09/22/2021
 7 Minuten

Das Dreigestirn: Patek Philippe, Audemars Piguet und Vacheron Constantin

Von Jorg Weppelink
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Seit Jahrzehnten gilt das Schweizer Dreigestirn aus Patek Philippe, Audemars Piguet und Vacheron Constantin als die Créme de la Créme der Uhrmacherkunst. Jeder der Big Three der Uhrenwelt hat seine eigene, spannende Geschichte, bietet Uhrmacherkunst auf höchstem Niveau und ist Schöpfer einiger der berühmtesten und innovativsten Uhren aller Zeiten. Daher ist es nur folgerichtig, dass diese Unternehmen zu den beeindruckendsten Luxusmarken der Welt zählen.

In diesem Artikel stellen wir einige der großen Errungenschaften dieser Hersteller vor, ihre berühmtesten Modelle und wir werfen natürlich auch einen Blick auf deren aktuelle Wertentwicklung auf Chrono24. Wer ist Ihrer Meinung nach der absolute Spitzenreiter unter diesen Elite-Uhrmachern?

AP Holy Trinity
Audemars Piguet ist einer der berühmtesten Uhrenhersteller der Welt.

1. Vacheron Constantin: Der älteste Name

Wir beginnen mit dem Unternehmen mit der längsten Firmengeschichte. Vacheron Constantin ist einer der ältesten Uhrenhersteller der Welt. In den heiligen Hallen dieses Unternehmens werden seit 1755 Uhren gefertigt – und das ohne Unterbrechung. Einige der weltweit exklusivsten, komplexesten und prestigeträchtigsten Taschen- und Armbanduhren der letzten 250 Jahre stammten aus dem Hause Vacheron Constantin.

Innovation

Der Hersteller gilt als Schöpfer der ersten Uhr mit Komplikation – im Jahr 1790. Weitere große Errungenschaften von Vacheron Constantin sind u. a. die erste amagnetische Uhr der Welt aus dem Jahr 1885 und die 1929 für König Fuad I. von Ägypten gefertigte Taschenuhr „Grande Complication“ mit ihren 12 Komplikationen. Außerdem fertigte die Manufaktur 1955 das weltweit flachste Kaliber mit Handaufzug und entwickelte 1992 flachste Minutenrepetition der Welt. Im Jahr 2015 verblüffte Vacheron Constantin die Welt mit seiner Referenz 57260. Mit 57 Komplikationen ist sie die komplexeste mechanische Taschenuhr, die je gebaut wurde. Nach mehr als 250 Jahren Uhrenerfahrung ist Vacheron Constantin definitiv einer der herausragendsten Uhrenhersteller aller Zeiten.

Design

Vacheron Constantin bietet eine große Designvielfalt: Sie reicht von den eher klassisch anmutenden Kollektionen Historiques und Harmony, die sich an historischen Modellen des Herstellers orientieren, bis hin zu den modernen Kollektionen Overseas und Fiftysix. Von allen in diesem Artikel vorgestellten Herstellern bietet Vacheron Constantin die größte Vielfalt an Formen und Größen.

VC Holy Trinity
Klassisches Design und moderne Innovation in perfekter Harmonie: Vacheron Constantin

Beliebte Modelle

Die Kollektion Overseas beinhaltet eine Reihe moderner Luxus-Sportuhren, von denen viele der Nautilus und der Royal Oak absolut ebenbürtig sind. Zu den beliebtesten Modellen dieser Kollektion gehören die Overseas Automatik und die Overseas Ewiger Kalender Extra-Flach. Letztere gibt es sogar in einer skelettierten Version.

In der Kollektion Historiques befinden sich einige der berühmtesten Modelle der Firmengeschichte, überarbeitet und neu gestaltet unter Berücksichtigung moderner uhrmacherischer Standards. Diese Kollektion umfasst die viel gerühmte American 1921 mit diagonalem Zifferblatt und einer zwischen 1 und 2 Uhr sitzenden Krone, die sehr dünne Ultra-Fine 1955 und die Historiques Cornes de Vache 1955.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis

Finanziell gesehen ermöglicht Vacheron Constantin unter den Big Three den erschwinglichsten Einstieg in die Welt der exquisiten Weltklasse-Uhrmacherei. Da wäre beispielsweise die Fiftysix Automatik. Der Listenpreis dieser Uhr liegt unter dem der beliebten Audemars Piguet Royal Oak Ref. 15202 „Jumbo“ Extraflach und auch unter dem der Patek Philippe Nautilus Ref. 5711/1A.

VC Entry Level
Vacheron Constantin bietet die günstigste Einstiegsoption in die Uhren-Spitzenklasse.

Wertentwicklung

Wie sieht es mit der Wertentwicklung der Modelle von Vacheron Constantin auf Chrono24 aus? Eine schnelle Analyse der letzten 12 Monate zeigt wie erwartet einen starken Preisanstieg bei der Overseas. Die meisten Overseas-Modelle werden weit über dem Listenpreis verkauft, wobei die beliebten Farbkonfigurationen noch stärker zu Buche schlagen. Auch die anderen Kollektionen von Vacheron Constantin erzielen auf Chrono24 kontinuierlich immer höhere Preise.

2. Patek Philippe: Fantastischer Ruf

Das seit 1839 bestehende Uhrenhaus Patek Philippe hat seinen Hauptsitz in Genf in der Schweiz. Der Hersteller erarbeitete sich schnell den exquisiten Ruf, Schöpfer einiger der exklusivsten und komplexesten Uhren der Welt zu sein – und daran hat sich bis heute nichts geändert.

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Im Programm von Patek Philippe befinden sich einige der herausragendsten Uhren auf dem Markt.

Innovation

Patek Philippe ist berühmt dafür, die Grenzen des Machbaren immer wieder neu auszuloten. Der Hersteller hat im Laufe der Zeit eine eindrucksvolle Zahl von Neuerungen entwickelt. Dazu gehören beispielsweise die erste in der Schweiz hergestellte Armbanduhr aus dem Jahr 1868, der 1902 vorgestellte patentierte Doppelchronograph und die erste Armbanduhr mit Schleppzeiger-Chronograph von 1923.

Patek Philippe kreierte Im Jahr 1925 die erste Armbanduhr mit ewigem Kalender. 1962 brachte das Unternehmen ein Kaliber mit Tourbillon auf den Markt, dessen rekordverdächtig genaue Zeitmessung bis heute durch keine mechanische Uhr übertroffen werden konnte. 1996 präsentierte Patek Philippe mit der Ref. 5035 den ersten Jahreskalender-Mechanismus sowie die erste Uhr mit Jahreskalender. Im Jahr 2014 folgte dann die Grandmaster Chime Ref. 5175. Mit ihren 20 Komplikationen gehört sie zu den komplexesten Armbanduhren der Welt.

Design

Die modernsten Uhren von Patek Philippe sind die Nautilus und die Aquanaut. Erstere wurde von Gérald Genta entworfen und prägte das Design der Letzteren. Neben diesen beiden Modellen hat Patek Philippe generell eher klassisch gestaltete Uhren mit bemerkenswertem Design im Programm. Der Hersteller steht zu Recht in dem Ruf, immer für eine Überraschung gut zu sein. Daher finden wir in seinem Katalog auch eine große Auswahl an außergewöhnlichen horologischen Kreationen.

Models

Die bekannteste und beliebteste Kollektion von Patek Philippe trägt den Namen Nautilus. Das erste Nautilus-Modell präsentierte Patek 1976. Es wurde, wie bereits erwähnt, vom berühmten Uhrendesigner Gérald Genta entworfen. Inzwischen beinhaltet die Kollektion eine Vielzahl verschiedenster Modelle, Größen und Komplikationen.

Patek Philippe Nautilus
Die Nautilus von Patek Philippe gehört zu den legendärsten Uhren aller Zeiten.

Im Jahr 1997 kam die Aquanaut auf den Markt. Sie sollte eine neue Zielgruppe ansprechen, dabei jedoch erschwinglicher sein als das große Schwestermodell, die Nautilus. Es dauerte eine Weile, bis sich das Konzept durchsetzte. In den letzten Jahren erlangte die Aquanaut-Serie dann aber eine unglaubliche Popularität. Das gilt insbesondere für die Aquanaut Travel Time und die Aquanaut Chronograph.

Die ebenfalls sehr bekannte Calatrava-Kollektion erschien zum ersten Mal 1932 und ist seither aus dem Katalog von Patek Philippe nicht mehr wegzudenken. Als schlichtes, aber stilvolles Statement für Perfektion ist diese klassische Armbanduhr inzwischen zu einer Ikone der Uhrenwelt geworden.

Die Kollektionen Komplizierte Uhren und Grandes Complications richten sich an Menschen, die Uhrmacherkunst vom Allerfeinsten zu schätzen wissen. Die Kollektion Grandes Complications umfasst einige der weltweit beeindruckendsten Beispiele für Haute Horlogerie.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis

Hinsichtlich des Preis-Leistungs-Verhältnisses ist Patek Philippe beinahe unübertroffen. Zwar ist die Marke die teuerste unter den Big Three – dafür bietet sie beispielloses Uhrmacherhandwerk. Sowohl die Geschichte von Patek Philippe als auch die Uhrwerke, das Design und die Verarbeitung sind einfach unschlagbar.

Patek Philippe

Die Königsklasse der Uhrmacherei: Patek Philippe.

Wertentwicklung

Es ist wirklich nicht verwunderlich, dass so manches Modell von Patek Philippe im Wert steigt. Für die Nautilus, die Aquanaut und einige der Modelle aus den Kollektionen Komplizierte Uhren und Grandes Complications wird weit mehr gezahlt, als die Listenpreise vorgeben. Die Nautilus und die Aquanaut stellen derzeit die absolute Spitzenklasse der modernen Sportuhren dar und Verkaufspreise in Höhe des dreifachen Listenpreises sind nicht unüblich. Die Modelle der Kollektionen Komplizierte Uhren und Grandes Complications gehören zu den großartigsten Uhren, die man für Geld kaufen kann. Punkt. Patek Philippe ist aus gutem Grund der Liebling wahrer Sammler sowie aller, deren Herz für die besten Luxusuhren der Welt schlägt.

3. Audemars Piguet: Das modernste Design

Das letzte Juwel unseres Dreigestirns ist Audemars Piguet. Im Jahr 1875 gründeten Jules Louis Audemars und Edward Auguste Piguet ihr Unternehmen im Schweizer Vallée de Joux. Die Marke mit Hauptsitz in Le Brassus, Schweiz, blickt auf eine fast 150-jährige Geschichte zurück und ist vor allem für die berühmte Royal Oak bekannt.

Audemars Piguet Holy Trinity
Audemars Piguet ist der modernste Hersteller unseres Dreigestirns.

Innovation

Audemars Piguet hat eine ganze Reihe von Branchenpremieren und Rekorden vorzuweisen und noch nie eine Gelegenheit ausgelassen, die Uhrenwelt zu beeindrucken. Zu den großen Leistungen dieses Herstellers zählen die weltweit erste Armbanduhr mit Minutenrepetition (1892), die Taschenuhr „Grande Complication“ mit sieben Komplikationen von 1899, die weltweit erste Uhr mit springender Stunde (1921), die erste skelettierte Uhr die AP 1934 vorstellte, die schlankeste Uhr der Welt mit einem 1,64 mm flachen Uhrwerk aus 1946, die weltweit erste automatische „Grande Complication“-Armbanduhr (1996), die erste Uhr mit Karbongehäuse und Karbonkaliber von 2007 und schließlich der schlankeste automatische ewige Kalender der Welt (2019).

Design

Im Hinblick auf das Design ist Audemars Piguet zweifellos der modernste der drei in diesem Artikel vorgestellten Hersteller. Das liegt in erster Linie darin begründet, dass es dem der Manufaktur gelang, den Erfolg der Royal Oak zu nutzen und diesen mit den Serien Royal Oak Offshore und Royal Oak Concept weiter auszubauen. Jedoch stellt die neue Kollektion Code 11.59 wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis, dass Audemars Piguet durchaus auch in der Lage ist, eine vollkommen andere Richtung einzuschlagen.

Models

Die Kollektion Royal Oak ist der mit Abstand größte Erfolg der Marke. Das ursprüngliche Modell stellte AP 1972 vor. Es ist eine Schöpfung des berühmten Designers Gérald Genta. Audemars Piguet hat derzeit über 100 verschiedene Royal Oak-Modelle aus unterschiedlichen Materialien und mit verschiedenen Komplikationen im Angebot.

Royal Oak
Die Royal Oak ist der beliebteste Zeitmesser aus dem Hause Audemars Piguet.

AP stellte die Royal Oak Offshore Anfang der 1990er-Jahre als moderne, maskulinere Version der klassischen Royal Oak vor. Mit ihren größeren Gehäusen stellen die Offshore-Modelle ein kühnes Statement dar, das selbstverständlich die gleiche technische Leistung und uhrmacherische Perfektion bietet wie die ursprüngliche Royal Oak.

Mit der Serie Royal Oak Concept begeben wir uns auf den absoluten Höhepunkt der Uhrmacherkunst. Diese Zeitmesser kombinieren eine moderne, futuristische Ästhetik mit dem Besten, was die moderne Uhrmacherei zu bieten hat. Nach eigener Aussage des Herstellers Reihe „eine Experimentierplattform“.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis

Wie auch bei den beiden anderen Marken in diesem Artikel bekommt man bei Audemars Piguet einen unglaublichen Wert für sein Geld. Der Hersteller lässt sämtlichen Zeitmessern das Höchstmaß an Handwerkskunst angedeihen. Zum Kostenpunkt: Für eine 37 mm große Royal Oak muss man mit mindestens 29.000 EUR rechnen. Damit ist sie das teuerste Einstiegsmodell unseres Dreigestirns.

Wertentwicklung

Die Modelle von Audemars Piguet verzeichneten einen enormen Preisanstieg. Die Royal Oak gehört zu den begehrtesten Uhren der Welt und die meisten Modelle werden weit über ihren Listenpreisen verkauft. Bein einigen der beliebtesten Modelle liegt der Marktwert sogar beim zwei- bis dreifachen Listenpreis.

Royal Oak Chronograph
Vorwärts und aufwärts: Der Wert der Audemars Piguet Royal Oak stieg kontinuierlich.

Fazit

Insgesamt ist es kaum möglich, zu entscheiden, welchem Star aus dem Dreigestirn der Schweizer Uhrmacher der Platz auf dem obersten Treppchen gebührt. Objektiv betrachtet bieten alle drei spektakuläre Luxusuhren und allerhöchste handwerkliche Perfektion. Patek Philippe dürfte der beliebteste der drei Hersteller sein. Dennoch hat Audemars Piguet mit der Royal Oak eine echte Ikone im Angebot und man ist geneigt, zu behaupten, dass Vacheron Constantin im Vergleich zu seinen beiden Gegenpolen etwas unterschätzt wird. Ganz gleich, welcher dieser fantastischen Hersteller Ihr persönlicher Favorit ist – alle stehen für unvergleichliche Uhrmacherkunst.


Über den Autor

Jorg Weppelink

Hallo, ich bin Jorg und schreibe seit 2016 Artikel für Chrono24. Meine Beziehung zu Chrono24 reicht jedoch deutlich weiter zurück, denn meine Liebe zu Uhren erwachte …

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