02/22/2022
 5 Minuten

Die 3 größten Fehler beim Uhren-Sammeln

Von Donato Emilio Andrioli
Uhrensammlung-3-Fehler-2-1

Uhren zu sammeln ist ein tolles Hobby – doch gerade für Anfänger beinhaltet es gewisse Tücken, die den Spaß trüben können. Ich sammle bereits seit drei Jahren Uhren und in dieser Zeit habe ich durchaus den einen oder anderen Fehler gemacht. Heute möchte ich meine Tipps und Erfahrungen mit Ihnen teilen, damit Sie bestens vorbereitet sind. So haben Sie noch mehr Spaß an unserem gemeinsamen Lieblingshobby, dem Sammeln von Uhren. 

Mit unseren Tipps haben Sie noch mehr Spaß am Sammeln von Uhren.
Mit unseren Tipps haben Sie noch mehr Spaß am Sammeln von Uhren.

1. Fehler: größer ist nicht besser

Als Uhrensammler wollen wir alle so viel Uhr wie möglich für unser Geld bekommen, der Kauf einer teuren Luxusuhr ist schließlich weder für Sie noch für mich etwas Alltägliches. Das Problem: Vor allem unerfahrene Uhrensammler tendieren aus diesem Grund dazu, größere Uhren zu kaufen, obwohl ein kleineres Modell eventuell viel besser auf das eigene Handgelenk passen würde. Wenn ich eines in meiner dreijährigen „Laufbahn“ als Uhrensammler ziemlich schnell gelernt habe, dann dies: Mehr Durchmesser bedeutet nicht gleichzeitig, dass Sie „mehr Uhr“ bekommen. Ich möchte Ihnen kurz meine eigene Geschichte dazu erzählen: Als ich meine erste mechanische Uhr gekauft habe, habe ich mich für die Tudor Black Bay 41 entschieden, einen waschechten Allrounder. Ich hatte auch die Gelegenheit, die kleinere Tudor Black Bay 36 anzuprobieren. Wie Sie vielleicht schon wissen, handelt es sich hier um die exakt gleiche Uhr, jedoch mit kleinerem Durchmesser. Diese Variante erschien mir auf dem Zifferblatt ein klein wenig harmonischer und besser proportioniert als sein großes Pendant, auch am Handgelenk gefiel sie mir. Doch weil ich der Meinung war, dass die 41mm Variante alleine schon aufgrund der Größe besser sei, nahm ich die größere, ohne mich mit der kleineren Version ausgiebig zu befassen. Diese erschien mir sowieso als ein schlechterer Deal: Sie war immerhin kleiner und kostete trotzdem fast dasselbe. 

Mit dieser Entscheidung war ich zwar lange Zeit glücklich. Im Laufe der Zeit haben mich jedoch die Proportionen meiner Uhr immer mehr gestört. Immer wieder dachte ich an die kleinere Version und an die schönen Proportionen, die sie hatte. Mit zunehmender Erfahrung stellte ich zudem noch zwei Dinge fest: Zum einen, dass mir kleinere Uhren generell etwas mehr zusagen. Zum anderen, dass 41mm Uhren in Verbindung mit einem „Lug to Lug“ von über 50mm einfach zu groß für mein Handgelenk sind. Erraten Sie, was passiert ist? Richtig – ich verkaufte meine erste Uhr und kaufte sie später nochmal, als 36mm Variante, und bin bis heute damit glücklich. Ich musste einen kleinen Wertverlust hinnehmen und habe am Ende des Tages teurer gekauft als ich ursprünglich wollte, doch immerhin habe ich meine Lektion gelernt: größer ist nicht unbedingt besser. Wenn Sie mehrere Uhren zur Auswahl haben, entscheiden Sie sich nicht automatisch für die größte, weil diese Ihnen „mehr Uhr“ suggeriert. Probieren Sie mehrere Modelle an. Schauen Sie, wie sie am Handgelenk aussehen und entscheiden Sie sich immer für die Uhr, die an Ihrem Handgelenk am besten aussieht und Ihnen von den Proportionen am besten gefällt. 

Die Tudor Black Bay 41: größer muss nicht immer besser sein.
Die Tudor Black Bay 41: größer muss nicht immer besser sein.

2. Fehler: keine Abwechslung in der Uhrensammlung

Ich möchte nochmal auf meine erste Uhr zurückkommen. Als ich sie gekauft habe, konnte ich nicht erahnen, dass ich solch ein leidenschaftlicher Uhrensammler werden würde. Ich kaufte die Uhr also in dem Glauben, sie würde meine einzige bleiben; dabei brachte sie den Stein erst ins Rollen. Irgendwann stand die Rolex Submariner genauso auf der „Haben-Wollen-Liste“ wie die Omega Speedmaster. Als ich endlich beide besaß, lagen plötzlich drei Uhren mit schwarzen Zifferblättern in meiner Kommode. Sie können sich denken, welche der drei schwarzen Uhren ich am wenigsten trug – meine erste, die Tudor Black Bay. So toll ich diese Uhr auch fand; mit Ikonen wie der Omega Speedmaster oder der Rolex Submariner konnte sie einfach nicht mithalten – und blieb deshalb in meiner Uhrenbox. 

Wie Sie bereits erfahren konnten, habe ich diese Uhr verkauft. Als ich sie wieder in 36mm gekauft habe, habe ich nicht wieder das schwarze Blatt gewählt, sondern mich für ein blaues Zifferblatt entschieden, welches mir in der Sammlung noch gefehlt hatte. Die blaue Black Bay 36 ist bis heute in meiner Sammlung. Ich erfreue mich immer wieder an ihr, wenn sie an mein Handgelenk kommt. Die Omega Speedmaster hingegen hat meine Sammlung wieder verlassen, da ich immer die Rolex Submariner wähle, wenn ich mich für eine schwarze Uhr entscheide.  

Was ich Ihnen mit dieser kleinen Geschichte sagen möchte: Sorgen Sie in Ihrer Sammlung für Abwechslung. Ich tue es, indem jede Uhr in meiner Sammlung eine neue Zifferblattfarbe oder zumindest andere Akzente bietet. Ich finde, Zifferblattfarben sind eine tolle Möglichkeit, für Abwechslung in der eigenen Uhrensammlung zu sorgen. Wie Sie hingegen für Abwechslung sorgen, bleibt Ihnen überlassen. Was macht eine Sammlung für Sie abwechslungsreich? Sind es verschiedene Hersteller? Unterschiedliche Komplikationen? Oder vielleicht, wie bei mir, mehrere Zifferblattfarben? Wenn Sie für eine abwechslungsreiche Sammlung sorgen, bin ich sicher, dass Sie alle Ihre Uhren tragen und in vollsten Zügen genießen werden; unabhängig davon, wie viel Tragezeit jede einzelne Uhr von Ihnen erhält. 

Verschiedene Zifferblattfarben machen die Uhrensammlung abwechslungsreich.
Verschiedene Zifferblattfarben machen die Uhrensammlung abwechslungsreich.

3. Fehler: Impuls- und Ersatzkäufe

Gerade zu Beginn der Uhren-Leidenschaft verspürt wohl jeder Neu-Sammler eine große Euphorie. Es kann nicht schnell genug gehen, die eigene Sammlung weiter aufzubauen und aufzuwerten. Doch genau hier sollte sich jeder angehender Uhrensammler in Geduld üben. Ich habe es bei Bekannten erlebt: Am Anfang ihrer neu entdeckten Uhrenleidenschaft kauften sie alle paar Wochen Uhren aus allen möglichen Preiskategorien. Anfangs war die Freude noch groß, nach einer Weile lagen die Uhren aber nur noch herum. Sie sollten sich keinen Impulskäufen hingeben. Natürlich sollten Sie kaufen, was Ihnen gefällt; doch gehen Sie ruhig in sich hinein, bevor Sie sich für eine Uhr entscheiden: Wollen Sie diese Uhr wirklich haben? Oder handelt es sich hier nur um einen kurzes “Haben Wollen” Gefühl, dass schnell wieder verfliegt?  

Selbstverständlich haben wir alle schon einmal eine falsche Entscheidung getroffen. Manchmal bemerken wir erst nach ein paar Monaten Tragezeit, dass die von uns lange begehrte Sportikone doch nicht so gut zu uns passt, wie wir uns das vorgestellt haben. Diese Erfahrungen gehören zum Uhrenhobby dazu. Doch, wenn Sie sich immer wieder Impulskäufen hingeben, sind diese laufenden Fehlkäufe vorprogrammiert. Im schlimmsten Fall bleiben Sie auf den Uhren eine längere Zeit sitzen oder müssen einen großen Wertverlust in Kauf nehmen. Das trübt den Sammelspaß erheblich.  

Die perfekte Uhrensammlung sieht bei jedem unterschiedlich aus.
Die perfekte Uhrensammlung sieht bei jedem unterschiedlich aus.

Ein weiterer großer Fehler beim Sammeln von Uhren, auf den ich kurz eingehen möchte, sind Ersatzkäufe. Auch hier kann ich Ihnen nur dazu raten: gehen Sie in sich hinein, geben Sie sich ruhig ein paar Tage Bedenkzeit: Wollen Sie die Tudor Black Bay wirklich? Oder ist sie nur ein Ersatz für die Rolex Submariner, die Sie immer schon haben wollten? Wenn es ersteres ist, schlagen Sie zu! Wenn nicht, lassen Sie die Black Bay liegen und sparen etwas länger auf die Uhr, die Sie wirklich wollen. Ein Ersatzkauf wird Sie nur anfangs glücklich machen, doch niemals Ihre Traumuhr ersetzen. Gelegentlich ist aber auch das Gegenteil der Fall: So konzentrieren Sie sich nur auf einzelne Modellserien und übersehen dabei andere Uhren, die mindestens so viel bieten wie Ihre Traumuhr. Doch welcher Käufer-Typ Sie sind und für welches Modell Sie sich wirklich entscheiden sollten, liegt im Endeffekt bei Ihnen ganz allein.  


Über den Autor

Donato Emilio Andrioli

Als ich mit der Tudor Black Bay 41 meine erste mechanische Uhr kaufte, begann für mich eine neue große Leidenschaft. Besonders begeistern mich ikonische Uhren, die eine interessante Geschichte vorweisen können.

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