02.07.2020
 5 Minuten

Chrono24 Buyer’s Guide für die Tudor Black Bay Fifty-Eight

Von Sebastian Swart
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Chrono24 Buyer’s Guide: Tudor Black Bay Fifty-Eight

Die Tudor Kollektion Black Bay Fifty-Eight avancierte durch ihr klassisches Design, eine moderate Größe und moderne Technik binnen kürzester Zeit zu einer der gefragtesten Kollektionen der Manufaktur aus Genf. Die Reihe ist eine Hommage an ein Tudor-Modell aus den 1950er-Jahren, eine Zeit, in der Taucheruhren in der Frühphase ihrer Entwicklung standen. Besonders charakteristisch ist ihr Zifferblatt-Design im Rolex-Submariner-Stil, die goldfarbenen Akzente und die Snowflake-Zeiger. Die große Nachfrage zeigt, dass Uhren im Retro-Design kombiniert mit moderner Technik voll im Trend liegen und Tudor einer der Vorreiter in diesem Segment ist.

Zurück zum Anfang: Über die Tudor Black Bay

Taucheruhren im klassischen Design sind en vogue. Das hat die Rolex-Tochter Tudor bereits im Jahr 2011 erkannt, als das Unternehmen auf der damaligen Baselworld die erste Black Bay vorstellte. Die Uhr hatte den prägnanten Taucheruhren-Look, wie wir ihn von der Rolex Submariner kennen, wartete aber zusätzlich mit gleich drei markanten Alleinstellungsmerkmalen auf: eine bordeauxfarbene Lünette, die sogenannten Snowflake-Zeiger und einen Gehäusedurchmesser von 41 mm. Die Black Bay wurde vom Fachpublikum und Uhrenfans sofort gefeiert und ist bis heute, in ihrer aktuellen Version, äußerst beliebt.

Über die Jahre folgten viele weitere Varianten in unterschiedlichen Farb- und Materialkombinationen. Doch bei aller Schönheit und Qualität waren und sind die Modelle mit 41 mm Durchmesser bei einigen potenziellen Käufern weniger geschätzt. Der Grund hierfür ist zum einen, dass sie für schmalere Handgelenke zu groß sind und zum anderen das recht plump gestaltete Gehäuse, das zudem eine beträchtliche Bauhöhe aufweist. Der Ruf nach einer abgespeckten Variante wurde lauter und von Tudor schließlich erhört.

Details zur Tudor Black Bay Fifty Eight

Info Black Bay 58

Pünktlich zur Baselworld 2018 stellten die Manufaktur die deutlich geschrumpfte Black Bay Fifty-Eight vor. Der Gehäusedurchmesser beträgt hier 39 mm, gleichzeitig reduzierte Tudor die Bauhöhe von 15 mm auf 12 mm. Auch das Armband der Fifty-Eight ist schmaler und misst 20 mm gegenüber den 22 mm der größeren Modelle. In der Summe ergeben sich Zahlen, die die Black Bay Fifty-Eight auch an zierlicheren Handgelenken sehr ausgewogen erscheinen lassen und das Modell auch für Damen attraktiv machen.

Die Black Bay Fifty-Eight ist – wie weiter oben bereits erwähnt – eine Reminiszenz an ein Modell, das Tudor bereits Ende der 1950er-Jahre vorstellte. Konkret handelt es sich hierbei um die Oyster Prince Submariner mit der Referenz 7924 aus dem Jahr 1958. Wie ihr Vorbild besteht die Uhr aus Edelstahl und besitzt eine Wasserdichtheit von 200 m (20 bar). Natürlich gibt es einige offensichtliche Unterschiede in Funktion und Design. Tudor verwendet für die Black Bay Fifty-Eight ein eigens für diese Uhr hergestelltes Gehäuse, dass – im Gegensatz zum Rolex-Gehäuse der Prince – auf einen Kronenschutz verzichtet.

Tudor Oyster Prince Submariner, Vintage 1958
Tudor Oyster Prince Submariner, Vintage 1958

Insgesamt ist das Design stark von dem Design der Rolex Submariner inspiriert, was nicht weiter verwundert, ist Tudor doch ein Tochterunternehmen der bekanntesten Uhrenmarke der Welt. Das Zifferblatt der Fifty-Eight ist mattschwarz gehalten und verfügt über applizierte Punkt- und Balkenindizes. Auffallend ist das sogenannte „Gilt-Dial“, wie es Tudor in den 1950er-Jahren bereits verwendete. So sind die Minuterie, die Indizes, die Zeiger und auch die Schriftzüge in einem warmen Goldton gehalten. Gleiches gilt für die Graduierung der Lünetteneinlage aus Aluminium. Eine direkte Anlehnung an das Original ist auch das rote Dreieck inklusive nachleuchtender Perle bei 12 Uhr.

Ein optischer Unterschied findet sich auch in der Wahl der Zeiger. Während Tudor bei der alten Submariner 7924 noch auf die Mercedes-Zeiger im Rolex-Stil setzte, kommen bei der Black-Bay Snowflake-Zeiger zum Einsatz. Dieses Design verwendete Tudor übrigens bereits Ende der 1960er-Jahren bei den Snowflake-Modellen der Referenzen 9401, 9511 und 7021.

Detailansicht des Zifferblatts, Bild: WatchVice
Detailansicht des Zifferblatts, Bild: WatchVice

Die Black Bay Fifty-Eight Referenzen im Überblick

Die Black Bay Fifty-Eight ist in drei unterschiedlichen Varianten erhältlich. Die Referenznummer M79030N-0001 ist mit einem dreireihigen Edelstahlarmband im Oysterstil ausgestattet. Bemerkenswert an diesem Armband sind die angedeuteten Nieten, die auf den Außenflächen der einzelnen Armbandglieder erkennbar sind. Tudor entschied sich für dieses Design, weil die zeitgenössischen Armbänder der 1950er-Jahre über eine Nietenkonstruktion verfügten. Bei dem Armband der Fifty-Eight sind die Nieten allerdings nur ein Gimmick, da die Glieder tatsächlich verschraubt sind. Dadurch lässt es sich erheblich einfacher anpassen und ist weitaus stabiler. Auch die Sicherheitsfaltschließe besteht aus Edelstahl. Sie verfügt über eine Feinverstellung und ist – wie das gesamte Armband – sehr hochwertig verarbeitet.

Tudor Black Bay Fifty-Eight, ref. M79030N-0001
Tudor Black Bay Fifty-Eight, ref. M79030N-0001

Bei der Referenz M79030N-0003 handelt es sich um die optisch sportlichste Variante der Fifty-Eight. Tudor stattet die Uhr mit einem schwarzen Textilband aus, auf dem in der Mitte ein goldfarbener Zierstreifen vernäht ist. Ein interessantes Detail ist, dass Tudor seine Textilarmbänder in Frankreich von der Firma Julien Faure herstellen lässt. Das familiengeführte Unternehmen fertigt seit 1886 hochwertige Stoffe und Armbänder auch für andere große Marken, wie Dior, Gucci, Dolce & Gabana oder Montblanc. Die Produktion erfolgt an den alten zeitgenössischen Maschinen und in Handarbeit. Das Armband der Referenznummer M79030N-0002besteht aus braunem, künstlich gealtertem Leder und verfügt über eine polierte Tudor-Sicherheitsfaltschließe aus Edelstahl.

Tudor Black Bay Fifty-Eight, ref. M79030N-0003
Tudor Black Bay Fifty-Eight, ref. M79030N-0003

Das Manufakturkaliber MT5402 

Seit 2016 stattet Tudor alle seine Black Bay Modelle mit hausinternen Uhrwerken aus. In der Black Bay Fifty-Eight schlägt das eigens für dieses Modell entwickelte Kaliber MT5402. Das automatische Uhrwerk besitzt ein Chronometerzertifikat der Contrôle officiel suisse des chronomètres, kurz: COSC und ist somit äußerst präzise. Die Gangautonomie von 70 Stunden ist ausreichend, um die Uhr auch über ein verlängertes Wochenende in der Box zu lassen. Die Unruhfrequenz beträgt 28.800 Halbschwingungen pro Stunde (A/h), was man bei modernen Uhrwerken als Standard bezeichnen kann. Wie für eine Drei-Zeiger-Uhr typisch zeigt es Stunden, Minuten und Sekunden an.

Preise und Wertentwicklung

Wie eingangs schon erwähnt, ist die Black Bay Fifty-Eight eine beliebte und stark nachgefragte Uhr. Dies gilt vor allem für die Referenz M79030N-0001 am Stahlarmband. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Der Nachkauf eines original Tudor Leder- oder Textilarmbands ist deutlich günstiger als der Kauf des Oyster-Edelstahlarmbands. Der Durchschnittspreis für ein ungetragenes Exemplar beträgt bei Chrono24 ca. 3.600 EUR. Aufgrund der hohen Nachfrage gibt es aber auch Verkäufer, die bis zu 4.400 EUR aufrufen. Legen wir den Listenpreis von 3.430 EUR zugrunde, dann sehen wir, dass diese Referenz deutlich im Wert bzw. Preis steigt.

Wertentwicklung der Tudor Black Bay Fifty-Eight M79030N-0001
Wertentwicklung der Tudor Black Bay Fifty-Eight M79030N-0001

Ähnlich verhält es sich bei der Referenz M79030N-0002 am Lederarmband. Mit einem Durschnittspreis von 3.250 EUR für ein ungetragenes Modell liegt auch diese Variante über dem von Tudor geforderten Preis von 3.140 EUR. Praktisch identisch ist die Preisentwicklung bei der M79030N-0003 am Textilarmband. Wenn Sie sich also für eine Tudor Black Bay Fifty-Eight entscheiden, dann sollten Sie den Markt beobachten und dann versuchen zum richtigen Zeitpunkt ein neues Exemplar zum bestmöglichen Preis kaufen. Ob und wie weit dieser über dem Listenpreis liegen darf, müssen Sie entscheiden. Sollte die Nachfrage weiter so stark sein wie bisher, können Sie mit einer guten Wertstabilität für eine gepflegte Uhr rechnen. Zwar ist bei der Black Bay Fifty-Eight noch keine Preisrallye wie bei einigen Rolex-Sportmodellen zu beobachten. Aber, wie sagt ein Sprichwort: was nicht ist, kann noch werden.

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Über den Autor

Sebastian Swart

Chrono24 nutze ich privat bereits seit vielen Jahren zum An- und Verkauf, aber auch zur Recherche. Von Uhren bin ich fasziniert, solange ich denken kann. Bereits …

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