08/02/2017
 6 Minuten

Bicolor-Uhren aus Gold und Stahl: Extravaganz nach Ihrem Geschmack?

Von Jorg Weppelink
Audemars Piguet Royal Oak
Bicolor Audemars Piguet Royal Oak, Foto: Audemars Piguet

Im Laufe Ihres Lebens entwickelt sich der Geschmack parallel zu Ihrer Persönlichkeit. Während Sie sich selbst besser kennen lernen, ändern sich Ihre ästhetischen Vorlieben mitunter deutlich. In der Welt der Uhren ist es genauso. Vielleicht verlieben Sie sich plötzlich in eine Uhr, doch eine andere wird Sie nie begeistern können und wieder eine andere finden Sie mit der Zeit vielleicht interessant. Auch Ihr kulturelles Umfeld kann den Geschmack beeinflussen. Doch was genau bedeutet das?

Lassen Sie es mich mit drei Beispiel-Fragen erklären: Welches Alter ist angemessen, um eine gelbgoldene Rolex Day-Date „President” zu tragen? Würden Sie jemals eine Uhr mit Diamanten auf der Lünette in Erwägung ziehen? Und last, but not least: Können Sie sich vorstellen, eine sogenannte Bicolor-Uhr aus Gold und Stahl zu tragen? Die letzte Frage ist zugegebenermaßen eine knifflige, denn tendenziell gelten Bicolor-Uhren als weniger begehrt als herkömmliche Edelstahl- oder Massivgolduhren.

Meistens kosten Vintage- oder bereits getragene Stahl/Gold-Uhren weniger als Exemplare aus Edelstahl, sogar wenn es um berühmte Modelle wie die Rolex Daytona oder die Patek Philippe Nautilus geht. Das ist ein bemerkenswertes Phänomen, das unter anderem in der geringeren Nachfrage begründet liegt. Die Zeitmesser aus Gold und Stahl scheinen kulturell bedingt, weniger populär zu sein. Obendrein stehen diese Uhren sinnbildlich für den Stil der 1980er-Jahre – ein Jahrzehnt, das durch Exzess und fragwürdige Modeerscheinungen gekennzeichnet war.

Doch bedeutet das, dass Bicolor-Uhren keinen eigenen Charakter haben und man ihrem auffälligen, extravaganten Look nicht verfallen kann? Nein! Es bedeutet ebenfalls nicht, dass es keine legendären Modelle gibt, die gerade wegen ihres zweifarbigen Designs berühmt wurden. Sie könnten zu den wenigen Glücklichen gehören, die die Kombination aus Gold und Stahl zu schätzen wissen.

Rolex Datejust

Eine der bekanntesten Bicolor-Uhren ist die Rolex Datejust. Obwohl dieser Zeitmesser nicht allein wegen seines Materials berühmt wurde, entwickelte er sich zu einem der bekanntesten Modelle aus Gold und Stahl. Die Datejust kam bereits 1945 zum 40-jährigen Jubiläum von Rolex auf den Markt. Sie war die erste Uhr, die das Datum anzeigte und automatisch um Mitternacht weiterschaltete. Zur damaligen Zeit war die Datejust innovativer als jede andere Armbanduhr auf dem Markt. Zunächst war sie nur in 18-Karat-Gold erhältlich, doch nur kurze Zeit später brachte Rolex eine Bicolor-Variante heraus.

1954 bekam die Datejust ein Update spendiert: die sogenannte Zykloplupe zur Vergrößerung des Datums. Dieses Feature ist bis heute ein Merkmal der Datejust und auch bei vielen anderen Rolex-Uhren wie der berühmten Taucheruhr Submariner zu finden. Im Jahr 1957 führte Rolex ein flacheres Uhrwerk bei der Datejust ein, sodass auch das Gehäuse schlanker wurde. Außerdem nutzte Rolex mit der Zeit flache Zifferblätter anstatt gebogener und führte eine Datumsschnellverstellung ein. All diese Features führten zu einem der großartigsten Modelle der Uhrenindustrie.

Weitere Rolex Bicolor und Two Tone Uhren

Rolex Datejust
Rolex Datejust Foto: © Bert Buijsrogge

Die Armbanduhr gibt es in zahlreichen Varianten und Farben, was die Wahl des richtigen Exemplars nicht gerade erleichtert. Hier ein Tipp: Eine Datejust mit Jubilé-Band ist die richtige Entscheidung, wenn Sie eine Bicolor-Rolex in Betracht ziehen. Ob Sie sich für ein dunkles oder helles Zifferblatt entscheiden, liegt ganz bei Ihnen.

Omega Constellation

Eine weitere Bicolor-Ikone ist die Omega Constellation Manhattan. Das Original-Modell wurde als Omega-Flaggschiff bereits 1952 eingeführt. Der Hersteller benannte die Uhr nach dem gleichnamigen Flugzeug, das auch während des Zweiten Weltkrieges zum Einsatz kam. Die Armbanduhr unterstrich Omegas Anspruch, höchste Leistungen im Bereich der Zeitmessung abzuliefern. Im Verlauf der nächsten 20 Jahre entwickelte sich die Constellation zu einem großen Erfolg. Deshalb blieb das Design des Zeitmessers bis in die späten 1960er- und 1970er-Jahre fast unverändert. Eckige Gehäuse, die Einführung von Quarzwerken und eine große Modellvielfalt trugen allerdings nicht wirklich zum Erfolg der Constellation-Familie bei.

Erst mit der Omega Constellation Manhattan, die 1982 auf den Markt kam, wurde ein neues Erfolgskapitel der Armbanduhr aufgeschlagen. Dieses Modell gab es aus Massivgold und in zweifarbigen Varianten aus Gold und Edelstahl, jedoch vorerst nur mit Quarzwerk. 1985 kamen Versionen mit Automatikkaliber hinzu. Das neue Bicolor-Design wurde in den Folgejahren zu einem großen Erfolg, sodass sich die Constellation zu einer Kult-Uhr entwickelte.

Bicolor Omega Constellation Day-Date
Bicolor Omega Constellation Day-Date

Das erste größere Update des Zeitmessers kam erst 1995, allerdings beinhaltete es keine großen Veränderungen des Gesamtlooks der Uhr. Obwohl neue Kaliber eingeführt wurden, blieben die vier Greifer auf der Lünette erhalten. Allerdings hatten sie ihre eigentliche Funktion, das Glas zu befestigen, verloren. Gewölbtes Glas löste das flache Saphirglas der ersten Modelle ab und die römischen Ziffern wurden vom Zifferblatt auf die Lünette verlagert. Diese Veränderungen optimierten das Design, führten aber zu keiner grundlegenden Veränderung. Genau genommen ist dieser Look bis heute erhalten geblieben.

Während der letzten 20 Jahre hat Omega die Uhren mit seinen Co-Axial-Kalibern ausgestattet. Es gibt zahlreiche Varianten, wobei die Version aus Gold und Stahl noch immer die begehrteste ist.

Cartier Santos

Die nächste Uhren-Ikone, die wegen ihres Bicolor-Designs berühmt wurde, ist die Cartier Santos. Obwohl viele Uhrenliebhaber die Bedeutung der Santos kennen und sie als wahren Klassiker verstehen, beachten jüngere Generationen dieses Modell oft gar nicht, wenn sie nach einer Armbanduhr suchen. Das ist ein Jammer, denn die Santos hat die aufregendste Historie der hier vorgestellten Uhren.

Louis Cartier designte die Santos bereits 1904 für seinen guten Freund Alberto Santos-Dumont, der berühmter Pilot war. Die Santos war die erste Uhr, die ausschließlich für das Handgelenk entwickelt wurde. Damals suchte Santos-Dumont nach einem Zeitmesser, der besser zum Fliegen geeignet war als seine Taschenuhr. Er trug die Uhr bei jedem seiner Flüge, was vor der Öffentlichkeit nicht verborgen blieb. Die Leute lasen in den Zeitungen über Santos-Dumont, betrachteten Fotos und fragten: „Was trägt er da an seinem Handgelenk?” Es war der Beginn einer einzigartigen Erfolgsstory, denn die Cartier Santos war nicht nur die erste Armbanduhr für Herren, sondern gleichzeitig auch die erste Fliegeruhr.

Cartier Santos 100 XL
Cartier Santos 100 XL in Gold und Stahl

Bis zum Jahr 1978 gab es die Cartier Santos nur aus 18-karätigem Gold. Mit der Einführung der Bicolor-Version wurde die Armbanduhr für breitere Käuferschichten erreichbar. Cartier führte bei diesen neuen Modellen ein paar Design-Änderungen ein. So erhielt die Lünette kleine Schrauben, was auf Zustimmung bei den Käufern stieß, da das Design nicht grundlegend verändert wurde. Eine Santos aus Gold und Stahl war das Must-have der späten 1970er- und 1980er-Jahre.

In einem Jahrzehnt der Extravaganz und des gerne offen zur Schau gestellten Reichtums war Cartier die Marke, die wie keine zweite für Luxus stand. Die Bicolor-Santos entwickelte sich zum Symbol für Erfolg. Wer eine solche Uhr trug, hatte es geschafft und war oben angekommen. Natürlich können Sie sich auch eine aktuelle Santos 100 aus Edelstahl und mit Lederarmband zulegen, oder sogar eine Titan-Version. Den Coolness-Faktor der Bicolor-Santos aus den 70ern oder 80ern erreichen die neuen Modelle aber bei weitem nicht.

Und was bringt die Zukunft?

Wenn Sie die Beschreibungen dieser drei großartigen Vintage-Uhren gelesen haben, denken Sie vielleicht: „Interessante Storys, aber sind diese Uhren nicht etwas altmodisch? Ist ein Zeitmesser aus Gold und Stahl wirklich tragbar?” Die Antwort auf Ihre Fragen ist ein sehr deutliches: „Ja, ohne jeden Zweifel!” Die drei beschriebenen Modelle sind nicht nur cool, weil sie eine vergangene Ära repräsentieren, sondern auch weil ihr zweifarbiges Design auch noch heute ein Zeichen außergewöhnlichen Stil ist. Unterschiedliche Hersteller haben aktuell Uhren aus Gold und Stahl genauso im Angebot wie aus Gold und Titan oder Gold und Keramik.

Werfen Sie zum Beispiel einen Blick auf die kürzlich wiedereingeführte Audemars Piguet Royal Oak, die es auch aus Edelstahl und 18-Karat-Roségold gibt. Omega hat erfolgreich Modelle aus Sedna-Gold und Stahl herausgebracht und zu guter Letzt dürfen wir Rolex nicht vergessen: Die Genfer Manufaktur verkauft Bicolor-Ausführungen der Datejust, Submariner und Daytona und anderen legendären Modellen.

Viele definieren die 80er als ein Jahrzehnt des zweifelhaften Geschmacks, was aber nicht bedeutet, dass alles aus dieser Zeit in Vergessenheit geraten muss. Betrachten Sie die gesamte Geschichte einer Uhr und Sie werden die Schönheit der Gold-Stahl-Kombination zu schätzen lernen.

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Über den Autor

Jorg Weppelink

Hallo, ich bin Jorg und schreibe seit 2016 Artikel für Chrono24. Meine Beziehung zu Chrono24 reicht jedoch deutlich weiter zurück, denn meine Liebe zu Uhren erwachte …

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