10/06/2020
 7 Minuten

Chrono24 Buyer’s Guide für die TAG Heuer Autavia

Von Sebastian Swart
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Chrono24 Buyer’s Guide für die TAG Heuer Autavia

Die Heuer Autavia ist einer der legendären Kult-Chronographen, die bereits in den frühen 1960er-Jahren das Licht der Welt erblickten. Niemand geringeres als Uhren-Pionier Jack Heuer selbst entwickelte den sportlichen Zeitmesser für den Motorsport. Im Laufe der Jahre kreierte der Schweizer Hersteller eine Vielzahl verschiedener Varianten, bis die Produktion Mitte der 1980er-Jahre eingestellt wurde. Erst im Jahr 2017 präsentierte TAG Heuer eine neue Version mit dem seinerzeit neu entwickelten Manufakturkaliber Heuer 02.

Die TAG Heuer Autavia CBE2110.BA0687 im Überblick
Die TAG Heuer Autavia CBE2110.BA0687 im Überblick

Über die Heuer Autavia

AUTomobile und AVIAtion: Die ersten Silben dieser beiden Begriffe ergeben den ansprechenden Fantasienamen Autavia. Der Name ist allerdings schon deutlich älter als die Armbanduhr selbst. Bereits Anfang der 1930er-Jahre verwendete Heuer den Namen Autavia für seine Bordinstrumente, die in den damaligen Rennwagen und Flugzeugen eingesetzt wurden. In den 1950er- und 60er-Jahren war Unternehmenschef Jack Heuer selbst leidenschaftlicher Rennfahrer und holte die Autavia im Jahr 1962 von der Armaturentafel ans Handgelenk.

Es war auch Jack Heuer persönlich, der die Uhr in den darauffolgenden Jahren an die Rennstrecken dieser Welt brachte und sie dort den Rennteams präsentierte. Viele der damaligen Rennfahrer wie Jochen Rindt, Jo Siffert und Mario Andretti entschieden sich für den neuen Star am Uhrenhimmel. Mitte der 1980er-Jahre übernahm die TAG-Gruppe die Firma Heuer und etwa zeitgleich erfolgte der Produktionsstopp. Es vergingen 32 Jahre, bis TAG Heuer im Jahr 2017 eine neue Autavia präsentierte. In diesen Chronographen arbeitet das damals neu vorgestellte Manufakturkaliber Heuer 02.

Autavia Calibre Heuer 02 – die Neuauflage

TAG Heuer Autavia, ref. CBE2110.BA0687
TAG Heuer Autavia, ref. CBE2110.BA0687

TAG Heuer stellte Im Jahr 2017 mit der Calibre 02 Referenz CBE2110.BA0687 nach über 30 Jahren eine neue Version der Autavia vor. Vorab ließ der Hersteller seine Community darüber abstimmen, wie die neue Variante aussehen soll. 50.000 Autavia-Fans nahmen an der mehrwöchigen Abstimmung teil und kürten die 1966 erstmals vorgestellte Referenz 2446 „Jochen Rindt“ zu ihrer Siegerin.

Die neue Autavia ist jedoch keine einfache Kopie des Originals, was Sie vor allem am deutlich größeren Durchmesser von 42 mm erkennen können. Auch die Gehäusehöhe wuchs an, was nicht zuletzt auch dem automatischen Manufakturkaliber Heuer 02 geschuldet ist. Bemerkenswert ist, dass lediglich das Heuer-Logo das Zifferblatt ziert. Auch das ist eine Reminiszenz an das Original, denn dieses erblickte bekanntlich das Licht der Welt, lange bevor Heuer 1985 Teil der TAG-Gruppe (Techniques d’Avant Garde) wurde.

Wie schon die originale Autavia besitzt die aktuelle Referenz neben der Stundenlünette ein schwarzes Zifferblatt mit drei weißen Totalisatoren. Das Edelstahlgehäuse ist komplett poliert, mit einem Saphirglas ausgestattet und bis 100 m (10 bar) wasserdicht. Bei den Armbändern haben Sie die Wahl zwischen einem sogenannten Beads of Rice Edelstahlarmband oder einem braunen Kamellederarmband. Sollten Sie sich für diese Uhr interessieren, empfiehlt sich der Kauf am Edelstahlarmband, da der Aufpreis gegenüber dem Lederarmband günstig ist.

TAG Heuer Autavia, ref. CBE2111.BA0687
TAG Heuer Autavia, ref. CBE2111.BA0687

TAG Heuer lancierte zeitglich zur CBE2110 die Referenznummer CBE2111. Diese Variante ist Jack Heuer gewidmet, der im Jahr 2018 seinen 85. Geburtstag feierte. Die Uhr ist auf 1932 Exemplare limitiert und technisch identisch mit der unlimitierten Version. Die auffälligsten Unterschiede sind das silberne Zifferblatt mit schwarzen Totalisatoren sowie die Lünette mit 60-Minuten-Skala.

Preise, Wertentwicklung und weitere Varianten

Die Autavia Calibre 02 (Ref. CBE2110) können Sie am Edelstahlarmband und im neuwertigem Zustand auf Chrono24 für etwa 3.700 EUR deutlich unter dem Listenpreis von 4.750 EUR kaufen. Die limitierte Jack Heuer Edition ist nur am Edelstahlarmband erhältlich und kostet ungetragen ca. 4.100 EUR. Damit ist auch diese Variante gegenüber dem Listenpreis von über 5.000 EUR deutlich günstiger. Somit ist die Calibre 02 eine Uhr zum Tragen und eignet sich nicht als kurz- oder langfristiges Spekulationsobjekt.

TAG Heuer präsentierte als Hommage an die Autavia Viceroy 1163V im Jahr 2018 die Referenz CBE2118 „Viceroy“. Wie beim Vorbild von 1972 handelt es sich bei der Uhr um einen Bicompax-Chronographen mit Reverse-Panda-Zifferblatt. Die Uhr wurde ausschließlich für den US-amerikanischen Markt produziert und besitzt die typischen roten Farbakzente. Das Modell ist mit einem schwarzen Lederband ausgestattet und kostet im ungetragenen Zustand etwa 4.000 EUR.

Im Jahr 2018 folgten zwei weitere limitierte Tricompax-Modelle. Die Referenz CBE2113 ist auf 150 Exemplare limitiert und mit einem „Tropical Panda“-Zifferblatt ausgestattet. Der Preis für diese seltene Uhr liegt über 7.000 EUR.

Die „Jo Siffert“ mit der Referenz CBE2114 verfügt über ein weißes Zifferblatt mit schwarzen Totalisatoren und eine Lünette mit 60-Minuten-Graduirung. Die auf nur 100 Exemplare limitierte Uhr hatte einen Listenpreis von 5.700 EUR. Diese zwei äußerst seltenen Liebhaberstücke haben durchaus Potenzial auf Werterhalt oder gar -steigerung, wenn Sie zur richtigen Zeit den passenden Käufer finden.

Die wichtigsten Vintage-Autavia-Referenzen

Die heute bei Sammlern beliebtesten Autavia stammen aus den 1960er- und 1970er-Jahren. Insbesondere die Modelle, für die sich berühmte Rennfahrer entschieden, sind begehrt und erzielen mitunter hohe Preise. In diesen Uhren geben in der Regel die Handaufzugskaliber Valjoux 72, Valjoux 92 oder das automatische Kaliber 11 den Takt vor. Ersteres Uhrwerk ist ein sogenanntes Tricompax-Uhrwerk, während letztere zwei Totalisatoren besitzen und als Bicompax bezeichnet werden. Besonders rar und teuer sind Autavia 2446 der ersten Generation mit GMT-Funktion, in denen das Valjoux 724 arbeitet.

Heuer Autavia ref. 2446, circa 1968
Heuer Autavia ref. 2446, ca. 1968

Die Referenz 2446 ist in zwei unterschiedlichen Gehäusekonstruktionen verfügbar. Dem sogenannten „Screw Back Case“ mit verschraubtem Boden und das etwas größere „Compressor-Case“, (Ref. 2446 C), dessen Boden in das Gehäuse gepresst ist. Fast allen 2446 und 3646 gemeinsam ist das schwarze Zifferblatt mit weißen Totalisatoren (Reverse Panda). Da die Hilfszifferblätter bis 1964 deutlich größer ausfallen als bei den nachfolgenden Varianten, werden diese auch als „Big Subs“ bezeichnet. Ab der Referenz 1163 besitzt die Autavia ein deutlich größeres Gehäuse in Kissenform und das automatische Kaliber 11 hält Einzug in die Kollektion. Außerdem kommt deutlich mehr Farbe ins Spiel.

Referenz 2446 Tricompax

Die im Jahr 1962 erstmals vorgestellte Autavia trug die Referenz 2446 und durchlief bis in die späten 1960er-Jahre hinein einige Veränderungen. Allen Varianten gemeinsam ist das hochwertige Schaltradkaliber Valjoux 72. Es verfügt über einen 12-Stunden- und 30-Minuten-Zähler sowie einen Sekundenzähler. Auf der beidseitig drehbaren Lünette fast aller Varianten befindet sich eine Stundenskala, die auch zum Ablesen einer zweiten Zeitzone verwendet werden kann. Die wohl bekannteste Variante ist die sogenannte „Jochen Rindt“, benannt nach dem gleichnamigen deutschen Formel1-Weltmeister.

Heuer Autavia 2446 Jochen Rindt, ca. 1966
Heuer Autavia 2446 Jochen Rindt, ca. 1966

Autavia 2446 mit GMT-Funktion

Die im Jahr 1968 vorgestellte Referenz 2446 GMT ist mit dem Valjoux 724 auf Basis des Valjoux 72 ausgestattet. Die Uhr besitzt eine GMT-Lünette im Pepsi-Design, die über eine 24-Stunden-Skala verfügt. Mithilfe des zweiten Stundenzeigers in roter Farbe lässt sich somit die Uhrzeit in einer weiteren Zeitzone ablesen. Das Zifferblatt ist im klassischen Reverse-Panda-Look gehalten. Diese Referenz ist ausgesprochen selten, unter Sammlern äußerst begehrt und somit sehr teuer. Nicht ganz so selten sind die 2446-C-Modelle, die über das Compressor-Gehäuse verfügen. Die 2446 C gibt es in vier verschiedenen Ausführungen, die allgemein mit Mark 1 bis Mark 4 bezeichnet werden. Die Unterschiede beziehen sich vor allem auf leichte Veränderungen der Zifferblätter und Zeiger.

Heuer Autavia 2446 GMT, ca. 1969
Heuer Autavia 2446 GMT, ca. 1969

Autavia Bicompax 3646

Bei der Referenz 3646 handelt es sich um Autavia-Varianten, die über zwei Hilfszifferblätter verfügen. Wie schon die Referenz 2446 erblickte auch diese Version bereits im Jahr 1962 das Licht der Welt. Die Evolution dieser Autavia verlief im Wesentlichen wie die des Tricompax-Chronographen, allerdings besaß die erste Ausführung bereits einen Gehäusedurchmesser von 38,3 mm. Alle Varianten verfügen über das Screw-Back Case mit verschraubtem Gehäuseboden. Die um 1968 vorgestellte 3646 „Andretti“ ist ebenfalls sehr begehrt. Diese Uhr war das seinerzeit bevorzugte Modell des US-amerikanischen Rennfahrers Mario Andretti, der neben Formel1-Rennen auch Indy-Car-Rennen gewann.

Heuer Autavia 3646, ca. 1967
Heuer Autavia 3646, ca. 1967

Referenz 1163 – die erste automatische Autavia

Für die Autavia stellte das Jahr 1969 eine komplette Veränderung in Design, Form und Funktion dar. Bei der Referenz 1163 ist alles anders als bei den Vorgängermodellen. Das Gehäuse ist kissenförmig und ist mit einem Durchmesser von 42,5 mm deutlich wuchtiger als die bisherigen Gehäuse. Außerdem erhielten die Zifferblätter auffällige Farbakzente auf Indizes, Zeigern und Hilfszifferblättern.

Die Bicompax-Chronographen treibt statt des Valjoux 92 nun das automatische Kaliber Heuer 11 – auch unter dem Namen Chronomatic bekannt – an. Ende der 1960er-Jahre war das eine Sensation, denn in dieser Zeit begann das Wettrennen der Uhrenmanufakturen um das weltweit erste Automatikkaliber für Chronographen. Das Heuer 11 war eines von ihnen.
Die wohl bekannteste 1163 ist die 1163T „Siffert“. Sie verfügt über ein weißes Zifferblatt mit schwarzen Totalisatoren. Dieses Modell wurde 1969 vorgestellt.

Heuer Autavia 1163 Siffert, ca. 1971
Heuer Autavia 1163 Siffert, ca. 1971

Vintage Autavia – Preise und Wertentwicklung

Ganz allgemein gesprochen ist der Werterhalt für Vintage-Modelle der Autavia sehr gut. Das gilt im Großen und Ganzen auch für weniger prominente Modelle, die ab Mitte der 1970er-Jahre produziert wurden oder hier nicht erwähnt werden. Das Design ist fast immer gefällig, die Qualität solide und die Technik robust und bewährt.

Bei den besonders gefragten Referenzen wie 2446, 3646 und 1163 gab es zwischen 2016 und 2018 eine regelrechte Preisrallye, die inzwischen jedoch deutlich abgekühlt ist. Dennoch bringen es 2446 der ersten Generation mit den großen Hilfszifferblättern oft auf Preise, die deutlich über 50.000 EUR liegen können. Günstiger sind Autavia ab der zweiten Generation. Konnten gut erhaltene Exemplare hier im Januar 2018 noch deutlich über 20.000 EUR kosten, so lagen die Preise Ende 2020 noch bei durchschnittlich 13.000 EUR bis 15.000 EUR. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Preisentwicklung der Referenz 3646.

Wertentwicklung der Heuer Autavia 2446
Wertentwicklung der Heuer Autavia 2446

Besonders interessant ist die GMT-Variante der Referenz 2446. Sofern Sie ein seriöses Exemplar finden, sollten Sie mit einem Preis rechnen, der über 70.000 EUR liegen kann. Den Zuschlag in dieser Größenordnung erhielt eine 2446-GMT bei einer Phillips-Auktion im Jahr 2017. Günstiger wird es, wenn Sie sich für eine 2446C (Mark 1 bis 4) entscheiden. Hier gelingt der Einstieg in der Regel bei knapp unter 10.000 EUR. Damit ist die Uhr zwar rund 2.000 EUR günstiger als 2018, jedoch doppelt so teuer als noch 2015.

Wenn Ihnen Größe, Design und Funktion der Referenz 1163 zusagen, dann brauchen Sie sich um fünfstellige Geldbeträge keine Gedanken machen. Je nach Zustand und Zubehör können Sie gebrauchte Exemplare schon ab rund 3.200 EUR kaufen. Der Durchschnittspreis liegt bei etwa 4.500 EUR. Deutlich teurer wird es, wenn Sie eine 1163T „Siffert“ Ihr Eigen nennen möchten. Planen Sie hier etwa 12.000 EUR ein.

Was Sie beim Kauf einer Vintage-Autavia beachten sollten

Wenn Ihnen eine bestimmte Vintage-Autavia gefällt und Sie eine Kaufabsicht haben, sollten Sie zunächst den Verkäufer kontaktieren und ihm einige Fragen zur Uhr stellen: Ist die Herkunft einwandfrei nachvollziehbar? Wann wurde die Uhr zuletzt gewartet? Wurden Teile getauscht und welche sind das? Achten Sie darauf, ob die Angaben des Verkäufers in sich schlüssig sind. Wie bei vielen Produkten gilt auch hier: Klingt das Angebot zu schön, um wahr zu sein, seien Sie skeptisch. Da die Uhren recht alt sind, ist es oft nicht möglich ihre Geschichte lückenlos zu verfolgen. Dabei kann es auch solche Angebote durchaus geben.

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Über den Autor

Sebastian Swart

Chrono24 nutze ich privat bereits seit vielen Jahren zum An- und Verkauf, aber auch zur Recherche. Von Uhren bin ich fasziniert, solange ich denken kann. Bereits …

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