04/30/2021
 5 Minuten

Chrono24 Buyer’s Guide für die Rolex Milgauss

Von Mathias Kunz
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1000 Gauß – so stark dürfen Magnetfelder sein, ohne die Rolex Milgauss aus dem Takt zu bringen. Als Rolex die Uhr 1956 der Weltöffentlichkeit präsentierte, waren diese 1000 Gauß Magnetfeldresistenz ein grandioser Wert. Deshalb richtete sich die Milgauss auch an Ingenieure und Wissenschaftler, die täglich mit starken Magnetfeldern zu tun hatten. In der physikalischen Forschungseinrichtung CERN bestätigte man in den 1950er-Jahren, dass die Rolex-Uhr diesen 1000 Gauß problemlos widersteht. Möglich machte es ein Mantel aus Weicheisen, der das Uhrwerk umgab und vor Magnetfeldern schützte. 

Rolex Milgauss ref. 116400GV
Rolex Milgauss ref. 116400GV

Heute sorgt die blaue Parachrom-Spiralfeder, die aus einer amagnetischen Niob-Zirkonium-Legierung besteht, zusammen mit einem Weicheisenmantel für Magnetfeldresistenz. Außerdem soll die Spirale Stöße und Temperaturschwankungen deutlich besser wegstecken als herkömmliche Unruhspiralen. Beim Kaliber setzt Rolex auf das hauseigene 3131, das über eine Gangreserve von 48 Stunden verfügt und als Chronometer der Superlative zertifiziert ist. Die tägliche Gangabweichung beträgt also nur maximal +/- 2 Sekunden. 

Die Rolex Milgauss im Detail

Der Name der Rolex Milgauss leitet sich vom französischen Wort für Tausend – mille – und der Maßeinheit für die magnetische Flussdichte Gauß ab. Die jüngste Version kam 2014 heraus und ist an ihrem Zifferblatt in der sogenannten Farbe Z-Blau zu erkennen. Dieses Zifferblatt gibt es ausschließlich bei der Milgauss, genauso das grüne Saphirglas. Angeblich ließ Rolex dieses Uhrglas erst gar nicht patentieren, weil sowieso niemand anderes es herstellen könne. Die Genfer Manufaktur präsentierte das Glas zusammen mit der Neuauflage der Milgauss im Jahr 2007. Zuvor war das Modell fast 20 Jahre lang aus den Rolex-Katalogen verschwunden. Exemplare mit grünem Saphirglas erkennen Sie am Zusatz „GV“ (Glace Verte) in der Referenznummer. Sie sind auf Chrono24 besonders nachgefragt. Deshalb schauen wir uns diese Uhren im Folgenden etwas genauer an. 

Rolex Milgauss Referenz 116400GV mit grünem Saphirglas

Die Rolex Milgauss Referenz 116400GV erkennen Sie sehr schnell am grün schimmernden Saphirglas. Weitere Merkmale sind ein 40 mm großes Oyster-Gehäuse und ein dreireihiges Oyster-Armband aus Edelstahl. Die Mittelglieder des Bands sind oben poliert, die Außenglieder auf Ober- und Unterseite satiniert. An den Flanken sind die außen liegenden Bandelemente poliert. Bei der Schließe setzt Rolex auf die sogenannte Oysterclasp-Faltschließe mit Easylink-Verlängerungssystem, die es Ihnen ermöglicht, das Band ohne Werkzeuge um 5 mm zu verlängern. Das ist vor allem an warmen Sommertagen sehr praktisch, wenn das Handgelenk anschwillt. 

Rolex Milgauss Ref. 116400GV Gehäuseboden
Rolex Milgauss Ref. 116400GV Gehäuseboden

Das Oyster-Gehäuse ist dank verschraubtem Boden und verschraubter Twinlock-Krone bis 100 m (10 bar) wasserdicht. Schwimmen und Schnorcheln sind für die Milgauss also kein Problem. 

Beim Uhrwerk setzt Rolex auf das altbewährte Kaliber 3131. Aufgrund des Schutzmantels aus Weicheisen und des massiven Gehäusebodens können Sie das Uhrwerk im Normalbetrieb nicht bewundern. Zum Öffnen des Bodens ist zudem ein Spezialwerkzeug notwendig. So gut abgeschirmt bleiben die blaue Parachrom-Spirale mit Breguet-Endkurve, die Perlage und die rot eloxierten Zahnräder des Aufzugsmechanismus im Verborgenen. Die Gangreserve des 3131 beträgt ca. 48 Stunden. Da dieses Uhrwerk schon seit einigen Jahren zum Einsatz kommt, könnte Rolex der Milgauss bald ein Update spendieren. Das neue Kaliber 3230 bietet eine Gangreserve von 70 Stunden und tickt bereits in der aktuellen Oyster Perpetual 41 und Submariner No Date. Höchste Zeit also, dass auch die Milgauss ein Upgrade erhält. 

Rolex Milgauss Kaliber 3131
Rolex Milgauss Kaliber 3131

Die Referenz 116400GV erhalten Sie auch mit schwarzem Zifferblatt. Die Referenznummer ist identisch mit der Z-Blau-Version. Merkmal des schwarzen Blattes sind orange Indizes bei 3, 6 und 9 Uhr. Alle weiteren Indizes sind weiß. Auf der 12-Uhr-Position ersetzt die Rolex-Krone einen mit Leuchtmasse gefüllten Index. Das Z-Blau-Zifferblatt verfügt über 11 weiße Leuchtindizes. Beiden Versionen ist eine orange Minuterie am Zifferblattrand gemein. Dank der Rolex-eigenen Chromalight-Leuchtmasse leuchten die Indizes im Dunkeln blau. Interessanterweise nutzte Rolex bei frühen Exemplaren sowohl grün leuchtendes Superluminova als auch blaues Chromalight. Letzteres kam bei 3, 6 und 9 Uhr zum Einsatz.  

Darüber hinaus finden Sie auf Chrono24 Milgauss-Varianten mit der Referenznummer 116400, also ohne grün schimmerndes Saphirglas. Diese Modelle verfügen entweder über schwarze oder weiße Zifferblätter. Letztere besitzen elf orange Indizes. Exemplare mit schwarzem Blatt haben ausschließlich weiße Indizes. Der orange, blitzförmige Sekundenzeiger ist eines der wichtigsten Merkmale aller Milgauss-Versionen. 

Preisentwicklung der Rolex Milgauss 116400GV

Betrachten wir die Wertentwicklung der Rolex Milgauss Referenz 116400GV, so hat sich vor allem die Variante mit Z-blauem Zifferblatt gut entwickelt. Offiziell kosten sowohl die Z-blaue Variante als auch die mit schwarzem Blatt 7.750 EUR. Allein in den letzten zwei Jahren ist der Marktpreis der blauen Version von etwa 7.200 EUR auf zuletzt rund 9.500 EUR gestiegen. Damit liegt die Z-Blau fast 2.000 EUR über Listenpreis. Ihren Marktwert hat sie seit Anfang 2019 um mehr als 30 Prozent gesteigert. Wenn Sie sich für ein bereits getragenes Exemplar entscheiden, sparen Sie etwa 1.000 EUR. Der Werterhalt ist also sehr gut. 

Die Milgauss Referenz 116400GV mit schwarzem Zifferblatt hat eine fast genauso gute Entwicklung hinter sich. Zu Beginn des Jahres 2018 konnten Sie dieses Modell noch für ca. 6.600 EUR kaufen. Heute liegt der Marktwert bei rund 8.600 EUR. Das sind wie bei der Z-Blau-Variante gut 30 Prozent Wertzuwachs. Gebrauchtuhren liegen bei etwa 7.500 EUR und sind damit ebenfalls sehr wertstabil. 

Wie ist die Wertentwicklung der Referenz 116400?

Rolex stellte die Produktion der Milgauss Referenz 116400 bereits vor einigen Jahren ein: die Version mit schwarzem Zifferblatt um 2013 und die Variante mit weißem um 2016 herum. Der recht kurze Produktionszeitraum von nur sechs Jahren hat vor allem den Marktpreis der schwarzen Ausführung in die Höhe getrieben. Aktuell sollten Sie für dieses Modell in neuwertigem Zustand rund 12.300 EUR bereithalten. Vor etwa fünf Jahren hätten Sie die Uhr noch für weniger als 6.000 EUR kaufen können. Mitte 2020 lag ihr Preis noch unterhalb der 10.000 EUR Marke. 

Bei dieser Milgauss lohnt sich ein Blick auf den Gebrauchtuhrenmarkt. Auf Chrono24 finden Sie zahlreiche Angebote um 7.000 EUR. Damit kostet die 116400 gebraucht zwar fast genauso viel wie eine neue 116400GV beim Konzessionär, aber deutlich weniger als ein ungetragenes Exemplar. 

Die 116400 mit weißem Zifferblatt finden Sie in ähnlichen Preisregionen: Rechnen Sie bei einer Gebrauchtuhr mit rund 7.000 EUR und bei einer neuwertigen mit ca. 10.500 EUR. 

Rolex Milgauss ref. 116400
Rolex Milgauss ref. 116400

Ist die Milgauss ein gutes Investment?

Die Rolex Milgauss Referenzen 116400GV und 116400 entwickelten sich in Sachen Preis zuletzt sehr gut. Bei Modellen mit grünem Saphirglas fällt auf, dass die Gebrauchtpreise nur geringfügig unter den Neupreisen liegen, was für einen sehr guten Werterhalt spricht. Für Risikofreudige ist die 116400GV ein Tipp, denn die Szene munkelt, dass Rolex die aktuelle Milgauss demnächst einstellen und durch eine Nachfolgerin ersetzen könnte. Das würde die Preise vermutlich noch weiter nach oben treiben, ähnlich wie bei der 116400 mit normalem Saphirglas. Neuwertige Exemplare dieses Modells werden immer seltener und damit auch teurer. Hier lohnt sich ein Blick auf den Gebrauchtmarkt. 

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Über den Autor

Mathias Kunz

Ich arbeite seit 2015 als Redakteur für Chrono24 und beschäftige mich tagtäglich mit Uhren. Am meisten fasziniert mich dabei die feine Mechanik, die zum einen für Tradition und zum anderen für …

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