicht nur bei leidenschaftlichen Sammlern.

 

Tudor Submariner
Tudor Submariner

 

Ein besonders interessantes Merkmal der Vintage-Tudor-Submariner ist die große Vielfalt an Modellen. Genau wie die Vintage-Uhren von Rolex, wurden diese Tool-Watches über mehrere Jahrzehnte hergestellt. Die Unterschiede zwischen den Ausführungen sind oftmals nur bei genauem Hinsehen zu entdecken. Einige unterscheiden sich aber ganz erheblich von den anderen Modellen der Kollektion. So zum Beispiel die Tudor Oyster Prince Submariner Ref. 7016/0, besser bekannt als die original „Snowflake“. Vor allem nach dem Wiederaufleben der Marke Tudor, ist diese Uhr im Wert erheblich gestiegen. Und es scheint, als würde das vorerst auch so weitergehen.

 

Ein wenig Hintergrundwissen

Falls Sie neu sind in der Welt der Luxusuhren, haben Sie Tudor vielleicht für eine neue Marke gehalten. Auch beim Blick auf die relativ moderaten Preise und die Beliebtheit bei einer jungen Käuferschaft, könnte man durchaus zu dieser Annahme kommen. Tatsächlich aber wurde die Marke von Hans Wilsdorf vor über 90 Jahren registriert – im Jahr 1926. Der Name ist nicht ganz unbekannt, denn Hans Wilsdorf hat auch Rolex gegründet.

In den ersten zwei Jahrzehnten war es relativ still um Tudor. Erst im Jahr 1946 gründete Wilsdorf die Marke „Montres TUDOR S.A.“ und begann mit der Vermarktung von Tudor-Uhren. Die Idee dahinter war einfach aber erfolgversprechend: Das Produzieren von Uhren der gleichen (oder ähnlichen) Qualität wie der von Rolex, die aber mit Werken externer Zulieferer ausgestattet sind, um somit die Preise relativ niedrig zu halten. Zur Strategie gehörte auch, dass Rolex den technischen Anspruch der Tudor-Modelle garantierte. Beim Kauf einer Tudor konnte man sich also sicher sein, dass es sich um ein qualitativ hochwertiges Produkt handelte, auch wenn das Logo mit der Krone nicht auf dem Zifferblatt zu finden war.

Die Strategie ging auf und es dauerte nicht lange, bis Tudor als Marke selbst einen hohen Stellenwert erreichte. In den frühen 1950er-Jahren, standen mechanische Taucheruhren noch am Anfang ihrer Geschichte. Sowohl Rolex als auch Tudor setzten es sich zum Ziel, die ersten kommerziellen Taucheruhren zu entwickeln. Die Uhren beider Hersteller trugen den Namen Submariner. Das Rolex-Modell erschien im Jahr 1953, das von Tudor folgte ein Jahr später. 

Die erste Tudor Submariner hatte die Referenznummer 7922. Ihr Design ist fast identisch mit dem etwas älteren Rolex-Modell. Gehäuse und Krone sind verschraubt und eine Wasserbeständigkeit bis zu einer Tiefe von 100 m wurde garantiert. Das schwarz-lackierte Zifferblatt wird von einem gewölbten Plexiglas geschützt. Die Uhr hat große Stundenindizes und Mercedes-Zeiger, die mit leuchtendem Material beschichtet und somit auch in großen Tiefen gut erkennbar sind. Die beidseitig drehbare Lünette ist in 5-Minuten-Schritte unterteilt, um die Tauchzeit und die Stufen der Dekompression beim Wiederauftauchen im Auge behalten zu können. Im Inneren arbeitet das automatische Kaliber Fleurier 390 mit einer Frequenz von 18.000 Halbschwingungen pro Stunde. Die verschraubte Krone und das genietete Qyster-Armband mit der Referenz 6636 sind mit dem Rolex-Logo versehen.

 

Tudor Submariner 7928
Tudor Submariner 7928

 

Viele behaupten allerdings, dass die Ref. 7928 das klassischste Design aller Tudor Submariner der ersten Generation besitzt. Es war das letzte Modell, das in den 1950er-Jahren herstellt wurde und kam mit einigen auffallenden Änderungen auf den Markt. Die wichtigste war der eckige Kronenschutz – ein typisches Merkmal für dieses Modell. Das Gehäuse war mit 39 mm Durchmesser größer und die Wasserbeständigkeit wurde auf 200 m erhöht. Graviert war es mit den Worten: „ORIGINAL OYSTER CASE BY ROLEX GENEVA“.

 

Militärische Taucheruhren

Tudors Ruf für Robustheit, Zuverlässigkeit und moderate Preise blieb nicht unbemerkt. in den 1960er-Jahren statteten einige Militärs ihr Elite-Personal mit den Taucheruhren der Marke aus. Die bekanntesten darunter waren die Marine Nationale Française und die United States Navy.

Besonders bemerkenswert ist, dass die Militärs keine individualisierten Modelle erhielten, die sie im Auftrag fertigen ließen. Sie wurden mit den handelsüblichen Uhren aus dem Tudor-Katalog ausgestattet und unterschieden sich lediglich durch die Gravur auf dem Gehäuseboden. Das bedeutet allerdings nicht, dass Tudor nicht mit den Militärs zusammengearbeitet und auf Feedback und spezielle Wünsche nicht reagiert hätte. Das Gegenteil war der Fall, worauf wir gleich noch näher eingehen werden.

 

Die Snowflake

Die Tudor Oyster Prince Submariner Ref. 7016/0 wurde im Jahr 1969 erstmals vorgestellt und gilt als die erste Submariner der zweiten Generation. Es war die erste Uhr mit den ikonischen „Snowflake“-Zeigern. Kombiniert wurden sie mit großen, viereckigen Stundenindizes. Diese typische Ästhetik wurde schnell zum Markenzeichen der Submariner-Kollektion. Erstmals war das Zifferblatt außerdem auch in Blau (statt wie zuvor nur in Schwarz) erhältlich.

 

Wertentwicklung der Tudor Snowflake Ref. 7016/0
Wertentwicklung der Tudor Snowflake Ref. 7016/0

 

Sowohl die Zeiger als auch die Stundenindizes sind mit leuchtendem Tritium versehen (was am „T“ auf beiden Seiten des Wortes „Swiss“ auf 6 Uhr zu erkennen ist). Außerdem wurde die traditionelle Tudor-Rose durch einen Schild ersetzt – Tudors neues Logo, das für Widerstandsfähigkeit und Zuverlässigkeit steht. Geschützt wurde das Ganze durch ein flaches Plexiglas, während die Vorgänger noch ein gewölbtes Plexiglas hatten. Man erzählt sich, dass dieses Design auf Wunsch der französischen Marine entwickelt wurde, die eine Uhr mit verbesserter Lesbarkeit unter Wasser wünschte.

Eine weitere wichtige Änderung, die mit der Referenz. 7016 eingeführt wurde, war das Ersetzen des Automatikkalibers 390. Dieses wurde bis dahin in allen Submariner-Modellen verbaut. An seiner Stelle kam das zuverlässige ETA 2483 zum Einsatz, das ebenfalls 18.000 Halbschwingungen die Stunde leistet. Alle übrigen Spezifikationen der 7016er sind denen der Vorgängermodelle sehr ähnlich: Ein 39-mm-Gehäuse mit Rolex-Gravur, eine Wasserbeständigkeit von bis zu 200 m, ein runder Kronenschutz, eine verschraubte Krone mit Rolex-Logo, eine beidseitig drehbare 60-Minuten-Lünette und ein Oyster-Armband mit Faltgliedern, das ebenfalls mit einer Rolex-Gravur versehen ist.

Interessanterweise haben nicht alle Ref.-7016/0-Modelle das überarbeitete Zifferblatt. Qualitätskontrolle wurde zu jener Zeit nicht ganz so wichtig genommen, wie das heute der Fall ist. Hersteller wie Tudor verbauten oft Teile von Vorgängermodellen (wie z.B. Zeiger und Zifferblätter), die in vorherigen Produktionen nicht verbraucht wurden. Daher werden Sie auf Chrono24 einige 7016/0-Modelle mit dem Spitznamen „Small Rose“ finden.

Tudor stellte die Ref. 7021/0 im selben Jahr vor wie die 7016/0. Beide Modelle sehen fast identisch aus, außer dass die 7021 über eine Datumsanzeige verfügt. Das Datum wird unter einer Zyklop-Lupe auf 3 Uhr angezeigt und hat ein sogenanntes Roulette-Design: Die ungeraden Zahlen sind rot, die geraden Zahlen schwarz. Im Inneren befindet sich das automatische ETA-2484-Kaliber mit Datumsscheibe, polierten Verzierungen und Genfer Streifen.

 

Tudor Submariner 7021/0
Tudor Submariner 7021/0

 

Die 7016/0 und die 7021/0 wurden bis Mitte der 1970er-Jahre hergestellt, und danach durch die Referenzen 9401/0 und 9411/0 ersetzt. Die neueren Versionen waren den Vorgängermodellen im Wesentlichen gleich, außer dass bei ihnen ein überarbeitetes ETA Kaliber verbaut wurde. Die Taucher der französischen Marine wurden mit der blauen Version der 9401/0 ausgestattet.

 

Moderne Einflüsse auf die Black Bay und die Pelagos

Die Einflüsse der Ref. 7016/0 auf die Black Bay und die Pelagos sind kaum zu übersehen. Beide sind mit den typischen Snowflake-Zeigern ausgestattet und die Pelagos besitzt dazu noch die charakteristischen, viereckigen Stundenindizes. Für mich als Uhrenliebhaber und Sammler ist es schön zu sehen, wie das Erbe der klassischen Modelle in den neuen Uhren der Marke weiterlebt. Ich werde die Originale aber immer bevorzugen – und es scheint, als ginge es vielen Menschen so. Eine logische Erklärung für die stetige Wertsteigerung der Ref. 7016/0 in den vergangenen Jahren. Doch trotz der hohen Preise, bleiben die Tudor Submariner im Vergleich zu anderen Edelstahl-Taucheruhren aus jener Zeit relativ erschwinglich.

 

Mehr lesen: 
Die Tudor Black Bay – Eine Modell-Reihe mit vielen Gesichtern

Überraschendes von Tudor: Die neue Tudor Black Bay P01

Die Wertentwicklung der Heuer Autavia Referenz 1163


Tom Mulraney
Von Tom Mulraney
08.11.2019
Alle Beiträge ansehen

Highlights