02/20/2018
 4 Minuten

Der Weg zu meiner ersten mechanischen Uhr – Feuer fängt mit Funken an

Von Pascal Gehrlein
Pascal-Gehrlein

Vorab sei gesagt: Vergleichbar mit der Leidenschaft für Oldtimer, Kunst oder neuerdings auch für das Sammeln limitierter Turnschuhe, ist die Vernunft für mich nicht der richtige Ansatz, um der Faszination für mechanische Uhren auf den Grund zu gehen. „Wie spät es ist, kannst du auch auf deinem iPhone sehen. Dafür brauchst du keine teure Uhr. Schon gar nicht als Student.“

Richtig, dieser Satz, wie könnte es anders sein, kann nur von einer vernünftigen Mutter stammen. Zugegeben, diesem Einwand ist auf den ersten Blick nur wenig entgegenzubringen, aber aus meiner Sicht trotzdem falsch. Weshalb? Das werde ich in diesem Artikel über den Weg zu meiner ersten mechanischen Uhr beantworten.

Das Feuerholz

ist die Grundlage, dass ein Funke das Feuer entfachen kann. Nicht anders verhält es sich mit der Leidenschaft zu Uhren. Weniger romantisch als die vom Großvater vererbte Jaeger-Le Coultre Reverso oder vom Vater zum erfolgreichen Abitur überreichte Patek Philippe Calatrava 3998, aber im Jahr 2014 kaum zu vermeiden, stieß ich durch Instagram auf die ersten interessanten Zeitmesser.

Eine Daytona in 18k Gelbgold mit grünem Zifferblatt in Kombination mit einem ebenso dezenten Lamborghini Huracan ist beim Scrollen auch wahrlich schwer zu übersehen. Je mehr ich solche und weniger aufdringliche #Wristshots konsumierte, desto neugieriger wurde ich. Schnell waren die ersten Bilder mit Freunden geteilt.

Darauf folgten die ersten Diskussionen, welches Modell wohl die begehrenswerteste Uhr –  heute würde ich den Begriff „Grail Watch“ verwenden –  sei. Auch der besonnenste Freund kann seine Meinung in einer Uhrendiskussion in einer mitreißenden, Steve-Jobs-ähnlichen Manier vortragen. Nicht selten wurden die auf Instagram gestarteten Diskussionsrunden auf ein Treffen mit Whisky und Wein verlagert.  Erkenntnis Nummer 1: Uhren sind der ideale Zündstoff für Gespräche.

Uhren, Wein und interessante Gespräche
Uhren, Wein und interessante Gespräche

Zu diesem Zeitpunkt bestand mein Instagram-Feed bereits zu 70 % aus Uhrenblogs wie Hodinkee, Ablogtowatch, Fratellowatches, WornandWound, Revolution, uvm. Stundenlang schlug ich mich durch das Dickicht aus Reviews, Hands-On-Artikeln, Unboxing-Videos und Uhren-Lexika.

Die Speedmaster Moonwatch war die erste Uhr auf dem Mond, 1953 trug Sir Edmund Hillary beim Erklimmen des Mount Everest eine Rolex Oyster Perpetual und Steve McQueen gewann seine Rennen im Film „Le Mans“ mit einer Heuer Monaco 1133. Ich hatte verstanden. Erkenntnis Nummer 2: Uhren sind Träger von Geschichten.

 

Ein Funke

ist notwendig, um ein Feuer zu entfachen. So wird aus bloßem Interesse pure Leidenschaft. Nun kommt doch noch die eingangs erwähnte Romantik ins Spiel: Letztendlich war es doch mein Großvater, der den entscheidenden Beitrag dazu lieferte, dass ich endgültig verstand, was meine Daniel Wellington von einer mechanischen Uhr unterscheidet.

Junghans Trilastic
Junghans Trilastic 17 Jewels

Bei einem Glas Wein offenbarte ich ihm meine neu entdeckte Schwärmerei für Zeitmesser. Während ich ihm ausführlich zu erklären versuchte, weshalb Uhren jetzt mein neues Hobby waren, stand er auf und kam kurze Zeit später mit einer Junghans Trilastic 17 Jewels zurück. Er legte sie auf den Tisch und erzählte mir die Geschichte der Uhr. Es war seine erste Uhr und er hatte sie in den 50er-Jahren von seinem Vater zum 18. Geburtstag bekommen.

Die Uhr führte uns zu Geschichten über seinen Vater und diverse Erlebnisse, die er mit seiner Uhr hatte. Ich betrachtete die Uhr und stellte mir vor, dass jeder Kratzer und jede Einkerbung für eines dieser Erlebnisse stand, was mich zu Erkenntnis Nummer 3 führte: Uhren und ihre Geschichten überdauern Generationen.

 

Das Feuer

war entfacht. Doch wie sorgte ich dafür, dass das Feuer nicht erlischt? Richtig, die eigene mechanische Uhr musste her. Also schmiedete ich einen Plan. Welche Uhr? Wie finanziere ich diese? Wo kaufe ich sie? Die zweite Frage war schnell beantwortet, denn ein Job für die Semesterferien war gefunden und andere Einsparungen kurzerhand beschlossen. Sechs Wochen harte Arbeit für eine mechanische Uhr? Das klang fair.

Frage eins war schwieriger zu beantworten, aber auch spannender als gedacht. Ganz nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ erinnern mich die Stunden, die ich damit verbracht habe, eine passende Uhr zu finden, an ein klassisches Drama.

Das euphorische Gefühl, wenn man endlich die passende Uhr zum perfekten Preis entdeckt, um dann jedoch festzustellen, dass der Forumsbeitrag aus dem Jahr 2004 stammt und die Uhr heute das doppelte kostet, hat etwas von Shakespeare. Sie wissen wahrscheinlich, was ich meine. Somit stellte sich recht schnell Erkenntnis Nummer 4 ein: Der Weg ist das Ziel.

Die Auswahl potentieller Modelle grenzte ich auf eine Rolex Air King, eine Speedmaster Reduced und eine Junghans Max Bill Automatic ein. Ich entschied mich letztendlich dazu eine getragene Speedmaster Reduced über Chrono24 zu kaufen. Wieso diese Uhr? Der Eintritt in die Omega-Markenwelt? Gut möglich. Das unverwechselbare Design, das Automatikwerk und die für mein Handgelenk angenehme Größe von 39 mm? Ganz bestimmt.

Omega Speedmaster Reduced
Omega Speedmaster Reduced

Aber vor allem ist der Weg zu dieser Uhr meine eigene Geschichte. In ihr steckt Arbeit, die Zeit der Suche und viel Freude! Meine Geschichte, die ich auch noch meinen Enkeln erzählen kann. Denn dafür sind mechanische Uhren meiner Ansicht nach gemacht. Um uns zu begleiten und Zeiten zu überdauern. Digitale Zeiten, in denen wir eigentlich keine mechanische Uhr mehr brauchen.

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James Bond Uhren – Rolex, Omega und andere Marken

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Über den Autor

Pascal Gehrlein

Hey, ich bin Pascal. Nachdem ich viele Stunden auf Chrono24 verbracht habe, um schließlich meine erste „Luxusuhr“ zu kaufen, entdeckte ich im Impressum, dass der …

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